Polizisten sichern den Tatort
Polizisten sichern den Tatort
Trauer
Kerze des Gedenkens

19.07.2016

Bistum erschüttert über Axt-Angriff nahe Würzburg "Schreckliches Ereignis"

Das Bistum Würzburg hat mit Erschütterung auf den Axt-Angriff in einem Regionalzug bei Würzburg reagiert. "Wir fühlen uns hilflos angesichts dieses schrecklichen Ereignisses", heißt es in einem Gebet des Bistums.

Diese wurde noch in der Nacht auf der Facebook-Seite des Bistums veröffentlicht. Mit großer Bestürzung hat auch der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann auf die Nachricht vom Axt-Angriff reagiert. "Man ist in einem solchen Moment sprachlos", sagte Hofmann am Dienstag. "Diese Tat ist nicht zu verstehen. Wir wissen nicht genau, was mit diesem jungen Mann war, den die Polizei erschoss."

"Politisch motivierte" Tat

Die Ermittler haben nach der Axt-Attacke am Montagabend in einem Regionalzug bei Würzburg erste Motive für die Taten genannt. Dem leitenden Bamberger Oberstaatsanwalt Eric Ohlenschlager zufolge war die Tat "politisch motiviert". Der 17-jährige tatverdächtige Flüchtling aus Afghanistan habe in Ochsenfurt den Regionalzug nach Würzburg mit dem Ziel bestiegen, sich an "den Ungläubigen dafür zu rächen, was sie ihm und seinen Glaubensbrüdern angetan haben", sagte Ohlenschlager am Dienstag.

Dabei habe er drei Mal auf arabisch "Gott ist groß" gerufen, einmal sei dies auch auf dem um 21.13 Uhr in der Rettungsleitstelle aufgezeichneten Notruf zu hören. Ohlenschlager sagte, man stehe noch am Anfang der Ermittlungen.

Nach bisherigem Kenntnisstand habe der junge Mann vor etwa zwei Wochen davon erfahren, dass ein Bekannter in Afghanistan ums Leben gekommen sei. Womöglich sei dies ein Auslöser dafür gewesen, dass der 17-Jährige die Zuginsassen "völlig unvermittelt" mit einer Axt und einem Messer angegriffen und dabei mehrfach auf sie eingeschlagen und eingestochen habe. Die Angriffe seien "mit Vernichtungswillen" geführt worden. Bei der Attacke seien fünf Personen schwer verletzt worden, zwei schwebten noch in Lebensgefahr.

Täter beim Festnahmeversuch erschossen

Die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg ermittle gegen den beim Festnahmeversuch erschossenen 17-Jährigen wegen versuchten Mordes in fünf Fällen und gefährlicher Körperverletzung. Der junge Mann war - nachdem Insassen den Zug per Notbremse im Stadtteil Würzburg-Heidingsfeld angehalten hatten - in Richtung Mainufer geflüchtet. Ein zufällig in der Nähe wegen eines anderen Einsatzes anwesendes Sondereinsatzkommando (SEK) versuchte, den Jugendlichen festzunehmen. Beide am Festnahmeversuch beteiligten Polizisten schildern nach Angaben der Ermittler übereinstimmend, dass der Täter in aggressiver Weise auf die Polizeibeamten zugehen wollte.

Kriminaldirektor Lothar Köhler vom bayerischen Landeskriminalamt berichtete am Dienstag davon, dass Ermittler im Zimmer des jungen Mannes bei seiner Pflegefamilie einen College-Block gefunden haben. Dort sei nicht nur eine Skizze der Fahne der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) gefunden worden, sondern auch verschiedene Texte in lateinischer und arabischer Schrift. Die Texte seien schwer verständlich, ein bereits übersetzter Text lege jedoch den Schluss nahe, dass die Tat islamistisch motiviert war. So schreibe der 17-Jährige darin, dass sein Vater für ihn beten soll, "dass ich mich an diesen Ungläubigen rächen kann" und er danach in den Himmel komme, sagte Köhler.

Ermittler gehen von Einzeltäter aus

Der leitende Würzburger Oberstaatsanwalt Bardo Backert, der die Ermittlungen wegen des tödlichen Schusswaffengebrauchs der Polizei leitet, verwahrte sich mit scharfen Worten gegen in sozialen Netzen geäußerte Kritik an den Einsatzkräften. Er habe "kein Verständnis" für Aussagen von Politikern aus der Ferne. Die Grünen-Politikerin Renate Künast hatte in einem Tweet die Frage gestellt: "Wieso konnte der Angreifer nicht angriffsunfähig geschossen werden???? Fragen!" Auch der Bamberger Oberstaatsanwalt Ohlenschlager sagte, die Schüsse seien notwendig gewesen, eine Fortführung des Amoklaufs wäre inakzeptabel gewesen.

Die Ermittler gehen nach wie vor davon aus, dass der junge Mann als Einzeltäter gehandelt hat. Erkenntnisse, dass der junge Mann mit dem IS in Verbindung stand, gebe es nach wie vor nicht, erläuterte Ohlenschlager. IS-nahe Medien reklamieren den Amoklauf jedoch für die Terrororganisation.

Unbegleiteter minderjähriger Flüchtling

Den Ermittlungen zufolge war der Jugendliche vor etwa zwei Jahren als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen. Seit vergangenem Jahr war er als Asylbewerber registriert. Seit März war er in einem Heim im Landkreis Würzburg untergebracht, die letzten zwei Wochen in einer Pflegefamilie.

Nach Angaben der Bundespolizei hatten etwa 25 bis 30 Menschen in dem Regionalzug von Treuchtlingen nach Würzburg gesessen. Vier Verletzte gehörten zu einer Urlauberfamilie aus Hongkong. Der Vater (62) und die Mutter (58) einer Tochter (26) sowie deren Freund (30) wurden verletzt, wie die Deutsche Presse-Agentur in Hongkong erfuhr. Ein fünfter Mitreisender, der 17-jährige Sohn, sei unverletzt davon gekommen, berichtete eine amtliche Quelle, die nicht genannt werden wollte.

Der Hongkonger Regierungschef Leung Chun-Ying verurteilte den Angriff und sprach den vier Verletzten und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus. Repräsentanten der Hongkonger Wirtschaftsvertretung in Berlin besuchten die Opfer im Krankenhaus in Würzburg.

Der Vater und der Freund hätten versucht, die anderen Mitglieder in der Gruppe vor dem Angreifer zu schützen, berichtete die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post", die das Alter der Tochter und des Freundes etwas anders angab.

Caritas: Junge Flüchtlinge noch besser betreuen

Die Würzburger Diözesan-Caritas ruft nach der Attacke zu mehr Anstrengungen bei der Integration auf. Das Bistum und die Caritas seien dazu bereit, sagte der Verbandsvorsitzende, Domkapitular Clemens Bieber. "Es ist aber wichtig, dass Bund, Länder und Kommunen dieses Bemühen noch stärker unterstützen." So müsse das sogenannte Clearing bei teilweise stark traumatisierten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen angesichts der Bluttat bundesweit zum Standard werden.

In Clearingstellen werden junge unbegleitete Flüchtlinge in der Regel vier Wochen intensiv betreut. So bleibt ihnen die Aufnahme in großen Gemeinschaftsunterkünften erspart, die aus Sicht der Caritas für Kinder nicht geeignet sind. Mit Hilfe von Dolmetschern werden die Hintergründe und Umstände ihrer Flucht geklärt, Kontakte zu Verwandten hergestellt, die jungen Menschen lernen die ersten Worte in deutscher Sprache. Ziel des "Clearings" ist eine passende Anschlussunterbringung, sei es bei in Deutschland lebenden Angehörigen, einer Pflegefamilie oder in einer Jugendhilfeeinrichtung.

Die christliche Gemeinschaft Sant'Egidio hatte für Dienstagabend zu einem Friedensgebet in die Marienkapelle in Würzburg eingeladen. Sie wolle damit ihre Solidarität mit den Opfern des "Amoklaufs" von Würzburg-Heidingsfeld und deren Angehörigen bekunden, heißt es in einer Pressemitteilung. Zugleich spüre sie die Verantwortung, den Einsatz für ein friedliches Zusammenleben zu stärken, Brücken zwischen den Menschen zu bauen und Jugendlichen einen Weg ohne Gewalt aufzuzeigen.

Erinnerung an Messerattacke in S-Bahn nahe München

Der Fall erinnert an eine Messerattacke vor gut zwei Monaten in einer S-Bahn in Grafing nahe München. Damals hatte ein Mann einen 56 Jahre alten Fahrgast getötet, drei weitere wurden teils lebensgefährlich verletzt. Der mutmaßliche Täter hatte nach seiner Festnahme wirre Angaben gemacht und war deswegen vorläufig in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Nach einer ersten Einschätzung war der Mann aus dem hessischen Grünberg bei Gießen schuldunfähig oder zumindest vermindert schuldfähig.

(KNA, dpa, epd)

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