Wolfgang Ipolt
Wolfgang Ipolt

13.11.2015

Görlitzer Bischof zu deutsch-polnischen Beziehungen "Polen glauben mit dem Herzen"

Mit einem Briefwechsel brachten polnische und deutsche Bischöfe vor 50 Jahren die Versöhnung ihrer verfeindeten Völker voran. Das Bistum Görlitz grenzt an Polen. Im Interview spricht Bischof Wolfgang Ipolt über die heutigen Beziehungen.

Katholische Nachrichten-Agentur (KNA): Herr Bischof, der Versöhnungs-Briefwechsel der deutschen und polnischen Bischöfe vor 50 Jahren ist vielen kaum bekannt. Wie steht es bei Ihnen?

Bischof Wolfgang Ipolt: Ich wusste zwar schon aus der Kirchengeschichte davon. Dass es aber ein solcher Startschuss für einen Versöhnungsprozess war, wurde mir erst jetzt durch das Jubiläum deutlich. Es ist gut, dass es so intensiv gefeiert wird.

KNA: Wie haben sich die deutsch-polnischen Kontakte im Bereich des Bistums Görlitz und seiner Gemeinden entwickelt?

Bischof Ipolt: Wir haben heute ganz normale Kontakte mit unseren Nachbardiözesen Zielona Gora, dem früheren Grünberg, und Legnica, ehemals Liegnitz. Sie sind zwischen den Pfarrern und Gemeinden, die sich gegenseitig besuchen und bei bestimmten Anlässen gemeinsame Gottesdienste feiern. Das hat durch den EU-Beitritt Polens noch zusätzlich einen starken Impuls erhalten.

KNA: Mittlerweile leben viele Polen in Deutschland, wie wirkt sich das auf die Kirchengemeinden im Bistum Görlitz aus?

Bischof Ipolt: Elf Prozent unserer Katholiken sind polnische Staatsbürger, die zumeist in Grenznähe wohnen. Manche von ihnen kommen in unsere Gottesdienste, andere fahren lieber einige Kilometer weiter über die Grenze, um ihre gewohnten Gottesdienste zu feiern.

KNA: Wo sind die Unterschiede?

Bischof Ipolt: Polnische Katholiken vermissen ihre Lieder, auch gibt es bei der Feier von Erstkommunion und Firmung andere Bräuche. Da müssen wir mit denen, die jetzt zu uns kommen, auch Kompromisse finden. Ich sehe die Unterschiede jedenfalls auch als Bereicherung.

KNA: Was können die deutschen Katholiken von den polnischen lernen?

Bischof Ipolt: Deutsche glauben mehr mit dem Kopf, Polen mit dem Herzen. Da können beide Seiten etwas voneinander lernen.

KNA: Sie kommen öfters nach Polen. Was sind die Anlässe?

Bischof Ipolt: Es waren zumeist persönliche Einladungen von polnischen Bischöfen etwa zu Wallfahrten. Im Auftrag meiner deutschen Amtsbrüder habe ich auch zwei Mal an der Vollversammlung der Polnischen Bischofskonferenz teilgenommen. Dann habe ich jeweils ein kurzes Statement über unsere Arbeit in Deutschland abgegeben.

KNA: Wie gut ist inzwischen Ihr Polnisch?

Bischof Ipolt: (lacht) Ich kann jetzt auf Polnisch vorlesen. Ich lasse mir eine Übersetzung anfertigen und trage sie vor. Meine Zuhörer sagen mir, dass es einigermaßen verständlich ist. 

Gregor Krumpholz
(KNA)

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