Zisterzienser-Mönche
Zisterzienser-Mönche

17.07.2016

Mönche aus Heiligenkreuz prüfen Neubesiedlung von Neuzelle Zisterzienser zurück an der Oder

Vom Barockwunder Brandenburgs ist die Rede. Die Klosteranlage in Neuzelle ist das nördlichste Zeugnis süddeutschen Barocks in Europa. Jetzt überlegen Mönche aus Österreich, ob dort wieder geistliches Leben einkehrt.

Lateinische Gesänge erklingen in der barocken Josephskapelle an der Neuzeller Stiftskirche. Mönche im weißen Habit des Zisterzienserordens sitzen in den Kirchenbänken. Sie beten das Stundengebet. So, wie es vielleicht vor 1817, als das Kloster Neuzelle noch ein Kloster war, an jedem Tag in der großen Stiftskirche geschah.

Prüfung der Wiederbesiedlung

Denn Pater Prior Simeon, Pater Kilian, Pater Meinrad und Frater Alberich wurden vom österreichischen Zisterzienserkloster Heiligenkreuz nach Neuzelle entsandt. Sie sollen auf Einladung des Görlitzer katholischen Bischofs Wolfgang Ipolt prüfen, ob das hoch über dem Odertal gelegene Kloster wiederbesiedelt werden kann. Zu viert leben sie nun als Gäste von Pfarrer Ansgar Florian im katholischen Pfarrhaus, direkt neben der Stiftskirche. Die weitgehend erhaltene historische Anlage gilt als das nördlichste Beispiel süddeutschen und böhmischen Barocks in Europa. Gegründet wurde das Kloster 1268 vom Zisterzienserorden. Preußen verstaatlichte die Klosterbauten und dazugehörigen Ländereien im Jahr 1817.

Die Stimmung ist gut bei den Mönchen aus Österreich. In Brandenburg seien sie herzlich aufgenommen worden, berichtet Pater Kilian. "Sogar bei McDonalds, wo wir einen Kaffee trinken wollten, wurden wir angesprochen." Denn die traditionelle Ordenstracht der Zisterzienser fällt in der Mark Brandenburg doch auf. "Manche dachten, wir gehen zu einem Kostümfest - aber uns haben auch Menschen angesprochen, und viel Erfolg für unser Vorhaben gewünscht, die gar nicht in der Kirche sind."

Gespräch mit Bischof Ipolt

In Neuzelle trafen sich die Mönche mit zahlreichen Gruppen der katholischen Kirchengemeinde, mit der politischen Gemeinde und Vertretern der staatlichen Stiftung "Stift Neuzelle" zum Gespräch. Am Montag wollen auch Bischof Ipolt und der Heiligenkreuzer Abt Maximilian nach Neuzelle kommen, um eine erste Bilanz zu ziehen. Ob das Projekt, Mönche aus Heiligenkreuz dauerhaft nach Neuzelle zu holen, dann tatsächlich zu Stande kommt, wird sich aber erst Ende des Jahres entscheiden.

Das Bild, auf dem Abt Maximilian die nach Neuzelle reisenden Mönche segnet, ist in den sozialen Medien jedenfalls fleißig geteilt worden. "Aber für uns ist das gar nichts Besonderes", sagt Pater Meinrad. "Jedes Mal, wenn jemand das Kloster verlässt und auf Reisen geht, wird er vom Abt gesegnet." Dass das Bild so populär wurde, zeuge aber vom Interesse an den Mönchen.

"Wir haben Senioren getroffen, die dafür beten, dass wir nach Neuzelle kommen", sagt Pater Simeon bewegt. "Die Menschen haben Sehnsucht nach einem geistlichen Zentrum, einem Ort der Stille und des Gebets, wo sie ihre geistliche Last ablegen können", sagt Pater Meinrad. Solch einen Ort könnten sich die Zisterzienser in Neuzelle vorstellen. Mit Angeboten für Gespräche, mit Gottesdiensten, Seelsorge und Beichte. "Den Menschen wird bewusst, dass sie ihr Leben nicht zur Gänze selbst in der Hand haben", sagt Pater Meinrad. "Sie haben eine tiefe Sehnsucht nach Befreiung und Erfüllung."

Anziehender Gesang

Schon wenn die vier Mönche in ihren weißen Gewändern über den Platz vor der Stiftskirche laufen, bleiben die Touristen stehen. Handys werden gezückt, Bilder geknipst - und immer wieder kommt es zu Gesprächen. "Wenn wir in der Kirche stehen, beten und singen, ist das anziehend für die Menschen", beobachtet Pater Kilian.

Aber reichen die freundlichen Begegnungen in Neuzelle aus, um auf Dauer in Brandenburg zu bleiben? Festlegen wollen sich die Mönche vor dem Gespräch mit den Verantwortlichen nicht. Noch müssten viele praktische Fragen geklärt werden, bis zur Frage, wo die Mönche eigentlich leben sollen. "Das Pfarrhaus hier geht zum Beispiel nur für den Übergang", sagt Pater Kilian. "Aber uns ist natürlich auch klar, dass es hier eine große Bereitschaft und viele Hoffnungen auf allen Seiten gibt."

Benjamin Lassiwe
(KNA)

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