Gedenken an die Zerstörung Dresdens
Gedenken an die Zerstörung Dresdens
Sebastian Feydt, Pfarrer der Frauenkirche, am Tag der Deutschen Einheit
Sebastian Feydt, Pfarrer der Frauenkirche, am Tag der Deutschen Einheit

13.02.2018

Pfarrer der Dresdner Frauenkirche zum Gedenktag der Zerstörung "Wir tragen Verantwortung"

Der 13. Februar ist für Dresden ein wichtiges Datum. Denn an dem Tag wurde vor 73 Jahren die Stadt massiv zerstört. Das Gedenken geht aber über ein Erinnern hinaus, sagt Sebastian Feydt, Pfarrer der Frauenkirche.

DOMRADIO.DE: "Erinnern, versöhnen und Zukunft gestalten" ist die Überschrift des diesjährigen Gedenkens. Was genau steckt dahinter?

Sebastian Feydt (Pfarrer der Frauenkirche in Dresden): Der 13. Februar ist für die Bevölkerung in Dresden ein denkwürdiges Datum. Der in Deutschland begonnene Zweite Weltkrieg kehrte am Ende des Krieges nach Dresden zurück und in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar sind dabei weite Teile der Innenstadt Dresdens verheerend zerstört worden.

Wir erinnern an ungefähr 25.000 Menschen, die in dieser Nacht in der Stadt ums Leben gekommen sind. Erinnert wird an ein Kriegsgeschehen am Ende des Zweiten Weltkrieges und das ist etwas, das gleichsam in die Geschichte dieser Stadt eingeschrieben ist.

DOMRADIO.DE: Inwiefern ist das Gedenken wichtig für die Gestaltung der Zukunft?

Feydt: Es bleibt nicht beim Erinnern, sondern es geht darum, dass wir uns im Jahr 2018 im europäischen Kontext der Verantwortung dessen bewusst werden und mit den Partnern, die wir nach dem Zweiten Weltkrieg gefunden haben, einen gemeinsamen Akzent für Friedfertigkeit setzen. Es ist der Anspruch, der mit dem Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche verbunden ist, im Herzen der Stadt ein Zeichen für Frieden und Versöhnung zu setzen.

In der Frauenkirche haben wir das Nagelkreuz auf dem Altar stehen - eine Gabe aus Coventry, einer Stadt, die bereits 1940 durch einen deutschen Bombenangriff stark zerstört worden war. Wir brauchen diese Zeichen der Versöhnung wechselseitig und wir nutzen das Erinnern und den Brückenschlag nach Polen, England, Frankreich, um in das aktuelle Geschehen hineinzuwirken.

DOMRADIO.DE: Wie meinen Sie das?

Feydt: Wir leben ja nicht auf einer Insel der Seligen, sondern wir sind in einer sich verändernden Welt, die täglich von Kriegsgeschehen geprägt wird. Dass wir in Dresden seit Jahrzehnten in Frieden leben können, bedeutet auch, dass wir eine Verantwortung dafür tragen, dass andere eine sehr berechtigte Sehnsucht nach Frieden haben und dass wir dazu etwas beitragen können. Das ist auch ein Signal, das von diesem Tag ausgeht.

DOMRADIO.DE: Im Vorfeld gab es, wie in jedem Jahr, demonstrierende Nazis. Natürlich gab es auch Gegendemos. Wie viel haben Sie davon mitbekommen?

Feydt: Der 13. Februar wird seit Jahrzehnten missbraucht. Doch in jüngster Vergangenheit ist es gelungen, rechtsradikale Aufmärsche in Dresden stark zurückzudrängen. Es gab Zeiten, noch vor wenigen Jahren, als hier noch Tausende unter diese Flagge marschiert sind. Am Samstag hat es wieder eine Demonstration gegeben in einer den Nationalsozialismus zum Teil verherrlichenden Ausrichtung und einer die Geschichte verfälschenden Weise. Es ist wichtig, auch dass wir nach der Rede von Herrn Höcke im vergangenen Januar in Dresden diese verfälschenden Ansätze benennen. Denn ein wahrhaftiges Erinnern muss auch eine historisch korrekte Erinnerung sein.

Ich finde es ganz respektabel, dass es gerade so viele junge Menschen gibt, die immer wieder deutlich machen, dass sie diese den Nationalsozialismus verherrlichenden Ansätze mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern wollen. Auch die Menschenkette, die am Abend des 13. Februar gebildet werden soll, ist ein Zeichen dafür, dass die Zivilgesellschaft gegen den Missbrauch des Erinnerns auf die Straße geht.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)