Bischof Ackermann bei der Eröffnung der Synode
Bischof Ackermann bei der Eröffnung der Synode
Synode im Bistum Trier
Synode im Bistum Trier

01.05.2016

Die Bistumssynode hat länger beraten als die Oberhirten in Rom Nun liegt der Ball beim Trierer Bischof

Rund 40 Seiten umfasst das Schlussdokument der Trierer Synode. Deutschlands einzige Bistumssynode hat bis zuletzt intensiv um neue Perspektiven und um einzelne Formulierungen gerungen.

Gerne vergleichen die Trierer sich mit Größerem. 1.300 Jahre älter als Rom sei ihre Stadt, behauptet frech eine Inschrift am historischen Marktplatz, und Trierer Bischöfe erinnern daran, dass ihr Dom älter sei als manche Basilika im Bistum des Papstes. Nun gibt es einen weiteren Vergleichspunkt für Legenden und Geschichtsbücher: Die jüngste Trierer Bistumssynode hat - in Jahren gerechnet - doppelt so lange gedauert wie die in etwa parallel tagende weltweite Bischofssynode in Rom: Von 2013 bis 2016 erstreckten sich die Beratungen und Abstimmungen im Bistum Trier.

Und während in Rom Papst Franziskus bereits vor wenigen Wochen die Ergebnisse in dem Schreiben "Amoris laetitia" zusammengefasst und verbindlich interpretiert hat, steht dieser Schritt für den Trierer Bischof Stefan Ackermann noch bevor. Immerhin hat auch er seit dem späten Samstagabend nach langen Debatten mit "Heraus gerufen.

Schritte in die Zukunft wagen" ein umfassendes Abschlusspapier vorliegen. Die Leitungsgremien des Bistums werden daraus bis Oktober 2016 ein verbindliches "Umsetzungsprogramm" erarbeiten und so - in deutscher Gründlichkeit - auch in der "nachsynodalen Phase" mit Rom mindestens gleichziehen.

Konkrete Themen

Sieht man von der vergleichbaren Dauer des Verfahrens ab, unterscheiden sich die beiden Synoden jedoch grundlegend: Während in Rom in zwei kompakten Sitzungsperioden von drei Wochen darüber gestritten wurde, was christliche Familie im 21. Jahrhundert bedeutet, ging es in den sieben Vollversammlungen in Trier, Saarbrücken und Koblenz um ganz unterschiedliche, oft sehr konkrete Themen auf regionaler Ebene.

Die "großen" Fragen nach der Rolle der Geschlechter und der Zukunft der Familie konnten gemäß dem Kirchenrecht nicht lokal zur Abstimmung gestellt werden, sie wurden in eigenen Foren am Rande der Synode in unverbindlicher Form debattiert. Um so ausgiebiger wurde um die "kleinen", entscheidbaren Themen gerungen. Dabei wurde während der Synode dieses alten Bistums mit seinen vielen kleinen Pfarreien wie in einem Brennglas deutlich, welchen Traditionsbruch die katholische Kirche vor allem im Westen Deutschlands seit einer Generation durchmacht.

Zeiten der Volkskirche vorbei

"Abschiednehmen" und "Paradigmenwechsel" waren zwei häufig gebrauchte Begriffe. Sie sollen beschreiben, was jeder erwachsene Katholik in dieser Region längst spürt: Die Zeiten der Volkskirche, die in Dorf und Stadt noch bis in die 1980er Jahre die Gesellschaft durchdrang, Feste und Traditionen bestimmte, Sitten und Moral prägte - sie sind unwiederbringlich vorbei. Vorbei auch die grandiosen Priesterweihen im Dom, die jährlich 20 und mehr neue Seelsorger ins Bistum entsandten.

Viele von denen, die jetzt als Theologen und als Praktiker die Debatten der Trierer Synode prägten, kommen noch aus diesen "starken Jahrgängen". Von einem echten Seelsorgenotstand, wie ihn die meisten Bistümer des deutschen Ostens (oder auch Lateinamerikas) permanent kennen, sind die alten Bistümer im Westen und Süden Deutschlands noch einen Schritt weit entfernt.

Um so drängender ist der Wunsch, nicht erst nach dem drohenden Absturz eine ganz andere, dynamische Perspektive zu finden. Niemand will eine immer ausgeklügeltere Mangelverwaltung mit noch komplexeren Pfarreien-Konglomeraten und gestressten Wanderseelsorgern. Der Wunsch nach einem neuen Anfang zog sich wie ein roter Faden durch die Debatten.

Abschied von kleinteiligen Pfarreistrukturen

Mit dem von der Synode beschlossenen schmerzhaften Abschied von den alten kleinteiligen Pfarreistrukturen wurde freilich erst ein - wichtiger - Schritt gemacht. Die Suche nach den starken geistlichen Begabungen unter Geistlichen und Laien (das Papier spricht von "Charismenorientierung") ist vielversprechend, kann aber Erfolge bislang noch nicht garantieren. Dasselbe gilt für die Idee, geistliche Orte wie Kirchen und Klöster künftig eher wie Leuchttürme auf weiter See oder wie Berghütten im Hochgebirge zu sehen - und nicht als Hauptquartiere zur flächendeckenden Betreuung eines Seelsorgeterritoriums.

Die Trierer Synodalen haben sich schwer getan mit der Benennung neuer Perspektiven und noch schwerer damit, Begriffe zu finden, die auch außerhalb kirchlicher Kreise verstanden werden. Dennoch hat die bislang einzige deutsche Bistumssynode dieses Jahrhunderts Beachtliches geleistet. Kommende Synoden können davon lernen und vielleicht auch einiges besser machen.

Ludwig Ring-Eifel
(KNA)

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