Symbolbild: Missbrauch in der Kirche
Symbolbild: Missbrauch in der Kirche
Bischof Stephan Ackermann
Bischof Stephan Ackermann

27.06.2018

Bischof Ackermann bei Anhörung zu Missbrauch in der Kirche "Emotional nicht ganz leicht"

Die katholische Kirche in Deutschland stellt sich ihrer Verantwortung bei der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs. Auch öffentlich, wie bei einem "Hearing" in Berlin. Für den Trierer Bischof Stephan Ackermann ein hochemotionaler Termin.

DOMRADIO.DE: Bischof Ackermann, Sie waren bei dem so genannten Hearing dabei. Was ist das genau für eine unabhängige Kommission, die sich in Berlin getroffen hat?

Bischof Stephan Ackermann (Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz): Die unabhängige Kommission wurde von der Bundesregierung eingerichtet und soll Betroffene der sexualisierten Gewalt in besonderer Weise zu Wort kommen lassen, sowohl in vertraulichen Anhörungen, als auch in öffentlichen Hearings. Und heute ist eines dieser öffentlichen Hearings, um damit auch gesellschaftlich Aufmerksamkeit zu schaffen und diese auch weiter zu behalten.

DOMRADIO.DE: Und die Deutsche Bischofskonferenz unterstützt diese Kommission auch.

Ackermann: Die Kommission ist natürlich völlig unabhängig, aber für mich ist selbstverständlich klar, dass ich, wenn ich heute eingeladen bin, auch mit zuhöre. Das sind die wesentlichen Aufgaben: zuhören, natürlich auch reagieren und dass ich selbstverständlich hier kooperiere und mich einladen lasse. Aber wie gesagt, die Kommission ist völlig unabhängig. Wir sind aber eingeladen, zuzuhören und Stellung zu nehmen. Und das tun wir selbstverständlich.

DOMRADIO.DE: Wie erleben Sie diesen Tag in Berlin? Ich hörte, Sie werden auch von Betroffenen angesprochen. Wie ist das für Sie als Bischof?

Ackermann: Das ist natürlich emotional nicht so ganz leicht hier heute, weil es natürlich auch Wut und Enttäuschung gibt, die auch zum Teil - gerade wenn es um die katholische Kirche geht - auf mich gerichtet wird. Gut, ich glaube, das ist eben meine Rolle, die ich hier auch habe. Aber auch nach acht Jahren, in denen ich schon mit vielen Betroffenen gesprochen und ihre Geschichten gehört habe, gibt es keine Gewöhnung. Es ist immer wieder neu erschreckend, was Täter in den Biografien, in den Seelen, in der Spiritualität von den Menschen angerichtet haben und wie sie bis heute darunter leiden.

DOMRADIO.DE: Die Kirche kann da immer nur zuhören und - Papst Franziskus hat ebenfalls diese Signale ausgesendet - aufklären, oder?

Ackermann: Genau, das ist das Wichtige, wirklich zuhören, dafür sorgen, dass die Betroffenen den Eindruck haben, sie können wirklich auf Augenhöhe sprechen, sie werden gehört und ernst genommen, und dann daraus die Folgerungen ziehen.

DOMRADIO.DE: In dem vorbereitenden Pressetext der Kommission tauchen viele Fragen auf. Zum Beispiel, dass die Kirche sich in Teilen der Aufarbeitung verwehren würde und das schlimme Auswirkungen auf die Betroffenen hätte. Was sagen Sie zu solchen Vorwürfen?

Ackermann: Es ist natürlich so, dass wir uns selbst nach acht Jahren des Arbeitsprozesses in einem Lernprozess befinden. Es gibt immer neue Erkenntnisse, Erfahrungen. Wir können nicht sagen, wir haben das jetzt verstanden und jetzt ist es optimal, wie wir damit umgehen. Insofern ist es wichtig, hier noch mal artikulierte Unzufriedenheit zu hören.

Natürlich ist es leider auch so – und das ist für mich als Beauftragter ein Stück weit schmerzlich – dass natürlich Betroffene da sind, die aus ihrer persönlichen Erfahrung sagen, bei all dem, was die Kirche tut, bei allen Leitlinien, aller Prävention, mit mir wurde nicht gut umgegangen und ich bleibe unzufrieden. Man war mit mir nicht einfühlsam und ich fühle mich immer noch nicht genug gehört. Es ist wichtig, das einfach auch zuhören, aufzunehmen und dann auch noch mal zu schauen, woran hängt das denn?

DOMRADIO.DE: Herr Bischof, wie ist denn der Stand der Aufarbeitung?

Ackermann: Ja, der Aufarbeitungsstand ist – wie gesagt – ein fortschreitender Prozess. Ich habe keinen Gesamtüberblick über alle Bistümer. Aber wenn ich vom eigenen Bistum her schaue und das aus Gesprächen hinzunehme, was mir gesagt wurde, dann würde ich sagen, dass in den Bistümern an vielen Stellen in den letzten acht Jahren die Fälle der Betroffenen, die sich gemeldet haben, mit hoher Intensität erarbeitet wurden und dass auch wirklich sehr viele Fälle aufgearbeitet wurden. Aber wie gesagt, wir sind damit nicht am Ende, denn es gibt Menschen, die heute nach etwa acht Jahren erst sagen, jetzt bin ich an dem Punkt, jetzt habe ich den Mut und melde mich auch und gebe das zur Kenntnis.

DOMRADIO.DE: Es gibt von der Kirche die in Auftrag gegebene sogenannte MHG-Studie. Das ist eine umfangreiche wissenschaftliche Studie zum sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch kirchliche Mitarbeiter. Diese Studie, die zurzeit im Gange und noch nicht veröffentlicht ist, wurde aber bereits von fast allen Beteiligten hoch gelobt, weil sie so umfangreich und transparent sei. Was passiert weiter mit dieser Studie, wenn diese Studie abgeschlossen ist? Ist dann alles getan, was die Kirche tun kann?

Ackermann: Die große umfängliche Studie wird im Herbst im Rahmen der Vollversammlung der Bischofskonferenz vorgestellt. Sie liegt also noch nicht vor und wir erwarten natürlich auch als Bischofskonferenz daraus noch einmal neue vertiefte Erkenntnisse durch die Wissenschaftler, die ja über verschiedene Disziplinen hinweg das ganze Feld in den letzten Jahren bearbeitet haben. Und dann wird es natürlich auch nochmal darum gehen zu hören, was sind Schlussfolgerungen, die wir daraus ziehen.

DOMRADIO.DE: Und da sind sich auch alle Bischöfe einig, dass man da diese transparente Aufklärungsrichtung knallhart weitergehen wird?

Ackermann: Das ist sozusagen unser fester Entschluss, und das wird im Herbst auch nochmal deutlich werden.

Das Gespräch führte Johannes Schröer. 

(DR)

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