Hier sollte der geplante Anschlag stattfinden: An der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee in der Altstadt von Düsseldorf.
Hier sollte der geplante Anschlag stattfinden: An der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee in der Altstadt von Düsseldorf.

03.06.2016

Düsseldorfer Dechant zu den geplanten Anschlägen "Wir müssen die Nöte ernst nehmen"

Einen Anschlag auf die Düsseldorfer Altstadt - den sollen Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat geplant haben. Das wurde am Donnerstag bekannt. Wie die Düsseldorfer darauf reagieren, berichtet Dechant Michael Dederichs im domradio.de-Interview.

domradio.de: Das mutmaßliche Anschlagsziel, die Heinrich-Heine-Allee, liegt in Ihrem Dekanat - erst einmal - was ist das für eine Straße? 

Michael Dederichs (Dechant des Dekanats Düsseldorf-Mitte/Heerdt): Die Heinrich-Heine-Allee ist eine sehr stark befahrene vierspurige Straße in der Nord-Süd-Richtung am östlichen Stadtrand von Düsseldorf.

domradio.de: Was haben Sie gedacht, als Sie gestern von dem vereitelten Anschlag gehört haben?

Dederichs: Dass nicht nur Paris Ziel ist, sondern jetzt auch Düsseldorf und dass der Terror hautnah jeden treffen kann. 

domradio.de: Wie erleben Sie die Stimmung in der Stadt - heute, am Tag danach? 

Dederichs: Die Leute sind verunsichert. Jung und Alt unterhalten sich über dieses Thema. Es war klar, es wird irgendwann mal Terroranschläge in Deutschland geben. Geheimdienste hatten ja davor gewarnt. Aber, dass es gerade Düsseldorf ist, da hat niemand mit gerechnet. Dass es eben die Landeshauptstadt von NRW ist, das macht die Leute sehr betroffen.

domradio.de: Sind denn schon Leute auf Sie zugekommen und haben von Ängsten berichtet? 

Dederichs: Ja, ich höre es von Schulkindern, ich höre es von Erwachsenen, die einfach sehr verunsichert sind und sagen: "Gott sei Dank ist der Anschlag vereitelt worden, aber es hätte uns treffen können, jeden von uns". Die Heinrich-Heine-Allee ist der Verkehrsknoten von Düsseldorf. Da gehen alle Straßenbahnlinien entlang und das hätte schon massive Schäden verursacht.

domradio.de: Wie gehen Sie als Seelsorger mit einer solchen Situation um? Was sagen Sie den Menschen, die mit Ängsten zu Ihnen kommen?

Dederichs: Die Nöte der Menschen müssen wir ernst nehmen, das kann man nicht wegdiskutieren. Allerdings gibt es ja kein Mittel gegen den Terror. Wir müssen sagen, wir dürfen nicht nachlassen für den Frieden in der Welt zu beten, und wir als Christen haben natürlich auch die Pflicht, Terror nicht mit Terror, also mit der gleichen Münze, heimzuzahlen. Wir als Christen haben die Aufgabe auch weiter für die Menschen da zu sein, die in unserem Land Zuflucht, Hilfe und Unterstützung verlangen.

domradio.de: Jetzt heißt es, dass die drei Terrorverdächtigen als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind. Befürchten Sie, dass das wieder Wasser auf die Mühlen von Rechtspopulisten ist, dass wieder ein Generalverdacht gegen die Flüchtlinge im Land aufkommen könnte? 

Dederichs: Das ist zu befürchten. Denn einfache Antworten, die werden schnell gefunden, sind aber nicht zielführend. Und wenn der Papst uns gerade heute auffordert, den herben Geruch des Elends wahrzunehmen, dann dürfen wir die Menschen, die bei uns Sicherheit suchen, nicht unter Generalverdacht stellen. Es gibt unwahrscheinlich viele positive Menschen. Jeder, der mit Flüchtlingen zu tun hat, hat das auch erlebt. Und wenn diese Menschen das Elend schildern, was sie erlebt haben, was sie dazu gebracht hat, die Heimat und alles das zu verlassen, dann sind wir Christen dazu aufgerufen, trotz, dass es darunter einige sehr schlimme Menschen gibt, den Menschen zu helfen, die es gut meinen und die bei uns nur Sicherheit suchen.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(dr)

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