Blick auf den Kaiserdom in Speyer
Blick auf den Kaiserdom in Speyer
Bischof Wiesemann
Bischof Wiesemann
Sehen sich in Krakau: Jugendbischof Wiesemann und Papst Franziskus
Karl-Heinz Wiesemann trifft Papst Franziskus

02.03.2018

Jubiläum in Speyer: Bischof Wiesemann seit zehn Jahren im Amt Ein Kirchenmann der Zwischentöne

Früher war er Jugendbischof, heute ist er in der katholischen Kirche deutschlandweit für Glaubensfragen und Ökumene zuständig. Am Freitag ist Karl-Heinz Wiesemann seit zehn Jahren Bischof von Speyer.

So schnell geht das: Als Karl-Heinz Wiesemann am Freitag vor zehn Jahren mit gerade einmal 47 als neuer Bischof von Speyer eingeführt wurde, war er Deutschlands jüngster Ortsbischof. Nun, ein Jahrzehnt später, gehört er zum dienstältesten Drittel der katholischen Oberhirten.

Unverändert ist, dass Wiesemann trotz seiner Aufgabenfülle bundesweit wenig Schlagzeilen macht. Das kommt nicht von ungefähr, denn ihm sind die Debatten in Kirche und Gesellschaft meist "zu laut und zu hysterisch". Er liebt mehr "die nachdenklichen Töne". Der musikalisch Hochbegabte, der sich jedes Jahr an seinem schwarzen Yamaha-Flügel "ein großes Stück" zur Interpretation vornimmt, will nicht nur die Melodie erkennen, sondern auch Ober-, Unter- und Zwischentöne hören.

Visionen im Blick

Wiesemann will neu und anders denken lernen, weil er glaubt, dass "das Handwerkszeug von früher heute nicht mehr funktioniert". Patentrezepte von oben dekretiert er nicht, er sieht sich als Suchenden. Der Bischof will eine spirituelle und dienende Kirche, die von innen ausstrahlen soll: "Wenn das gelingt, kann eine neue Vision entstehen, die uns heute fehlt."

Was das heißen kann, zeigt Wiesemann selbst. Direkt angrenzend an seine privaten Wohnräume in dem u-förmigen, 1704 erbauten barocken Gebäudekomplex an der Westseite des Domplatzes wohnt seit rund zwei Jahren eine somalische Flüchtlingsfamilie. Eine muslimische Frau mit acht Kindern und ihren Eltern. Sie und der Bischof teilen sich zwar nicht Bad oder Küche, aber sie leben Wand an Wand unter einem Dach, neben Wiesemanns Wohnung und über der Privatkapelle mit Sakristei.

"Kleinstaatliches Denken hilft nicht"

Wenn der Bischof und die beiden in seinem Haushalt lebenden Ordensschwestern Gottesdienst feiern, "dann hören wir, dass Leben im Haus ist. Und zwar auf eine ganz angenehme Art und Weise". Er empfindet ein turbulentes Familienleben als normal, weil er selbst mit mehreren Geschwistern aufwuchs.

Wechsel und Veränderung stehen auch im Bistum an. Denn nur ein bis eineinhalb Jahrzehnte hat die katholische Kirche nach Wiesemanns Überzeugung aus demografischen Gründen Zeit, "um den Übergang zu organisieren".

Es gibt auch in der Pfalz immer weniger Priester und Laientheologen, die finanziellen Ressourcen werden ebenfalls schwinden. Diesen Wandel will Wiesemann nicht isoliert vorantreiben, sondern plädiert für mehr Zusammenarbeit, um in der Bischofskonferenz gemeinsam Perspektiven zu entwickeln: "Kleinstaatliches Denken hilft nicht."

"Gewaltiger Umbruch" durch neues Konzept

In seinem Bistum hat Wiesemann in den vergangenen Jahren mit dem Konzept "Gemeindepastoral 2015" bereits die Zahl von 346 Pfarreien auf rund 70 reduziert – ein "gewaltiger Umbruch". Wesentlich war ihm dabei Transparenz. Jeder sollte alles sagen können.

Unterstützt wurde er dabei von seinem Generalvikar Franz Jung, der nun zum Bischof von Würzburg ernannt wurde. Für Speyer ein herber Verlust, denn Wiesemann hält Jung für "geistlich wie menschlich sehr integer und aufgrund seiner vielseitigen Fähigkeiten für Leitungsaufgaben hervorragend geeignet".

Nicht nur im Bistum, auch in seinen Funktionen innerhalb der Bischofskonferenz zeigt sich Wiesemann als Mensch, der unterschiedliche Sichtweisen und Erfahrungen zusammenführen kann. So hielt er es früher als Jugendbischof, und so hält er es heute in der Glaubenskommission und in seiner Rolle bei der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Ökumene ist Wiesemann ein Herzensanliegen.

EIn Volksmann

Das liegt auch daran, dass Wiesemann aus einer protestantisch geprägten Regionen Westfalens stammt. Ihm ist es wichtig, dass Gespräch der Kirchen nicht auf den katholisch-evangelischen Dialog zu reduzieren, "ein deutsches Phänomen", sondern etwa auch die orthodoxe Christen im Blick zu behalten. Im Hinblick auf seine Kirche spricht er sich dafür aus, theologische Fragen, insbesondere die nach den Sakramenten und den kirchlichen Ämtern, "immer ökumenisch sensibel zu diskutieren".

Wiesemanns freundliche, manchmal selbstironische, aber immer unprätentiöse Art kommt bei den Menschen an. Das war auch so, als er im Vorjahr die Beisetzungsfeierlichkeiten für Altkanzler Helmut Kohl im salischen Kaiserdom leitete. Ihm gelang es, einerseits Kohls politischen Verdienste zu würdigen, andererseits aber auch die schwierige familiäre Situation anzusprechen, ohne das es verletzend klang. Es war die Ansprache eines Mannes, der sich Zeit nimmt "für die Feinheit der seelischen Töne".

Michael Jacquemain
(KNA)

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