Blick auf das Bischofskreuz von Kardinal Karl Lehmann im Jahr 2014
Blick auf das Bischofskreuz von Kardinal Karl Lehmann im Jahr 2014
Matthias Kopp
Matthias Kopp, DBK-Sprecher
Kardinal Lehmann mit dem Plakat der Informationskampagne "Wir helfen und beraten weiter - Die Schwangerschaftsberatung der katholischen Kirche" im November 2000
Kardinal Lehmann mit dem Plakat der Informationskampagne "Wir helfen und beraten weiter - Die Schwangerschaftsberatung der katholischen Kirche" im November 2000
Helmut Kohl im Gespräch mit Kardinal Karl Lehmann während der Einweihung der neuen Nuntiatur in Berlin im Jahr 2001
Helmut Kohl im Gespräch mit Kardinal Karl Lehmann während der Einweihung der neuen Nuntiatur in Berlin im Jahr 2001
Papst Franziskus empfängt Kardinal Karl Lehmann, Bischof von Mainz, am 18. Januar 2014 zu einer Privataudienz im Vatikan
Papst Franziskus empfängt Kardinal Karl Lehmann, Bischof von Mainz, am 18. Januar 2014 zu einer Privataudienz im Vatikan

11.03.2018

DBK-Sprecher über Wirken von Lehmann in der Bischofskonferenz "Manager Gottes auf Erden"

Er hat das Amt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz geprägt wie kein anderer. Mehr als zwei Jahrzehnte hat sich Karl Kardinal Lehmann als großer Theologe und Brückenbauer in dieser Konferenz verdient gemacht.

DOMRADIO.DE: Wie hat Kardinal Lehmann die deutschen Bischöfe in seiner Amtszeit geprägt?

Matthias Kopp (Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz): Ich glaube, es war ein Doppeltes bei ihm: Einmal der Seelsorger, weil er immer eine Komponente für den anderen hatte. Er fragte immer, wie es den Mitbrüdern geht, wenn jemand krank war, wenn jemand Sorgen hatte, wenn es irgendwo ein Problem im Bistum gab. Er war der große Manager Gottes auf Erden. Was Karl Lehmann in der Bischofskonferenz im Kopf hatte, war unglaublich. Er faxte besonders nachts gerne Korrekturen und war immer präsent.

Er war letzten Endes ein großartiger Manager, der es nie vergaß, diese Idee von Seelsorge, diese Idee vom Manager sein, mit der Theologie zu verbinden. Was die Bischofskonferenz Karl Lehmann zu verdanken hat, ist, dass wir wirklich einen großen Theologen in dieser Konferenz hatten, der uns auch über seine Emeritierung hinaus begleitet hat und der uns jetzt fehlt.

DOMRADIO.DE: Kardinal Lehmann war auch ein sehr politischer Mensch und hatte oft auch liberale Ansichten, die nicht alle geteilt haben, betrachtet man zum Beispiel die Themen Schwangerschaftskonfliktberatung oder Diakonat der Frau. War er also auch ein Unbequemer?

Kopp: Er war sicherlich ein Unbequemer, er war sicherlich jemand, der immer geschaut hat: "Kann ich mit meiner Position eigentlich eine Mehrheit in der Bischofskonferenz finden?" Was nicht immer der Fall war, aber er war eben ein Mutiger und ich finde, dass die Lebensläufe und die Nachrufe heute das sehr deutlich zeigen. Er war ein Brückenbauer, er hat schon in den Jahrzehnten seiner Amtszeit versucht, Gräben zu überwinden. Das war nicht immer einfach, aber er hat es versucht, einmal in theologischen Bereichen, aber vor allen Dingen auch im politischen Feld.

Unter Karl Lehmann ist die ostdeutsche Bischofskonferenz mit der westdeutschen Bischofskonferenz vereint worden. Ein ganz wichtiger kirchenpolitischer Akt. Ich denke, dass die Sternstunde für Karl Lehmann war, als er mit Johannes Paul II. und Helmut Kohl 1996 durch das Brandenburger Tor ging. Ein Moment, bei dem man ganz deutlich merkte, wie er auch Brückenbauer im wahrsten Sinne des Wortes war.

DOMRADIO.DE: Man hat manchmal den Eindruck, dass dieses Potential, das Weltliche und das Spirituelle zu verbinden, in der Kirche unserer Tage noch nicht ganz ausgeschöpft wird, wo auch konservative Strukturen an Macht und Einfluss gewinnen. Spielt Lehmanns Denken also heute keine so große Rolle mehr?

Kopp: Doch auf jeden Fall. Natürlich ist es auch jetzt ein Anliegen der Bischofskonferenz, keine Gräben aufkommen zu lassen, sondern irgendwie in strittigen Themen einen Konsens zu finden. Das ist nicht immer einfach, aber alle Bischöfe bemühen sich redlich darum. Gleichzeitig wird dieser Geist von Karl Lehmann über seinen Tod hinaus weiter wirken, in die Bischofskonferenz, in die ganze Kirche Deutschlands und auch in die Theologie hinein.

Da würde ich sagen, kann es auch durchaus streitbare Diskussionen der Bischofskonferenz geben. Karl Lehmann wird sich das jetzt aus einer anderen Perspektive anschauen. Ich glaube, er wird sich über manche Debatte freuen, die es in der Bischofskonferenz gibt, auch in der Offenheit, wie sie geführt wird.

DOMRADIO.DE: Prägend ist für ihn auch das Politische, das Herausgehen. Er war bei der Wahl von Papst Franziskus dabei, wie haben sie ihn da im Vorfeld erlebt?  

Kopp: Ich durfte ihn unmittelbar vor und nach dem Konklave begleiten. In diesem Zusammenhang gibt es zwei wunderbare Szenen. Also am Tag vor dem Einzug ins Konklave sagte Karl Lehmann in Rom: "Sollen wir nicht doch noch einmal ein bisschen hintergründig mit Journalisten sprechen, aber an einem Ort, wo man uns nicht gleich entdeckt." Es war ein großartiges Gespräch, weil Lehmann schon die Vision eines Papstes hatte, der deutlich die Kirche aus dem Kirchturmdenken hinausführen muss.

Er hat nie den Namen Bergoglio genannt, auch nicht im Hintergrund, aber er hatte ihn sicherlich im Kopf. Unmittelbar nachdem Papst Franziskus gewählt war, haben wir dann eine Pressekonferenz mit den deutschen Kardinälen gemacht. Karl Lehmann, wie er so war, machte aber noch vor der Pressekonferenz eine Liveschalte in die Tagesthemen und hat den wirklich schönen Satz geprägt: "Wir haben Geschichte geschrieben".

Das Gespräch führte Christoph Paul Hartmann.

(DR)

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