Agnes Wuckelt, stellvertretende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft
Agnes Wuckelt, stellvertretende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft
Auch Jacques Tilly hat bereits eine "Begrüßung" vor dem Dom aufstellen lassen.
Auch Jacques Tilly hat bereits eine "Begrüßung" vor dem Dom aufstellen lassen.

20.09.2021

Was erwarten katholische Frauen vom Bischofstreffen? "Die Geduld ist am Ende"

In eine turbulente Zeit fällt die aktuelle Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda. Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands fordert unter anderem ein klares Bekenntnis der Bischöfe zum Synodalen Weg.

DOMRADIO.DE: Warum sind Sie bei der Vollversammlung der deutschen Bischöfe?

Agnes Wuckelt (Stellvertretende Bundesvorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland): In der Regel begleiten wir auch die Vollversammlung durch eine Aktion. Aber das machen wir dieses Mal nicht. Nur eine Pressekonferenz. Denn wir wollen mal fragen, ob die Bischöfe uns vermissen.

DOMRADIO.DE: Vermissen Sie denn die Bischöfe?

Wuckelt: Also ich denke, wir sind so autonom, dass wir wirklich selber unser christliches Leben, unser Glaubensleben gestalten. Wir Frauen sind Christinnen in dieser Kirche und leben das nach unserer Vorstellung. Und da brauchen wir die Bischöfe erst einmal nicht.

DOMRADIO.DE: Wie sehen denn die katholischen Frauen Deutschlands zum Beispiel die jüngste Entscheidung des Heiligen Vaters, den Erzbischof von Hamburg, Stefan Heße im Amt zu belassen?

Wuckelt: Sehr ambivalent. Ich denke, hier ist etwas geschehen, wieder einmal, ohne die Gläubigen einzubeziehen. Es ist intransparent. Wir wissen nicht, auf welcher Basis diese Entscheidung getroffen wurde. Und das zeigt, dass die alte Struktur immer noch vorherrscht, die nicht auf Partizipation ausgerichtet ist, nicht auf Beteiligung, nicht auf Transparenz.

Letztendlich hätten die Menschen im Bistum Hamburg gefragt werden müssen, ob sie diesen Hirten wiederhaben wollen. Hirte wäre auch noch so ein Stichwort, ein absolut überholtes Bild.

DOMRADIO.DE: Ende des Monats gibt es die nächste Vollversammlung vom Synodalen Weg. Da haben die Bischöfe eigentlich die Laien gebeten, gemeinsam nach vorne zu schauen. Wenn sie auf diesen Prozess schauen, wo stehen wir gegenwärtig, Ihrer Ansicht nach?

Wuckelt: Das ist schwer einzuschätzen. Ich denke, wir haben einige Bischöfe, die tatsächlich mit vollem Ernst diesen Reformprozess mit uns begleiten. Das kann ich etwa vom Frauenforum sagen, indem ich Mitglied bin. Diejenigen Bischöfe, die laut dagegen sprechen, sind wohl eher die Minderheit.

Nichtsdestotrotz denke ich, wir sind in einem schwierigen Prozess. Es sind sehr schwierige Themen zu bearbeiten und es wird sich herausstellen, welche dieser Themen tatsächlich nach Rom gehen müssen, in eine Bischofssynode und damit wiederum nicht von uns entschieden werden können. Aber es kommt auch darauf an: Wenn die Bischöfe hier in Deutschland wirklich einen Reformprozess wollen, dann müssten sie all das ausloten, was ohne eine Veränderung des Kirchenrechts möglich ist, was ohne eine Erlaubnis von Rom möglich ist. Und das kann jeder Bischof für sich entscheiden. Und das wünschen wir uns schon. Dass die Bischöfe hier mutig und kreativ sind.

DOMRADIO.DE: Frauen nehmen in der Kirche eine immer stärkere Rolle ein, offiziell wie inoffiziell. Ohne Frauen, geht in der Kirche nicht mehr?

Wuckelt: Keinesfalls. Es ging eigentlich noch nie, von Anfang an unserer Kirche. Wenn wir sehen, die Oster-Verkündigungen haben Frauen gestartet und nicht Männer. Ich denke, dass Frauen ihr größeres Selbstbewusstsein gewonnen haben und sie mutig ihren Weg gehen. Hier haben wir unterschiedlichste Bewegungen, die sicher ihre Wurzeln in den Frauenverbänden haben.

Wir fordern seit 1999 in unserem Leitbild genau das, was jetzt im Synodalen Weg diskutiert wird. Und hier können wir Frauen uns gegenseitig stark machen. Wir vernetzen uns mehr und mehr sogar international. Internationale Frauennetzwerke, die genau diese Beteiligung und Partizipation von Frauen wollen. Die wollen, dass Frauen mitentscheiden.

Ich glaube, die Geduld ist am Ende. Diejenigen, die diese Geduld nicht mehr haben, verlassen die Kirche. Und diejenigen, die weiter ungeduldig sind, sagen: Wir machen einfach. Bischof Wilmar hat auf dem letzten Frauen-Kongress in Hildesheim auch Frauen ermutigt und das Bistum ermutigt, einfach zu machen. Er sagt: Fakten schaffen Normen.

DOMRADIO.DE: Was wünschen Sie sich denn von den Bischöfen, die jetzt hier Ihre Tagung beginnen?

Wuckelt: Sie sollen sich ernsthaft mit der Frage des Machtmissbrauchs auseinandersetzen. Sie sollen es auch ausweiten. In der Regel wird der sexuelle Missbrauch an Minderjährigen - so schrecklich und so furchtbar dieses Phänomen ist - in den Fokus gestellt. Es muss auch der gesamte geistliche und spirituelle Missbrauch in den Blick genommen werden, der letztendlich auch dazu führt, dass Frauen diskriminiert, dass Frauen marginalisiert werden. Das muss einfach bedacht werden.

Es müsste darüber sich ausgetauscht werden, ob einzelne Bischöfe tatsächlich Sonderwege gehen wollen, die nicht der Veränderung unserer Kirche dienen, sondern dass Bischöfe sich gemeinsam verabreden, Flagge zu zeigen, sich gemeinsam einigen, diese deutsche Kirche auf einen Weg nach vorne zu bringen und nicht einzelne Bischöfe ihre Situation beim Status quo halten wollen. Das wäre natürlich wunderbar, wenn sie sich eindeutig zum Synodalen Weg bekennen würden.

Das Interview führte Ingo Brüggenjürgen.

(DR)

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