Theologieprofessor Arnaud Join-Lambert
Theologieprofessor Arnaud Join-Lambert

01.05.2016

Beobachter Join-Lambert bewertet Trierer Synode als Erfolg "Es ist jetzt die Zeit der Getauften"

Zweieinhalb Jahre und unzählige Sitzungen lang haben die 280 Teilnehmer der Synode im Bistum Trier über den künftigen Kurs der Diözese gerungen. Künftig werde auf die Laien deutlich mehr Verantwortung zukommen, sagt der Theologe Arnaud Join-Lambert im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) .

Der Professor für Theologie an der katholischen Universität Louvain in Belgien hat vier von sieben Vollversammlungen der Trierer Synode beobachtet.

KNA: Zurückblickend auf zweieinhalb Jahre: Was sind die wichtigsten Ergebnisse dieser Synode?

Join-Lambert: Das wichtigste Ergebnis ist aus meiner Sicht, dass zum ersten Mal eine Synode in Deutschland die Wende ernst genommen hat. Also jenen Abbruch jener Christenheit, wie sie seit den Zeiten Pippins bis in die Postmoderne vorherrschend war. Die Ortskirche von Trier fragt sich, wie sie in dieser fließenden Moderne das Evangelium verkünden kann. Man spürt das zuerst in den vier Perspektivenwechsel, besonders in dem ersten Punkt "Vom Einzelnen her denken". 1.000 Jahre lang hat die Kirche eher für die Einzelnen gedacht.

KNA: Die Synode hat beschlossen, die Zahl der Pfarreien drastisch zu reduzieren. Wie soll man da näher an die Menschen herantreten?

Join-Lambert: Es wird neue, fließende Arten von Pfarreien geben, die sich durch netzwerkartige Kooperationen auszeichnen. Das kann Ängste mit sich bringen, aber mit diesem Abschlussdokument kann die Kirche von Trier mit Vertrauen ihren Weg weitergehen.

KNA: Was kommt auf die Laien zu? Was wird von ihnen erwartet?

Join-Lambert: Alles. Schon der Theologe Karl Rahner hat in den 1960er Jahren fast prophetisch geschrieben, dass bald eine Zeit kommen wird, wo nur die überzeugten Christen in der Kirche bleiben werden. Jetzt ist diese Zeit gekommen. Diese Kirche wird weder eine Gemeinschaft der Laien noch Diakone noch Priester sein. Es wird eine Kirche der Getauften sein, wo manche ein geweihtes Amt haben, aber sonst alle Getauften die gleichen Würde und Pflichten haben.

KNA: Sind denn die Getauften - sowohl der Bischof und die Priester als auch die Laien - für diese Zeit bereit?

Join-Lambert: Ich meine noch nicht. Sie leben in einer Zeit der Spannung zwischen Kopf und Herz. Vom Kopf her ja, vom Herzen her nein.

KNA: Die Synode will, dass das synodale Prinzip auf allen Ebenen des Bistums gelebt wird. Die Kirche ist aber grundsätzlich hierarchisch aufgebaut. Ist das nicht ein Spannungsfeld, das man nur schwer auflösen kann?

Join-Lambert: Das synodale Prinzip bedeutet nicht, dass die Kirche basisdemokratisch wird. Es ist theologisch gemeint. Wir sprechen von der "communio hierarchica": In jeder Gemeinschaft gibt es einen Leitungsdienst. Es führt zu Spannungen, wenn diese theologische Dimension der Kirche nicht ernst genommen wird. Es braucht den Mut, Umkehr zu wagen, wie der ursprüngliche Titel des Abschlussdokuments lautete.

KNA: Dennoch werden die Priester vor Ort wohl in den neuen, viel größeren Pfarreien an Einfluss verlieren.

Join-Lambert: Ja, das ist wohl so. Aber der verantwortliche Priester wird auch in den neuen Leitungsgremien die Hauptverantwortung haben. Das ist das synodale Prinzip. Aber es gehört auch zum Prinzip, die Meinungen der Gläubigen ernst zu nehmen. Das sagt das Kirchenrecht deutlich. Ein Oberer kann nicht machen, was er will.

KNA: Wie haben Sie die Atmosphäre der Synode empfunden?

Join-Lambert: Es gab ein großes Engagement der Synodalen, auch in den Fachkommissionen, das war bemerkenswert. Man spürt die gleiche Dynamik wie bei anderen Synoden in Belgien und Frankreich.

KNA: Waren die Trierer Synodalen braver als jene in anderen Ländern, die Sie beobachtet haben?

Join-Lambert: Eigentlich ist es sehr ähnlich. Aber es hängt auch davon ab, wie gebildet die Leute sind. Das ist typisch für die Kirche in Deutschland: Es gibt viele Theologen und Hauptamtliche. Das Niveau der Diskussion ist in Trier ziemlich hoch gewesen.

KNA: Was wird von den Beratungen der Synode vor Ort in den Pfarreien ankommen?

Join-Lambert: Ich bin nicht sicher, ob die vier Perspektivwechsel auch vor Ort in den Gemeinden ankommen. Dort wird wohl vor allem über die konkreten Ergebnisse gesprochen. Es wird Zeit brauchen, bis das überall ankommt.

KNA: Ist eine solche Synode auch ein guter Weg für andere deutsche Bistümer?

Join-Lambert: Es gab in Deutschland mehrere Foren, diözesane Prozesse, aber wenige echte Synoden. Die letzte war Augsburg im Jahre 1990. Ich meine, es gibt einen wichtigen Unterschied. Mit einer Synode nimmt der Bischof als Dienst für ihn das Ergebnis der Synode ernster für die Orientierung der Pastoral.

KNA: Denken Sie, dass das Bistum nun gut aufgestellt ist für die kommenden Jahrzehnte?

Join-Lambert: Das kann man nicht vorhersagen. Konkret kommt es sehr darauf an, wie der Umsetzungsverlauf ist. In Frankreich gab es einige Diözesansynoden, die gar keine Konsequenzen hatten, weil die Verantwortlichen die Umsetzungsphase nicht gut oder überhaupt nicht geplant haben. Mir scheint, dass die Bedeutung dieser Phase in Trier bewusst ist. Aber das liegt nicht in den Händen der Synode, die nun abgeschlossen wird. Das ist Aufgabe der Bistumsleitung - es wird ein langfristiges Projekt sein.

Das Interview führte Michael Merten

(KNA)

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