Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Reinhard Marx
Kardinal Marx bei Papst Franziskus
Kardinal Marx bei Papst Franziskus

06.06.2021

Laienvertreter bitten Papst Rücktrittsgesuch abzulehnnen Bis zum Abschluss des Synodalen Wegs

​Der oberste Laienvertreter der katholischen Kirche in Bayern, Joachim Unterländer, hat Papst Franziskus gebeten, den angebotenen Amtsverzicht von Kardinal Reinhard Marx nicht anzunehmen. Dies sollte zumindest bis zum Abschluss des Synodalen Wegs nicht geschehen.

Das erklärte der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken am Samstag. Marx habe den Weg gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ausgerufen, um systemische Ursachen von falsch verstandener Loyalität und für eine zunehmende Entfremdung von Amtsträgern und Gläubigen anzugehen.

"Kirche braucht Marx"

Es wäre fatal, nun geeignete Führungspersönlichkeiten suchen zu müssen, um eine Reform in Gang zu setzen, so Unterländer. Mit deren Hilfe könne die Kirche die zahlreichen Begabungen ihrer Mitglieder ernst nehmen und Ungerechtigkeiten beseitigen. Marx sei ein "herausragender, unverzichtbarer Vertreter der Kirche, wenn es um die Realisierung von systemischen Veränderungen geht". Sein Eintreten für Geradlinigkeit und das Ringen um den richtigen Weg setzten Maßstäbe für die Kirche. "Deshalb gilt für uns: Die katholische Kirche in Bayern braucht Kardinal Reinhard Marx", so der Landeskomitee-Chef.

Marx habe sich als Vorsitzender der Bayerischen Bischofskonferenz seit Bekanntwerden vieler Missbrauchsfälle in einem Maß für die Aufklärung und Aufarbeitung eingesetzt, "das man sich von Anfang an von allen Beteiligten gewünscht hätte", betonte Unterländer. "Kardinal Marx hat nicht nur alles daran gesetzt, dass diese Fälle neu aufgerollt werden, sondern dass endlich die Perspektive der Opfer in den Mittelpunkt gerückt wurde."

Historikerin: Papst muss Gesuch von Marx nicht annehmen

Für die Historikerin Eva Schlotheuber ist es keineswegs ausgemacht, dass das Oberhaupt der katholischen Kirche das Rücktrittsgesuch von Kardinal Reinhard Marx akzeptiert. "Der Papst muss das Gesuch nicht annehmen und tut dies auch keinesfalls immer", sagte die Mittelalter-Professorin der Universität Düsseldorf der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Montag).

Eine Bitte um Entpflichtung vom Amt bei Krankheit oder Altersgründen sei in der Geschichte durchaus üblich, erläuterte die Vorsitzende des Deutschen Historikerverbandes. "Man kann gespannt sein, wie Franziskus sich entscheidet." Marx habe erkannt, "dass eine Reform der Kirche von innen schwer ist, nicht zuletzt, weil ein Neuanfang die schonungslose Anerkennung der Vergangenheit notwendigerweise voraussetzt", sagte Schlotheuber.

(KNA, epd)

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