Große Beratungsrunde
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Bischof Heiner Koch
Bischof Heiner Koch

07.11.2014

Bischof Koch zum deutschen Abschlussbericht der Familiensynode "Wir sind keine Einheitspartei"

Jetzt kann man in Deutschland nachlesen, was 191 Bischöfe aus der ganzen Welt bei der Familiensynode besprochen haben - seit gestern ist der Abschlussbericht auch auf Deutsch erschienen. Familienbischof Heiner Koch erklärt im domradio.de-Interview die Bedeutung des Dokuments.

domradio.de: Haben Sie ihn schon gelesen?

Bischof Koch: Ich hatte ihn schon gelesen, schon vorher -  soweit es möglich war. Er war mir sehr wichtig, vor allem als wir die ersten Stellungnahmen dazu abgeben mussten. Aber jetzt habe ich es nochmal gründlich gelesen.

domradio.de: Bringt die deutsche Übersetzung jetzt auch wieder neuen Schwung in die Diskussion? Die Synode ist erst drei Wochen her, aber man hat den Eindruck, es ist etwas still geworden.

Koch: Persönlich glaube ich das nicht. Wie wohl ich wohl hoffe, dass es neuen Schwung beim Nachdenken geben wird. Ich glaube es nicht, weil es  - wenn man es liest -  keine dramatisch neuen Erkenntnisse gibt. Trotzdem ist es jetzt die große Aufgabe, die Papst Franziskus der Kirche in den verschiedenen Ländern gegeben hat: Die Zeit zwischen den Synoden zum Nachdenken zu nutzen.

Synode heißt: Zusammen auf dem Weg zu sein – auch zwischen den Synoden. Wir überlegen in der Bischofskonferenz, welche Schritte wir mit den Gläubigen gehen können, um dieses Weitergehen zu gestalten.

domradio.de: Haben Sie da schon Pläne?

Koch: Wir überlegen noch. Es gibt einige Punkte, die klar sind. Wir wollen ja nicht, dass in der Zeit nochmal das gesagt und wiederholt wird, was schon X-mal gesagt worden ist. Ich vermute, dass es ein Nachdenken geben wird  über die Sakramentalität. Über die Frage: Was heißt das eigentlich? 

Auch die Frage, wie kann man das  beschreiben, dass das verständlich wird. Das sind sehr wichtige Punkte. Was ist eigentlich ein Sakrament? Und was ist das Typische eines Sakraments? Ich erlebe ja immer wieder, dass die Leute sagen: Der Unterschied zwischen nichtkirchlicher und sakramentaler Eheschließung ist, dass die Zweiten sich nicht scheiden lassen dürfen. Das ist natürlich kurz gefasst. Aber auch einfach nur zu sagen: "Unsere Ehe ist gesegnet" ist zu kurz.

Es ist ja ein Sakrament. Sie ist hineingenommen in die Heilsgeschichte Jesu. Jesus ist da und der wirkt mit und durch sie. Das ist ein Akt der Kirche, der da vollzogen wird. Das hat schon eine enorme Tiefe und wir müssen uns fragen, wie wir das eigentlich verdeutlichen können, weil das auch innerkirchlich kaum bewusst ist.

domradio.de: Das ist eines der Dinge, die eine große Einigkeit mit sich bringt. Man kann jetzt in diesem deutschen Synodenbericht jetzt auch immer sehen, wie viele Ja und Nein-Stimmen es gegeben hat. Geht es um  Kirche als „Schule der Humanität“, dann ist da quasi niemand dagegen, während es vor allem im Kapitel „Die verwundeten Familien heilen (getrennt Lebende, nicht wiederverheiratete Geschiedene, wiederverheiratete Geschiedene, Alleinerziehende)" große Diskrepanzen gibt. 181 Ja-Stimmen für die Unauflöslichkeit der Ehe - eine Nein-Stimme. Wie muss man dieses Zahlen insgesamt deuten?

Koch: In den grundsätzlichen Aussagen - nämlich dass die Ehe ein Sakrament, unauflöslich und von Gott gewollt ist - gibt es Konsens. Das heißt aber, dass das die wesentlichen Aussagen sind, die wir erstmal wahrnehmen und verstehen müssen. Etwas ist ja nicht dadurch bedeutsam, dass man nicht einer Meinung ist.

Zweitens: In den vielen Konkretisierungen kann man natürlich weltweit unterschiedlicher Meinung sein. Drittens: Es gibt Streitpunkte, in denen man nicht genau sagen kann, wie soll sich die Kirche hier weiter verhalten. Aber das sind alles Konkretisierungen des grundsätzlich „Eins sein“ über den Wert und Sakramentalität der Ehe. Da wird man dann unterschiedliche Akzente setzen und unterschiedlicher Positionen sein.

Ich finde das aber in einem solchen Stadium nicht schlimm. Wir sind keine Einheitspartei. Wenn man eine offene und ehrliche Diskussion will, und die will Papst Franziskus, dann muss man damit leben, dass es unterschiedliche Sichtweisen und Perspektiven gibt. Die Qualität wird sich zeigen, dass man den Anderen nicht als Bedrohung sieht, sondern als Bereicherung und sich selbst in diese Spannung hinein bringt.

Und vielleicht wächst ja auch etwas ganz Neues daraus. Ein ehrliches Ringen, dass dann auch unterschiedliche Gesichtspunkte reinbring, halte ich für sehr sinnvoll und in diesem Stadium auch für notwendig. Irgendwann wird es dann auch klärende Entscheidung kommen.

Das Gespräch führte Uta Vorbrodt.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Weder domradio.de noch das Erzbistum Köln machen sich Äußerungen der Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen zu eigen.

(DR)

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