Viele Ostdeutsche können mit Kirche nichts anfangen
Symbolbild Kirchenaustritt

02.08.2017

Theologe: Kirchensteuer ist nicht zentraler Grund für Austritte "Für die meisten gehört Kirche zur Kultur"

Die Kirchensteuer ist nicht der zentrale Stein des Anstoßes für Kirchenaustritte, so der Bochumer Theologe Björn Szymanowski. Sie sei nicht Ursache, sondern werde zum Auslöser, wenn die Bindung ohnehin schlecht ist. 

So merkten Menschen bei der ersten Gehaltsabrechnung, dass sie für etwas zahlen, was sie gar nicht nutzen, so Szymanowski, Mitarbeiter des Zentrums für Angewandte Pastoralforschung der Ruhr-Universität Bochum gegenüber dem Internetportal katholisch.de in Bonn. "Dahinter steht also ein Kosten-Nutzen-Kalkül". 

Der Theologe ist beteiligt an einer Studie des Bistums Essen zum Thema Kirchenaustritt und -bindung. Positiv an der Kirche gesehen werde deren sozial-karitatives Engagement und ihr Angebot an bestimmten Lebenspunkten wie die Trauerbegleitung. Die religiöse Dimension stehe nicht im Vordergrund. Für die meisten gehöre die Kirche "einfach zur Kultur - auch auf einer moralischen Ebene". Dabei gehe es nicht um einzelne Normen oder die Sexualmoral, die von vielen als weltfremd wahrgenommen werde. Vielmehr seien die grundlegenden christlichen Werte wie Nächstenliebe oder Armenfürsorge für viele Menschen eine Lebensorientierung.

Als Negativpunkte an der Kirche werden laut Szymanowski veraltete Rollenbilder sowie hierarchische und rückständige Strukturen genannt.

Die Gemeinde, die man aus persönlicher Erfahrung kenne, werde dabei besser bewertet als die durch Medien vermittelte Weltkirche. Die Fälle von sexualisierter Gewalt und der Finanzskandal im Bistum Limburg seien große Krisenereignisse gewesen. Allerdings zeige der Vergleich mit Studienergebnissen aus den 1970er Jahren, dass sich die Gründe für eine Kritik an der Kirche in den vergangenen 40 Jahren kaum geändert hätten.

Der Theologe warnte vor der Illusion, die Kirche könne die Austrittsproblematik von heute auf morgen beenden. Vorrangig müsse sie Skandale vermeiden oder diese transparent aufbereiten. Auf vielen Ebenen müsse es neue und auch viel niedrigschwelligere Angebote geben, vielleicht auch für Konfessionslose. Das "Nächtliche Weihnachtslob" im Bistum Erfurt etwa gebe eine säkulare und zugleich christlich angehauchte Perspektive auf Weihnachten. Notwendig sei auch eine moderne Glaubenskommunikation wie die Nutzung von Social Media.

(KNA)

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