Peter Kohlgraf
Peter Kohlgraf

18.04.2017

Ernannter Mainzer Bischof Kohlgraf im domradio.de-Interview "Ich war schon sehr überrascht"

Der Pastoraltheologe Peter Kohlgraf wird Nachfolger von Karl Kardinal Lehmann und damit neuer Bischof im Bistum Mainz. Im domradio.de-Interview spricht der designierte Oberhirte über Priestermangel, XXL-Gemeinden und Karnevalsrufe.

domradio.de: Wann und wie haben Sie denn von der Entscheidung des Papstes erfahren?

Prof. Peter Kohlgraf (Ernannter Bischof von Mainz): Ich saß an meinem Schreibtisch in der Hochschule und habe mich nichtsahnend mit den Vorbereitungen auf den nächsten Tag beschäftigt. Dann kam ein Anruf des Domdekans, der mich sprechen wollte. Ich hatte dann schon eine leise Ahnung, dass es nicht nur um eine Tasse Kaffee geht.

domradio.de: Wie überrascht waren Sie denn dann, als herauskam, worum es wirklich ging?

Kohlgraf: Ich war schon sehr überrascht. Gerechnet hatte ich damit gar nicht.

domradio.de: Sie haben immer viel mit jungen Menschen zusammen gearbeitet. Sie waren Schulseelsorger und Religionslehrer und auch stellvertretender Direktor am Albertinum in Bonn. Wie wollen sie denn künftig in ihrem Bistum dafür sorgen, dass sich junge Menschen wieder stärker der Kirche zuwenden?

Kohlgraf: Methodisch ist das eine große Frage. Wenn es dafür ein Patentrezept gäbe, dann hätte es wahrscheinlich schon jemand entdeckt. Ich glaube, dass es schon wichtig ist  - auch als Bischof -, in Kontakt mit jungen Menschen zu kommen. Ich denke, dass man schon gute Möglichkeiten bei Visitationen und Firmungen hat. Eines der wichtigen Themen, nicht nur für das Bistum Mainz, ist die Berufung - nicht nur im Hinblick auf geistliche und kirchliche Berufe, sondern insgesamt jungen Menschen zu helfen, ihren Weg ins Leben zu finden. Und da spielt der Glaube eine Rolle. Da müssen wir schauen, wie wir da stärker einen Akzent in die Pfarreien und Gemeinden tragen.

domradio.de: Sie haben sich außerdem in der Vergangenheit auch häufig in die Überlegungen zur Zukunft der Pfarrgemeinden eingebracht. Viele Gemeinden werden heute zusammengelegt, es herrscht Priestermangel. Haben Sie denn eine Alternative zu den XXL-Gemeinden?

Kohlgraf: Da gilt eigentlich dasselbe, was ich eben gesagt habe. Ich glaube, dass es auch da keine Patentlösung gibt. Wir stehen in der katholischen Kirche in der Spannung, dass wir richtigerweise sagen, dass die Eucharistiefeier Quelle und Höhepunkt kirchlichen Lebens ist. Das heißt, am Sonntag ist die Eucharistiefeier der zentrale Gottesdienst, aus dem die Kirche und die Gemeinde leben. Die Frage ist dann natürlich, wie auch in kleinen Orten katholisches Leben funktionieren soll. Ich selber wohne in einem kleinen rheinhessischen Dorf in einer katholischen Diaspora-Situation. Das ist die Spannung, in der wir uns bewegen. Wir dürfen nicht nur zentralistisch denken, sondern wir müssen auch schauen, wie kirchliches Leben vor Ort funktionieren kann. Da muss man Leute motivieren, ihr Christ-Sein zu leben.

domradio.de: Sie sind Professor für Theologie, das heißt Sie verfolgen den akademischen Diskurs, der seit vielen Jahren über den Priestermangel geführt wird und über die "Viri probati" - also die Priesterweihe von verheirateten Männern. Wie stehen Sie dazu?

Kohlgraf: Es müsste wirklich nachgewiesen werden, dass das unsere Probleme löst. Ich bin mir da nicht so sicher. Ich will da gar nicht aus ideologischen, weltanschaulichen oder theologischen Gründen draufschauen. Aber es kommt ja nicht von ungefähr, dass der Priesterberuf immer schon ein akademischer Beruf mit einem vollen Studium war. Das hat ja auch seinen Sinn. Ich glaube, dass wir in der heutigen Gesellschaft theologisch sprachfähig bleiben müssen. Die Qualität wird eine immer größere Rolle spielen. Das schließt nicht aus, dass es auch bei den sogenannten "Viri probati" qualitätsvolle Leute gibt. Nur müssen wir auch schauen, wie da eine Ausbildung berufsbegleitend funktionieren soll. Da stehen viele Fragen im Raum, die noch nicht geklärt sind. Ich sehe momentan noch keine Lösung dafür.

domradio.de: Kölner und Mainzer sind sich gar nicht so unähnlich: In Köln und in Mainz stehen Fußball und Karneval hoch im Kurs. Haben Sie sich schon daran gewöhnt, dass Sie jetzt "Fassenacht" und "Helau" sagen müssen?

Kohlgraf: Ja, schon. Ich bin ja jetzt im fünften Jahr hier. Der Inkulturationsprozess ist schon mehr oder weniger abgeschlossen. Im ersten Jahr hatte ich noch einige Bauchlandungen, aber mittlerweile geht es ganz gut.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(dr)

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