Barnabas Bögle und Theodor Hausmann
Barnabas Bögle und Theodor Hausmann

09.09.2017

Was Bayerns Benediktiner am Zustand der Gesellschaft kritisieren "Alle wollen Heimat, aber wenige wollen Heimat geben"

Das Generalkapitel der Bayerischen Benediktinerkongregation tagte diese Woche in Augsburg. Von den gegenwärtigen Herausforderungen für die bayerischen Benediktiner erzählen Abtpräses Barnabas Bögle und der Augsburger Abt Theodoer Hausmann.

KNA: Abtpräses Barnabas, Abt Theodor, was ist das wichtigste Ergebnis Ihrer Zusammenkunft?

Barnabas Bögle (Abtpräses aus Ettal): Am wichtigsten ist das Treffen an sich: dass alle Äbte unserer Kongregation und ausgewählte Mönche gemeinsam beraten haben, wie die fast anderthalb tausend Jahre alte Benediktsregel, die Richtschnur unseres Ordenslebens, in die heutige Zeit umgesetzt werden kann.

KNA: Was heißt das konkret?

Bögle: Zum Beispiel haben wir diskutiert, dass wir uns mit Patientenverfügungen befassen müssen. So etwas gab es früher nicht. Heute ist das ein wichtiges Thema, natürlich auch für uns. Gerade in Klöstern leben stets mehrere Generationen zusammen. Da gibt es immer auch alte und pflegebedürftige Mitbrüder.

KNA: Droht einzelnen Ihrer Abteien durch Überalterung der Untergang?

Theodoer Hausmann (Augsburger Abt und Gastgeber des Kapitels): Mittelfristig nicht. Es ist ja so: Man kann ein Kloster durchaus mit fünf Mönchen führen. Man muss dann nur schauen, was man mit seinen Strukturen macht. Wir in Sankt Stephan haben daher in den vergangenen Jahren gut die Hälfte unserer Gebäude an externe Partner vermietet; etwa an eine Kita und eine Kunstakademie. Das schmerzt uns nicht, denn wir leben ja nicht für Institutionen, sondern für die Suche nach Christus. Institutionen sind auf diesem Weg nur Mittel, kein Ziel.

Bögle: Dass sich die Mittel dabei ändern, ist eine stete Dynamik.

Hausmann: So hat Sankt Stephan vor rund 15 Jahren die Co-Trägerschaft für das gleichnamige Gymnasium abgeben.

Bögle: Und Ettal schon vor 20 Jahren seinen Kunst-Verlag umstrukturiert und ausgelagert.

KNA: Stehen aktuell ähnliche Veränderungen an?

Bögle: Nicht bei den Abteien unseres Generalkapitels. Aber ich weiß von einem nordbayerischen Benediktinerinnenkloster, das sich derzeit von seiner Landwirtschaft trennt. Die ist den meist älteren Schwestern inzwischen zu anstrengend. Gleichzeitig bauen sie nun eine Pilgerherberge auf, weil sie gemerkt haben, dass bei ihnen viele Menschen auf Wanderschaft vorbeikommen. Man braucht also manchmal Mut zur Umwidmung.

KNA: Mut hin, Mut her: Heute zählt Ihre Kongregation 181 Mönche, vor 30 Jahren waren es noch bald doppelt so viele.

Hausmann: Solche Schwankungen hat es zu allen Zeiten gegeben, im Mittelalter genauso wie heute. Nach der Säkularisation vor 200 Jahren gab es in Bayern eine Zeit lang gar keine Benediktiner mehr - im Vergleich dazu stehen wir jetzt trotz aller Schwierigkeiten nicht hoffnungslos da. Ich hadere deswegen bei diesem Thema überhaupt nicht mit Gott, sondern vertraue auf ihn. Und vor allem bin ich ihm dankbar für jeden geeigneten Menschen, den er uns dann doch immer wieder schickt - das tut er ja nach wie vor.

KNA: Wäre nicht dennoch auch etwas Eigenwerbung hilfreich, um Nachwuchs zu gewinnen?

Hausmann: Jemand muss aus sich heraus erkennen, dass er mit uns leben will. Alles, was wir tun können, ist, unsere Werte aktiv zu leben. Das heißt, dass wir nach außen deutlich machen: So wie heute kann Gesellschaft nicht ewig funktionieren - so, dass alle gern Dienste in Anspruch nehmen, aber kaum jemand sie leisten will. Den Trend etwa, sich eine Auszeit im Kloster zu nehmen, kann es ja nur geben, weil manche Menschen verbindlich im Kloster leben. Alle wollen Heimat, aber wenige wollen Heimat geben - dazu gehören wir Ordensleute. Diese Verbindlichkeit ist etwas, was das Klosterleben in unserer beliebigen Gesellschaft besonders und sicher auch für manchen interessant macht.

KNA: Interessant ist bei dem gerade beendeten Generalkapitel noch die Damen-Premiere gewesen. Was steht hinter dieser Entscheidung?

Bögle: Die Zusammenarbeit zwischen Benediktinern und Benediktinerinnen wollen wir künftig verstärken, um uns gegenseitig zu unterstützen und voneinander zu lernen. Das können gerade auch wir Männer von den Frauen. So sind die drei im deutschsprachigen Raum führenden Wissenschaftler, die zur Benediktsregel forschen, Frauen. Und auch auf dem eingangs angesprochenen, immer wichtigeren Gebiet der Alten- und Krankenpflege sind oft Frauen Spezialisten.

Christopher Beschnitt
(KNA)

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