Peter Kohlgraf bei einem Gottesdienst im Mainzer Dom
Peter Kohlgraf bei einem Gottesdienst im Mainzer Dom

27.08.2017

Mainzer Bischof sieht XXL-Gemeinden skeptisch Peter Kohlgraf will auf Menschen zugehen

Peter Kohlgraf ist neuer Bischof von Mainz. Im Interview vor der Weihe schildert Kohlgraf, wie es ihm seit der Ernennung durch Papst Franziskus im April ergangen ist und welche Pläne er für die Zukunft hat.

KNA: Sie haben die ersten Medientermine inklusive Wohnungsbesichtigung hinter sich. Wie war es?

Peter Kohlgraf (Ernannter Bischof von Mainz): Sehr ungewohnt. Ich habe zwar Übung darin, vor und mit Menschen zu sprechen, aber das Interesse an meiner Person und meiner Wohnung hat mich überrascht. Es ging so weit, dass einer der 35 Journalisten sogar ungefragt einen Blick in meinen Kühlschrank geworfen hat.

KNA: Lesen Sie später die Texte und schauen Sie, was beispielsweise beim Online-Lexikon Wikipedia über Sie steht?

Kohlgraf: Die Texte ja, und einmal auch den Wikipedia-Eintrag. Aber ich lese nicht jede Kommentierung in Sozialen Medien. Über die wichtigsten Veröffentlichungen informiert mich auch die Pressestelle des Bistums.

KNA: Sind Sie bislang mit der Resonanz zufrieden?

Kohlgraf: Die Vorberichterstattung war gut und hilfreich. Bisher wurde ich gut behandelt, ich kann wirklich nicht meckern.

KNA: Künftig wollen Sie sich als Bischof auch gesellschaftspolitisch äußern.

Kohlgraf: Ich muss nicht zu jeder Frage etwas sagen, sondern nur zu dem, was gerade wirklich dran ist. Die Zukunft wird genügend Themen bringen, zu denen die Kirche etwas zu sagen hat.

KNA: Zwischen Ernennung und Bischofsweihe liegt mehr als ein Vierteljahr. Was haben Sie in der Zeit gemacht?

Kohlgraf: Nach der Erholung vom ersten Schock über meine Ernennung habe ich viele Gespräche mit Mitarbeitern der Bistumsverwaltung geführt: Was machen die Einzelnen, womit beschäftigen sie sich, welche Fragen stehen an? Aber es ging auch um Organisatorisches wie die Bischofskleidung und um Öffentlichkeitsarbeit.

KNA: Sie sind Professor für Praktische Theologie. Reizt es Sie, künftig an einer Stellschraube zu sitzen, um Ideen umsetzen zu können?

Kohlgraf: Ja. Ich kann schauen, ob das, was gedacht und geschrieben wird, praxistauglich ist. Das gilt auch für meine eigenen Ideen. In Mainz stehen die Fragen an, die auch andere Bistümer beschäftigen: Wie können wir Menschen motivieren, sich einzubringen. Wie schaffen wir es, die Leute zu begeistern und über die Ränder zu blicken. Konkretes will ich mit den entsprechenden Gremien bereden.

KNA: Sie haben bereits Skepsis gegenüber sogenannten XXL-Pfarreien geäußert. Warum?

Kohlgraf: XXL-Pfarreien sind nie die Lieblingslösung eines Bischofs. Wir wissen, dass die Akzeptanz von Kirche abnimmt, wenn sie kein Gesicht vor Ort hat. Vielleicht kann es in Mainz unterschiedliche Wege für verschiedene Regionen geben. Aufgabe des Bischofs ist es, eine verbindende Vision zu entwickeln.

KNA: Wie sehen Sie alternative Leitungsmodelle - etwa durch Diakone oder Ordensfrauen?

Kohlgraf: Über solche Modelle kann man nachdenken. Die Kirche versteht sich sakramental, von daher wird grundsätzlich ein Pfarrer eine Gemeinde leiten müssen. Aber an dieser Leitung können andere Anteil haben - auch Ehrenamtliche. Aber wir dürfen die Menschen auch nicht überfordern. Wo sollen die Leute herkommen, die die ganze Arbeit leisten sollen?

KNA: Wie sehen Sie viri probati, also verheiratete Christen als Priester?

Kohlgraf: Auch darüber kann man sprechen. Theologisch spricht nichts dagegen. Aber ich will nicht die Hoffnung aufgeben, wieder mehr junge Menschen für den Priesterberuf gewinnen zu können.

KNA: Ökumene sehen Sie grundsätzlich positiv. Machen unterschiedliche Positionen zur "Ehe für alle" jetzt die Gespräche schwieriger?

Kohlgraf: Differenzen über ethische Fragen bestehen schon länger. Beim Thema Lebensschutz etwa gibt es unterschiedliche Akzente. Aber das Gemeinsame überwiegt: Beide Kirchen stehen vor der Aufgabe, den Glauben und die Freude daran lebendig zu halten. Dafür wollen wir gemeinsam Zeugnis ablegen. Und dabei müssen wir aushalten, dass es Unterschiede gibt.

KNA: Über Ökumene hinaus gibt es immer wieder die Forderung nach interreligiösem Dialog. Aber der ist nicht einfach, weil etwa die Muslime als teilweise noch nicht einmal untereinander sprachfähig gelten.

Kohlgraf: An dem Punkt bin ich etwas ratlos. Natürlich finden wir in allen Religionen Gesprächspartner, Menschen gehen aufeinander zu. Aber die Frage bleibt: Wer spricht verbindlich für wen, was hat welche Verlässlichkeit? Wir sollten auch um gute Kontakte und Gespräche mit dem Judentum bemüht sein.

KNA: Sie haben angekündigt, dass Sie eine dienende Kirche wollen, dass Sie an die Ränder wollen, mehr verkündigen und weniger belehren. Und bei alledem ein normaler Mensch bleiben. Was heißt das alles konkret?

Kohlgraf: Was die seelsorglichen Prozesse angeht, ist das Bistum auf einem guten Weg. Wir weiten den Blick auf die diakonischen Felder und entdecken die Diakonie als etwas genuin Theologisches. Diakonie heißt: neu fragen, was Menschen brauchen. Ich kann nicht die Botschaft des Evangeliums predigen, ohne die Menschen zu fragen und auf sie zu hören. Persönlich will ich mich so normal benehmen, wie ich das bisher getan habe. Und ich habe meinen Freundeskreis gebeten, mir zu sagen, falls ich mich stark verändern sollte. Ich hoffe, die haben das wohlwollend-freundlich im Blick.

KNA: Sie haben gesagt, vor Fasnacht und Fußball sei Ihnen nicht bange. Ziehen Sie also demnächst in Mainz an Karneval die Pappnase auf und gehen zu Mainz 05?

Kohlgraf: Ich werde beides genießen. Auf Fasnacht freue ich mich, und ich habe Interesse an Fußball, ohne ein hysterischer Fan zu sein. Ich lasse mich jetzt auf die neue Situation ein - ohne Köln dabei untreu zu werden. Wenn der FC gegen Mainz spielt, wende ich mich vielleicht besser Darmstadt 98 und Eintracht Frankfurt zu. Beide Städte gehören ja auch zum Bistum.

KNA: Was ist ihr großer Wunsch?

Kohlgraf: Dass es gelingt, die getauften Christen zu motivieren, mit Freude ihren Glauben zu leben und unaufdringlich zu bekennen. Das Reich Gottes ist da und wächst.

Das Interview führte Michael Jacquemain.

(KNA)

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