Kardinal Marx
Kardinal Marx

15.03.2018

Frühjahrsvollversammlung der bayerischen Bischofskonferenz Finanzen, Ökumene und die Heimat

Bis Mittwoch war Augsburg Gastgeber der Vollversammlung der bayerischen Bischöfe. Ein Treffen mitten in der "Heimat" also. Ein Begriff, der auch Einzug in die Politik gefunden hat - und zu dem Reinhard Kardinal Marx eine andere Lesart offenbart.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx hat angesichts der Konjunktur des Begriffs "Heimat" gesagt, dass Glaube eine stärkere Heimat sei als Landschaft, Tradition oder Sprache. Der Glaube als Heimat sei "unzerstörbar" über alle Nationen und Unterschiede hinweg, es gebe keine Grenzen der Sprache oder Kultur, sagte der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz am Mittwochabend beim Gottesdienst im Dom zu Augsburg. In der Fuggerstadt fand bis Donnerstag die Frühjahrsvollversammlung der bayerischen Bischöfe statt.

Zugleich rief der Kardinal die Gläubigen auf, die österliche Bußzeit nicht als eine Zeit der Trauer zu verstehen. Sie sollten diese nutzen, um sich bewusstzuwerden, wo "unser Ursprung" liege. "Jammern ist nicht die Berufung der Kirche", erklärte Marx und warnte vor der Gefahr, Schuldzuweisungen an die säkulare Welt oder die Medien auszusprechen. Vielmehr gelte es gerade mit Blick auf Ostern, "die Mauer der Trauer, des Jammers, der Klage zu durchbrechen und zu entdecken, dass wir vom Tod in das Leben gegangen sind".

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick rief am Donnerstag im Gottesdienst in Sankt Ulrich die Kirche dazu auf, missionarisch zu sein. "Bei allen Missionsbemühungen muss Jesus Christus im Mittelpunkt stehen." Schick erinnerte an Papst Johannes Paul II., der bei seinem ersten Besuch in seiner polnischen Heimat den Menschen zugerufen habe, Kirche habe nichts anderes zu verkünden als Jesus Christus. Er bedeute Freiheit, garantiere jedem Menschen Würde und die Grundrechte, er bewirke Solidarität und Gemeinsinn.

Marx geht Umbau der Finanzverwaltung nicht schnell genug

Bei der Reform der kirchlichen Finanzverwaltung in Deutschland drückt Kardinal Reinhard Marx weiter aufs Tempo. Der Eichstätter Finanzskandal habe gezeigt, "wir müssen schneller werden", sagte Marx. Am Ende müssten die Vermögensverhältnisse aller 27 deutschen Bistümer "transparent und vergleichbar" sein.

Der Prozess sei "im Gange, ist mir aber zu langsam", sagte Marx auf Nachfrage von Journalisten. In Bayern "sind wir nicht weiter", fügte er hinzu. Im Juni werde der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz, also die Vollversammlung der Diözesanbischöfe, "intensiv darüber sprechen". Die Stichworte lauteten Transparenz, Kontrolle, Aufsicht und Solidarität.

Bayerische Bischöfe bauen Demokratiearbeit aus

Angesichts einer Zunahme neuer rechter und populistischer Bewegungen verstärken die bayerischen Bischöfe den Einsatz für Demokratie und Menschenwürde. In Nürnberg und Freising gründet die katholische Kirche noch in diesem Jahr zwei neue "Kompetenzzentren für Demokratiearbeit", wie der Münchner Kardinal Reinhard Marx mitteilte. Das Nürnberger Caritas-Pirckheimer-Haus und das Freisinger Kardinal-Döpfner-Haus erhalten dafür zunächst befristet auf zwei Jahre je eine halbe Stelle. Dafür stehen pro Jahr insgesamt 100.000 Euro zur Verfügung. 

Bei beiden Bildungshäusern handle es sich um "etablierte Träger", die auf dem Gebiet bereits tätig seien. Die Bischöfe wollten damit aber auch anderen Einrichtungen signalisieren, "dass das ein wichtiges Thema ist".

Besorgt äußerte sich Marx über die Zunahme völkischer Sprache, von Schwarz-Weiß-Denken und einer rein negativen Sicht auf ganze Religionen in öffentlichen Debatten. Solche Tendenzen führten "zu Unfrieden". Er hoffe, "dass die Christen in solchen Auseinandersetzungen wissen, was die Sprache des Evangeliums ist und wie sie sich entsprechend aufstellen müssen". Er sei zuversichtlich, dass die Kirche weiter ein Ort bleibe, an dem Gräben nicht vergrößert, sondern zugeschüttet würden, an dem "Hass und Gegeneinander" nicht zunähmen, sondern das Verständnis für den anderen.

Die Bistümer und insbesondere ihre Bildungsarbeit träten rechtsextremen, rassistischen und menschenverachtenden Tendenzen entschieden entgegen, sagte der Kardinal. Eine pauschale Bewertung bestimmter Parteien wie etwa der AfD wollte Marx auf Nachfrage von Journalisten nicht vornehmen. Der Kirche gehe es "um Haltung, um Parolen und einzelne Stellungnahmen", auf die sie eingehen müsse.

Gössl übernimmt Vorsitz der Konferenz der Ökumenebeauftragten

Die bayerischen Bischöfe wollen sich künftig noch stärker in der Ökumene engagieren. Das Reformationsjahr 2017 habe die Sehnsucht nach der Einheit der Konfessionen vertieft, erklärte Kardinal Reinhard Marx. Deshalb hätten die Bischöfe entschieden, sich enger mit der Arbeit der Fachebene, der Konferenz der Katholischen Ökumenebeauftragten (KKÖB), zu vernetzen. Der Bamberger Weihbischof Herwig Gössl (51) soll künftig als Vorsitzender der Konferenz die Zusammenarbeit mit der Freisinger Bischofskonferenz koordinieren.

Bischöfe errichten bayerisches Datenschutzzentrum in Nürnberg

Die Freisinger Bischofskonferenz errichtet demnächst in Nürnberg ein kirchliches Datenschutzzentrum. Die "unabhängige kirchliche Behörde" werde bayernweit Aufsichtsaufgaben wahrnehmen, wie die Bischofskonferenz in Augsburg mitteilte. Die neuen Institutionen ergänzen die Arbeit der Datenschutzbeauftragten in den sieben bayerischen Bistümern.

Der Vorsitzende der Freisinger Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sagte, damit würden neue Anforderungen des deutschen und europäischen Rechts umgesetzt. Zum 25. Mai tritt in allen EU-Mitgliedsstaaten die neue Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) in Kraft. Sie vereinheitlicht die Regeln zur Verarbeitung personenbezogener Daten durch Unternehmen und öffentliche Stellen. "Wir brauchen Datenschutz auf dem Niveau europäischer und deutscher Gesetze", betonte Marx.

(KNA)

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