Beim Amtsgericht: Nummer ziehen für den Antrag auf den Kirchenaustritt
Beim Amtsgericht: Nummer ziehen für den Antrag auf den Kirchenaustritt
Detlef Pollack
Detlef Pollack

21.07.2017

Keine Trendwende beim Mitgliederschwund "Gleichgültigkeit gegenüber der Kirche"

Trotz rückläufiger Zahlen bei Kirchenaustritten haben sich Bischöfe, andere kirchliche Spitzenvertreter und Laien besorgt gezeigt. Diese Sorge teilt auch Detlef Pollack, Professor für Religionssoziologie an der Uni Münster.

domradio.de:  Während die Zahlen der Gottesdienstbesuche und der gespendeten Sakramente insgesamt leicht rückläufig sind, ist die Zahl der Taufen leicht gestiegen. Werten Sie das schon als ermutigendes Zukunftssignal?

Professor Detlef Pollack (Professor für Religionssoziologie an der Uni Münster): Das sollte man nicht überbewerten. Denn man muss die Zahl der Taufen ins Verhältnis setzen zur Zahl der Geburten. Wir haben seit einigen Jahren in Deutschland einen kleinen Geburtenboom, sodass sich zwar die Zahl der Taufen erhöht hat; aber der Anteil der Taufen an der Zahl der Geburten hat sich verringert seit ungefähr sechs Jahren. Also zum Beispiel von etwa 30 Prozent im Jahr 2010 auf 26 Prozent im Zahl 2016. Das ist ein klarer Rückgang. Insofern ist das kaum ermutigend, sondern eigentlich bestätigt sich damit die allgemeine Tendenz der weiteren Verminderung des kirchlichen Mitgliederbestandes.    

domradio.de: Knackpunkt der Statistik sind ja immer die Austritte: 162.093 Personen  haben der katholischen Kirche im vergangenen Jahr den Rücken zugewandt.  Das waren zwar  weniger als im Vorjahr, aber immer noch bedenklich viele.  Eine Trendwende ist also absolut nicht in Sicht, oder?

Pollack: Nein. Von einer Trendwende kann wirklich keine Rede sein. Denn vor einigen Jahren lag die Austrittsrate ungefähr bei 0,5 Prozent, jetzt liegt sie bei 0,69 Prozent. Man sollte das nicht dramatisieren, aber sie ist sozusagen langfristig gesehen eher angestiegen als abgesunken. Wobei sie immer noch relativ gering ist. Selbst im Jahr der Missbrauchsfälle im Jahr 2010 lag sie nur bei 0,72 Prozent. Also gibt es immer mal wieder eine kleine Erhöhung, dann sinkt die Zahl der Austritte wieder leicht. Aber wenn man nur die letzten zwei Jahre betrachtet, dann kann man ohnehin nicht von einer Trendwende sprechen.

domradio.de: Woran liegt`s? Was sind Hauptmotive für Menschen, definitiv Schluss zu machen mit der katholischen Kirche?  

Pollack: Zunächst muss man sagen, dass die Bindung der Katholiken an ihre Kirche sehr eng ist und dass es vielen Menschen sehr schwer fällt, der Kirche den Rücken zu kehren. Trotz Kritik bleibt man in der Kirche und fühlt sich ihr verbunden. Wenn man austritt, dann ist das wesentliche Motiv nicht, dass man ganz unzufrieden ist mit der Kirche, das kommt auch vor. Aber selbst dann, wenn massiv Kritik geübt wird an der Kirche  - wie im Jahr der Missbrauchsfälle 2010 - lag die Austrittsrate nur unwesentlich höher als in anderen Jahren davor. Von 0,5 Prozent ist die Austrittsrate 2010 auf 0,72 Prozent gestiegen. Das ist nicht der entscheidende Grund. Wenn man austritt, dann, weil einem die Kirche nicht mehr so wichtig ist. Das wiederum hängt ganz wesentlich damit zusammen, dass die Eltern nicht mehr in der Lage sind, so wie früher den Glauben an die nächste Generation, an ihre Kinder weiter zu geben. Es ist eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber der Kirche, die das zentrale Austrittsmotiv darstellt.

domradio.de: Wenn Sie Vorsitzender der deutschen katholischen Bischofskonferenz wären, was würden Sie versuchen, um das zu ändern?

Pollack: Ich würde sagen, man müsste vor allem bei den Familien ansetzen. Denn die wesentlichen Mitgliederverluste geschehen gar nicht durch Austritte, sondern dadurch, dass die Eltern es unterlassen, ihre Kinder taufen zu lassen und im Glauben zu erziehen. Da muss man ansetzen. Man muss also die religiöse Erziehung bei den Kindern, bei den Jugendlichen stärken. Man muss versuchen, die Beziehung zwischen den Generationen im Auge zu haben und man muss versuchen, die Eltern zu stärken im Glauben, damit über die Familien der Glaube weiter transportiert wird. Was man nicht unbedingt machen sollte - das sage ich als Protestant dazu - ist eine globale Kapitalismuskritik. Wenn man sich für die Armen versucht einzusetzen, braucht man auch irgendwo eine Produktion des Reichtums. Ich würde sagen: Im Kleinen muss man anfangen. Vor allem bei den Jugendlichen, bei den Kindern, bei den Familien.

Das Gespräch führte Uta Vorbrodt.

(dr)

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