Papst Franziskus und Indigene beim Eröffnungsgottesdienst der Amazonas-Bischofssynode
Papst Franziskus und Indigene beim Eröffnungsgottesdienst der Amazonas-Bischofssynode
Papst Franziskus mit Teilnehmern der Amazonas-Bischofssynode, darunter Indigene
Papst Franziskus mit Teilnehmern der Amazonas-Bischofssynode, darunter Indigene
Indigene aus dem Amazonasgebiet bei einer religiösen Versöhnungsfeier
Indigene aus dem Amazonasgebiet bei einer religiösen Versöhnungsfeier
Papst Franziskus und Indigene
Papst Franziskus und Indigene

25.10.2019

Was erwarten Indigene von der Synode im Vatikan? "Der Amazonas kommt in die Notaufnahme"

Um sie geht es bei der Amazonas-Synode: Die Indigenen, die Ureinwohner des Amazonas-Gebietes. Vertreten werden sie beim Bischofstreffen unter anderem von Yesica Patiachi vom Volk der Harakbut aus Peru, die vom Papst eingeladen wurde.

"Franziskus denkt wie wir, wie ein Indigener", sagt die junge Frau mit den langen schwarzen Haaren. Yesica ist 31 Jahre alt, Lehrerin und Mutter. Dass Sie dem Volk der Harakbut aus dem peruanischen Amazonasgebiet angehört, merkt man nicht auf den ersten Blick. Mit Jeans und schwarzem Pullover ist sie in Rom unterwegs. Ihre Anliegen hat sie aus der weiten Heimat mitgebracht und hofft darauf, dass die Weltkirche ihr und ihrem Volk helfen wird. "Den Schmerz des Amazonas wollte ich hier her bringen. Wir erleben eine sehr aufgewühlte Zeit. Wir sind Söhne und Töchter des Amazonas und wollen dem Papst sagen, dass der Amazonas zerstört wird."

Raubbau an der Natur

Es ist vor allem der Raubbau an der Natur, der sie bewegt. Die Rodung der Regenwälder, um Papier zu gewinnen, das Schürfen von Gold, unter dem ihr Volk leidet. Sie glaubt zwar nicht, dass die Synode an dieser Situation etwas grundlegend ändern kann, aber sie könne bewirken, dass das Leid ihrer Heimat der Welt bewusst wird. "Die Kirche muss Anklage erheben, wenn Menschenrechte verletzt werden, zum Beispiel beim Menschenhandel." Mehr Druck auf die Politik wünscht sie sich deshalb. Die Kirche ist ein globaler Player, der Einfluss auf die Vereinten Nationen oder die amerikanischen Staaten ausüben kann. Im Moment würde die Welt eher wegschauen, und das obwohl der Amazonas für den Rest der Welt überlebenswichtig sei.

Yesica ist für Papst Franziskus eine alte Bekannte. Bei seinem Peru-Besuch Anfang 2018 hat er sie kennengelernt. Damals hat sie ihn als Vertreterin ihres Volkes begrüßt. Bei Franziskus hat das wohl einen bleibenden Eindruck hinterlassen, weshalb er sie zur Synode nach Rom geladen hat, um über ihre Erfahrungen und ihr Volk zu erzählen. Der Papst höre ihr zu, sagt sie, und deshalb hat sie große Hoffnungen in ihn. Hoffnungen, dass er es mit der Synode schafft, das Denken in Europa zu verändern: "Ihr lebt in einer Blase und bekommt nicht mit, was mit der Welt passiert. Wenn ihr zehn Autos habt, drei Kleiderschränke, dann müsst ihr einfach etwas ändern!"

Auch wenn die Umwelt für sie das ganz große Thema ist, sieht sie, was in den Medien in Europa über die Synode und den Amazonas berichtet wird. Hier geht es mehr um die "viri probati", also Ausnahmen vom Zölibat, die Weihe von Diakoninnen oder einen ganz eigenen katholischen Ritus für den Amazonas. Das Problem des Priestermangels sei real, sagt sie. Für ihren Geschmack wird aber zu viel geredet und zu wenig gehandelt: "Ich bekomme Kopfschmerzen, wenn ich diese "viri probati" Diskussion höre! Der Amazonas kommt gerade in die Notaufnahme und Ihr wollt alle Entscheidungen immer nur nach hinten schieben. Nein, das geht so nicht!"

Ordensfrauen mehr in den Blick nehmen

Der katholischen Kirche im Amazonasgebiet wandern immer mehr Leute ab, die Evangelikalen sind viel präsenter in der Region. Auch deshalb müsse gehandelt werden. Sie regt sich auf, dass in Rom teilweise ein Priester nur mit einem Gläubigen Gottesdienst feiert, wenn in ihrer Heimat einmal im Jahr der Priester im Dorf vorbei kommt. Deshalb wünscht sie sich eine eigene Lösung für den Amazonas, die vielleicht auch die Ordensfrauen mehr in den Blick nimmt. "Die sind da, wo es besonders unbequem ist. Die erleben, was wir erleben und kennen die Schwierigkeiten am eigenen Leib. Die Priester ziehen sich lieber etwas zurück, die Frauen gehen dahin, wo es unangenehm ist."

Allerdings sehen das nicht alle so, wie sie. Gerade in den Sozialen Medien gibt es viel Gegenwind für die Reformideen der Synode. In dieser Woche haben sich diese auch in Form von Vandalismus ausgedrückt. Eine "Pachamama", eine indigene Holzstatue, die eine schwangere Frau darstellt, wurde aus einer Kirche gestohlen und im Tiber versenkt. Dieselbe Statue, die noch zur Eröffnung der Synode von Papst Franziskus gesegnet wurde. Ein Akt, der Yesica tief verletzt. "Ich dachte immer, dass Europa die zivilisierte Welt ist, aber ich habe mich getäuscht. Was da passiert ist, ist der Gipfel der Dummheit. Diese Leute erkennen nicht, dass es verschiedene Arten und Weisen gibt, Gott und die Mutter Erde zu verehren. Da frage ich mich doch: Wer ist hier der Wilde? Wer ist hier intolerant?"

Mehr Verständnis der Kulturen

Es brauche einfach mehr Verständnis der Kulturen, mehr aufeinander zuzugehen. Gott kann man auf verschiedene Arten und Weisen verehren, sagt sie. Wenn wir uns austauschen, können wir ja auch voneinander lernen. "Ich verstehe nicht so ganz, warum die Menschen in Europa unsere Rituale, unsere Spiritualität als Skandal empfinden. Das ist kultureller Austausch."

Und genau deshalb brauche es diese Synode, damit die Menschen der verschiedenen religiösen Ausprägungen sich kennenlernen, verstehen lernen, und den Hass abbauen. Hassen tue man nur Dinge, die man nicht kenne, und mit Gott habe Hass schon mal gar nichts zu tun: "Das Wort Hass passt nicht zu Gott, Gott ist Verständnis. Wenn wir uns gegenseitig respektieren, ist das auch ein Ausdruck Gottes. Deshalb müssen wir unsere unterschiedlichen Riten und Vorstellungen zusammenbringen."

Renardo Schlegelmilch
(DR)

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