Drohne am Trierer Dom
Drohne am Trierer Dom

01.09.2016

Bauforscher untersuchen Trierer Dom mit einer Kamera-Drohne Besuch für den Wetterhahn

Sie liefert 5.000 hochauflösende Bilder, die am Computer ein 3D-Modell ergeben: Um die Geheimnisse der Baugeschichte des Trierer Doms zu enträtseln, ist eine High-Tech-Drohne wichtigstes Hilfsmittel.

"Hört sich ja an wie ein Schwarm Hornissen", ruft der Tourist auf dem Trierer Domplatz. Suchend steht er hinter dem rot-weißen Absperrband, schaut nach oben und entdeckt schließlich hoch über den Türmen des Doms die Ursache des lauten Sirrens. Es ist das Geräusch von acht Flügeln einer hochmodernen, ferngesteuerten Kamera-Drohne, die über dem 1.700 Jahre alten Bauwerk kreist.

Bilder aus allen Perspektiven

"Ich höre mittlerweile auch schon überall Drohnen, selbst da, wo gar keine fliegen", sagt Dominik Jelschewski im Scherz. Er gibt den beiden Mitarbeitern der österreichischen Spezialfirma, die das teure Gerät in die Luft steigen lassen, genaue Anweisungen. Werner Maziborsky ist der Pilot, Lukas Sint bedient die hochauflösende Kamera, die in dem Fluggerät eingebaut ist. Eine Woche lang lassen sie die Drohne über und rund um den Dom fliegen, sieben Akkuladestationen sind im Dauereinsatz. Die Experten schießen insgesamt rund 5.000 gestochen scharfe Bilder aus allen möglichen Perspektiven - und das alles im Dienst der Wissenschaft.

Der Bauforscher Jelschewski von der Technischen Universität München hat in einem Nebenraum der Domsakristei zwischen Priestergewändern und Messgeräten sein Notebook aufgestellt. Darauf speichert er die von der Drohne aufgenommenen Bilder ab. Aus den sich überlappenden Detailaufnahmen erstellt ein Computerprogramm dann ein dreidimensionales digitales Modell des Doms.

Der promovierte Architekt Jelschewski arbeitet mit der Trierer Kunsthistorikerin Nicole Fleckinger seit rund einem Jahr an einem Projekt zur Erforschung des Doms. Es geht darum, die älteste Bischofskirche Deutschlands unter die Lupe zu nehmen. Mit modernster Technik, darunter auch einer Vermessung des Innenraums durch einen Laserscanner, wollen die Wissenschaftler einen Forschungsrückstand aufholen.

Letzte Vermessung über 50 Jahre her

Denn der rund 100 Meter lange Trierer Dom ist zwar archäologisch gut erforscht. "Aber zu der Baugeschichte erschien das letzte Werk 1931", erklärt Jelschewski. Die bislang letzte Vermessung des zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Gotteshauses erfolgte in den 1960er Jahren, noch vor der durch die Beschädigungen des Zweiten Weltkriegs nötigen Restaurierung der 1970er Jahre.

"Wir wollen jetzt endlich diese Forschungslücken zur komplexen Entstehungsgeschichte schließen", erklärt Fleckinger. Jelschewski fasziniert vor allem die Vielfalt des Bauwerks: "Der Dom hat historische Bausubstanz aus fast jeder Architekturepoche bewahrt", sagt der 35-Jährige. In der Zeit Konstantins des Großen wurde in den Jahren 310 bis 320 über einem früheren Wohnhaus eine erste große Basilika errichtet.

Die alte Kirchenanlage wurde zwar im Mittelalter mehrfach zerstört und teilweise wiederaufgebaut, doch die Außenmauern des römischen Quadratbaus bilden noch heute den Kern der Kathedrale. Um das Jahr 1000 begann ein großer Umbau, der sich bis in das 18. Jahrhundert zog. Zerstörungen, Brände und Bombenschäden hinterließen ihre Spuren an dem Gebäude.

Erkenntnisse für die Denkmalpflege

Diese Spuren direkt am Bau zu erforschen, sind für Jelschewski entscheidend. "Das Bauwerk ist die primäre Quelle", sagt er. Durch eine genaue Analyse von Details, etwa, welcher Mörtel wo verbaut wurde, und wo genau Nähte auftreten, kann der Experte präzise analysieren, wie die Baufortschritte verliefen. Was ihn fasziniert: "Nach all dieser Zeit, wo man jedes Detail studiert hat, ist man wahrscheinlich der Mensch, der diesen Dom am Besten kennt."

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt, das von dem Trierer Kunsthistoriker Gottfried Kerscher und dem Münchner Bauforscher Manfred Schuller angestoßen wurde, soll 2018 abgeschlossen sein. Die Erkenntnisse werden dabei nicht nur der Forschung, sondern auch der Denkmalpflege dienen. Denn seit der Restaurierung in den 1970er Jahren hat niemand mehr den Zustand des Domdachs vom Hauptportal bis zum Wetterhahn so genau unter die Lupe nehmen können wie die achtflügelige Spezialdrohne aus Österreich.

Michael Merten
(KNA)

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