Einzug in den Mainzer Dom zum Requiem für den verstorbenen Kardinal Lehmann
Einzug in den Mainzer Dom zum Requiem für den verstorbenen Kardinal Lehmann
Trauerzug mit Fahnenträgern der kirchlichen Verbände
Trauerzug mit Fahnenträgern der kirchlichen Verbände
Bischof Peter Kohlgraf (m.) feiert das Requiem
Bischof Peter Kohlgraf (m.) feiert das Requiem
Ehrengäste: Frank-Walter Steinmeier und Malu Dreyer
Ehrengäste: Frank-Walter Steinmeier und Malu Dreyer
Kardinal Lehmann in seinem Testament: "Steht fest im Glauben!" Und: "Auf Wiedersehen!"
Kardinal Lehmann in seinem Testament: "Steht fest im Glauben!" Und: "Auf Wiedersehen!"

21.03.2018

Trauerzug, Requiem und ein letzter flammender Appell Abschied von Kardinal Lehmann

Kardinal Lehmann hat im Mainzer Dom seine letzte Ruhe gefunden. Zehn Tage nach seinem Tod wurde er nach einem Requiem in der Westkrypta beigesetzt. Tausende Menschen gaben ihm das letzte Geleit.

Das Wetter meint es gut mit Charlotte Wissmann und Tausenden anderen Menschen rund um den Mainzer Dom. Frühlingshaft scheint die Sonne, als sich die 76-jährige Mainzerin am Mittwoch knapp zweieinhalb Stunden vor Beginn der Beisetzung von Kardinal Karl Lehmann geduldig in einer langen Schlange anstellt.

Die Ausdauer lohnt sich: Als eine von etwa 1.200 Gläubigen bekommt sie einen Platz in der Kathedrale. "Es ist mir eine Ehre, dabei zu sein", sagt die Katholikin, denn "der Kardinal war immer so ein liebenswerter Mensch, so fröhlich und warmherzig". Gerade erst ist sie von einer Reise zurückgekehrt, weshalb sie sich nicht persönlich von dem am 11. März im Alter von 81 Jahren gestorbenen Kardinal verabschieden konnte, der eine Woche lang in der Augustinerkirche aufgebahrt war.

Sehen Sie hier die eindruckvollsten Bilder aus Mainz.

Viele Tränen

Zwischen Augustinerkirche und Dom säumen Tausende die Straßen. Vor der Augustinerkirche nehmen Fahnenabordnungen der katholischen Verbände und Studentenverbindungen Aufstellung. Ein weißer Leichenwagen mit großem Sichtfenster nimmt den schlichten Holzsarg auf, und der stille Zug setzt sich langsam in Bewegung. Schweigend verabschieden sich die Mainzer von ihrem früheren Bischof, nur die größte Domglocke - die Martinus-Glocke - läutet; manch einer hat Tränen im Gesicht.

Martina Bugert ist eigens aus Worms zur Trauerfeier angereist. Lehmann habe sie 1987 als katholische Gemeindereferentin gesegnet, erzählt sie. Bei den Begegnungen sei der Bischof immer sehr menschlich gewesen. Als sie einmal den Bischofskaplan in Mainz besuchen wollte, habe Lehmann selbst die Tür geöffnet und ihren Kinderwagen über die Schwelle hineingetragen. Auch Bugerts Tochter Anne-Kathrin will bei der Beisetzung dabei sein. Der Bischof habe sich immer bemüht, alle katholischen Theologiestudierenden in Mainz zu kennen, berichtet die Studentin.

Für Karl-Heinz Siegel war es klar, aus dem benachbarten Nackenheim anzureisen. Als früherer Mainzer Nachbar auf der anderen Straßenseite habe Lehmann ihn immer gegrüßt: "Er hatte immer ein freundliches Grüß-Gott auf den Lippen." Reinhard Tiemann aus dem ostwestfälischen Bad Driburg ist evangelisch und aus anderem Anlass in Mainz, aber auch ihm "ist es wichtig, hier zu sein". Mit Lehmann verbindet er als erstes dessen "Demütigung durch Rom" mit dem päpstlichen Nein zur Schwangerenkonfliktberatung und der erst späten Berufung zum Kardinal.

Als der Sarg vor den Hauptaltar des Doms getragen wird, wird das "Adagio für Streicher" von Samuel Barber gespielt. Später sind Werke von Mozart und Bach zu hören. Auf dem schlichten Holzsarg liegt jetzt eine goldene Mitra, ein verkürzter Bischofsstab und eine aufgeschlagene Bibel.

Gäste aus Politik, Gesellschaft und Kirchen

Wenige Meter davon entfernt haben in der ersten Reihe Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) als Vertreterin der Bundesregierung Platz genommen, außerdem die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg, Malu Dreyer, Volker Bouffier und Winfried Kretschmann.

In der mächtigen Kathedrale sind - wie draußen - Großleinwände und Bildschirme aufgestellt. Auf einem ist für einige Minuten ein Foto eines ziemlich verschmitzt blickenden Kardinals zu sehen. Lehmann, der fast 33 Jahre Mainzer Bischof und 20 Jahre Vorsitzender der Bischofskonferenz war, wird wohl noch lange nach seinem Tod die innerkirchlichen Debatten beschäftigen.

Das Geistliche Testament

Das wird klar, als Lehmanns Nachfolger, der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, in seiner Predigt auf das "Geistliche Testament" zu sprechen kommt, das der Verstorbene hinterlassen hat. Denn darin warnt Lehmann vor einer zu sehr verweltlichten Kirche. "Wir haben uns alle, gerade in der Zeit nach 1945, tief in die Welt und das Diesseits vergraben und verkrallt, auch in der Kirche", schreibt Lehmann in dem Dokument. "Dies gilt auch für mich. Ich bitte Gott und die Menschen um Vergebung." Die "Erneuerung" müsse "tief aus Glaube, Hoffnung und Liebe kommen". Zugleich schreibt der Kardinal, er habe unter dem Bewusstsein gelitten, wie abgrundtief zwiespältig das irdische Leben und die menschliche Macht sein könnten. "Das brutale Denken und rücksichtsloses Machtstreben gehören für mich zu den schärfsten Ausdrucksformen des Unglaubens und der Sünde."

Kohlgraf spricht von einer "geradezu prophetischen" Mahnung Lehmanns für die Kirche. "Die Versuchung wird nicht geringer, alles planen und machen zu wollen, als sei das Entscheidende die Verwaltung, die Planung, der materielle Besitz", sagt der Bischof.

 

Katholischer Weltbürger

Der amtierende Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, nennt Lehmann zum Abschluss des Requiems einen "katholischen Weltbürger, auskunftsfähig zu allen Themen der Zeit." Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erinnerte daran, dass Lehmann sich nie mit der Trennung der Kirchen abgefunden habe. "Sein Herz war einfach zu weit, um in konfessionelle Korsette zu passen", sagte er in dem live im Fernsehen übertragenen Gottesdienst. Daher sei der Abschied von Lehmann auch für die Protestanten ein schwerer Tag.

Am Ende des zweistündigen Requiems wird Lehmann in der Bischofsgruft unter dem Westaltar beigesetzt. Der Sarg wird in die Krypta hinuntergebracht und in die Grabkammer eingelassen. Lehmann ist der vierte Bischof, der in der 1925 angelegten Westkrypta des Mainzer Doms beigesetzt wurde. 1988 wurde dort Kardinal Hermann Volk bestattet, 1961 Bischof Albert Stohr und 1935 Bischof Ludwig Maria Hugo.

Am Donnerstag bekommt auch die Bevölkerung Zutritt zu der Krypta, in der nun "unser Karl", wie Lehmann in Mainz liebevoll genannt wird, seine letzte Ruhe gefunden hat.

(KNA, epd)

Adventskalender

Messenger-Gemeinde

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 13.12.
Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…