Reinhard Kardinal Marx im Gespräch
Reinhard Kardinal Marx im Gespräch
Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Georg Bätzing, Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Kardinal Woelki
Kardinal Woelki
Bischof Bertram Meier
Bischof Bertram Meier
Bischof Franz-Josef Bode
Bischof Franz-Josef Bode
Bischof Stephan Ackermann
Bischof Stephan Ackermann
Bischof Stefan Oster
Bischof Stefan Oster
Peter Beer (Archiv)
Peter Beer, ehemaliger Generalvikar des Erzbistums München und Freising (Archiv)
Thomas Sternberg
Thomas Sternberg
Pater Hans Zollner SJ
Pater Hans Zollner SJ
Matthias Katsch
Matthias Katsch
kfd-Bundesvorsitzende Mechthild Heil
kfd-Bundesvorsitzende Mechthild Heil
Bernd Hagenkord, Theologe und ehemaliger geistlicher Begleiter des Synodalen Wegs
Bernd Hagenkord, Theologe und ehemaliger geistlicher Begleiter des Synodalen Wegs
Johannes-Wilhelm Rörig
Johannes-Wilhelm Rörig
Margot Käßmann
Margot Käßmann
Erzbischof Jean-Claude Kardinal Hollerich
Erzbischof Jean-Claude Kardinal Hollerich
 Heinrich Bedford-Strohm
Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der EKD

04.06.2021

Reaktionen auf Rücktrittsangebot von Kardinal Marx "Außerordentlich wichtiges Zeichen"

Kardinal Reinhard Marx hat Papst Franziskus gebeten, seinen Verzicht auf das Amt des Erzbischofs von München und Freising anzunehmen und über seine weitere Verwendung zu entscheiden. DOMRADIO.DE dokumentiert Reaktionen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, hat den angebotenen Amtsverzicht des Münchner Kardinals Reinhard Marx mit großem Respekt und Bedauern aufgenommen und das Wirken seines Amtsvorgängers gewürdigt. Marx habe ihn zuvor über den Schritt informiert, erklärte Bätzing am Freitag in Bonn. "Als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz hat Kardinal Marx Wegweisendes für die Kirche in Deutschland und weltweit geleistet. In der Deutschen Bischofskonferenz ist er eine der tragenden Säulen." Marx werde auch weiterhin gebraucht.

"Kardinal Marx will mit seinem Schritt ein Zeichen setzen und institutionelle Verantwortung persönlich übernehmen, die die Kirche im Zusammenhang mit den Fällen sexuellen Missbrauchs und ihre Vertuschung zu tragen hat", so Bätzing, der Limburger Bischof ist. "Tatsächlich haben die Verbrechen systemische Schwachstellen in der Kirche offengelegt, die ebenso nach systemischen Antworten rufen. Eine ausschließlich juristische Aufarbeitung und Verwaltungsänderungen reichen nicht aus."

Marx sehe sein Angebot des Amtsverzichts als "persönliche Antwort auf diese Situation", betonte Bätzing. "Unabhängig davon aber müssen die Deutsche Bischofskonferenz und die Bistümer weiterhin ihrer Verantwortung nachkommen, auf dem 2010 eingeschlagenen Weg der Aufarbeitung der Fälle sexuellen Missbrauchs weiterzugehen."

Bätzing sagte weiter, es gebe massive Kritik am Synodalen Weg der Kirche in Deutschland. Manche hätten wohl den Eindruck, dass es mit "mit einigen Schönheitsreparaturen getan" sein könnte. Dem widerspreche Kardinal Marx, "und dem widerspreche ich auch", so der Bischofskonferenzvorsitzende und Bischof von Limburg. Es brauche grundsätzliche Reformen, etwa bei den Themen Klerikalismus oder der Rolle von Frauen in der Kirche. Der innerkirchliche Reformdialog Synodaler Weg sei ins Leben gerufen worden, "um nach systemischen Antworten auf die Krise zu suchen. Die grundlegenden theologischen Diskussionen, die den Synodalen Weg bestimmen, sind daher ein wesentlicher und wichtiger Teil in diesem Prozess", unterstrich Bätzing.

Er ergänzte: "Ich kann die Entscheidung von Kardinal Marx verstehen. Sein Rücktrittsangebot macht deutlich, dass die Kirche in Deutschland den begonnenen Synodalen Weg fortsetzen muss. Papst Franziskus betont selbst, dass er Synodalität und den Synodalen Weg als Unterscheidung für die ganze Kirche wünscht."

Kölns Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki äußerte sich am Freitagnachmittag: "Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung von Kardinal Marx, die er in diesen für die katholische Kirche schweren Zeiten als seine persönliche Konsequenz gezogen hat. Bereits im Dezember des vergangenen Jahres hatte ich den Heiligen Vater gebeten, die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Erzbistum Köln sowie meine persönliche Verantwortung zu bewerten.  Damit habe ich mein Schicksal damals vertrauensvoll in die Hände des Papstes gegeben. Das Erzbistum hat auf die erschreckenden Ergebnisse der MHG Studie mit einem umfangreichen Gutachten zum Umgang mit sexualisierter Gewalt reagiert. Dieses Gutachten habe ich den Betroffenen, dem Heiligen Stuhl, der Öffentlichkeit und auch den Staatsanwaltschaften schon im März diesen Jahres  zur Verfügung gestellt. Darin wurden Namen genannt und Verantwortliche haben Konsequenzen gezogen.Der Papst hat jüngst auf das Gutachten und meine Bitte reagiert, und zur Beurteilung der Situation und auch meiner Person Visitatoren entsandt. Das ist ein direkter Auftrag des Heiligen Vaters zur Zusammenarbeit, den ich verantwortungsvoll zum Abschluss begleiten werde!"

Der Augsburger Bischof Bertram Meier sieht im Rücktrittsgesuch des Münchner Erzbischofs ein doppeltes Signal an die katholische Kirche in Deutschland. "Das Rücktrittsangebot von Kardinal Marx wird wohl Ausrufe- und Fragezeichen zugleich sein", sagte Meier der «Augsburger Allgemeinen» (Samstagausgabe).

Der Schritt sei ein Ausrufezeichen an die Kirche, auf dem Weg der geistlichen Erneuerung voranzuschreiten. Er sei zugleich auch ein Fragezeichen: "Inwieweit gelingt es uns, angesichts der zahlreichen Herausforderungen, vor denen die Kirche in Deutschland steht, die Einheit zu wahren?" Mit Blick auf die Aufarbeitung des Missbrauchs und auf den Reformprozess des Synodalen Wegs betonte der Bischof, bei aller Vielfalt sei auch ein "Schulterschluss" gefordert.

Über sein persönliches Verhältnis zu Marx in den vergangenen Monaten sagte Meier: "Ich habe Kardinal Marx lebensfroh, gesellig, zupackend, aber als Westfale auch als 'sensible Eiche' erlebt."

Der Aachener Bischof Helmut Dieser hat sich anerkennend zum angebotenen Amtsverzicht des Erzbischofs von München und Freising, Reinhard Marx, geäußert. "Das Rücktrittsangebot von Kardinal Marx bewegt mich tief, aber er genießt meinen großen Respekt für seine Entscheidung", teilte Dieser am Freitag in Aachen mit. "Wir stehen in der Kirche derzeit vor sehr tiefgreifenden Fragestellungen, wie wir die Lebenswirklichkeit der Menschen umfassender wahrnehmen und deutlicher auf die Lebensvollzüge der Kirche anwenden können. Dazu sind wir in guten Beratungen innerhalb des Synodalen Weges. Diesen Weg werden wir weitergehen."

Kardinal Marx hatte den Reformprozess Synodaler Weg mit initiiert. Seit 2019 beraten deutsche Bischöfe und Laienvertreter über die Zukunft der katholischen Kirche. Ausgangspunkt ist eine jahrelange Kirchenkrise, die der Missbrauchs-Skandal verschärft hat. In der Debatte geht es vor allem um die Themen Macht, Priestertum und Sexualmoral sowie um die Rolle der Frauen in der Kirche.

"Mich persönlich bewegt das Rücktrittsangebot von Kardinal Marx in besonderer Weise, weil er in meinen Trierer Jahren über viele Jahre mein Bischof war", erklärte Dieser. "Mein Vertrauen in ihn ist durch seinen konsequenten Schritt bestärkt worden." Der heutige Aachener Bischof wurde 1989 in Trier zum Priester geweiht. Nach verschiedenen akademisch-theologischen Stationen und Einsätzen in der Seelsorge war er ab 2011 als Weihbischof im Bistum Trier tätig, 

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode zeigt sich vom Rücktrittsangebot des Erzbischofs von München und Freising betroffen und überrascht. "Es ist ein starkes Zeichen, und ich habe hohen Respekt", erklärte Bode am Freitag in Osnabrück. "Dieser Schritt wird, weil der Kardinal so eine wichtige Figur in der Kirche in Deutschland ist, seine Wirkung haben. Ich bedauere aber gleichzeitig sehr, dass er in Zukunft in dieser Position in der Bischofskonferenz nicht dabei sein kann."

Für die Erneuerung der Kirche brauche es starke Menschen, so Bode. Die Kirche befinde sich an einem Wendepunkt, kein Stein werde auf dem anderen bleiben. "Aber ich denke, wir müssen mit den Steinen etwas Gutes wiederaufbauen."

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann sieht im Rücktrittsangebot des Münchner Kardinals und früheren Trierer Bischofs Reinhard Marx eine Aufforderung an andere Geistliche der katholischen Kirche. "Es ist offensichtlich, dass sein Schritt erneut alle deutschen Bischöfe herausfordert, sich mit der Frage nach der Verantwortungsübernahme und dem Angebot eines Rücktritts auseinanderzusetzen", erklärte Ackermann am Freitag in Trier. "Mir selbst ist diese Frage auch nicht fremd." Ackermann wolle Verantwortung übernehmen, indem er den Prozess der Aufarbeitung von Missbrauch im Bistum aktiv gestalte und die unabhängige Aufarbeitungskommission unterstützte, versicherte er.

Weiter drückte Ackermann, der auch als Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz tätig ist, Respekt für Marx' Entscheidung aus. "Ich verstehe sein Rücktrittsangebot als starkes Zeichen, dass er mit dieser persönlichen Entscheidung Verantwortung übernehmen will für die Verbrechen sexualisierter Gewalt in unserer Kirche; dass er dies aber auch tut im Namen der Institution, in der er als Erzbischof und Kardinal große Verantwortung trägt." Marx' Rücktrittsangebot sei auch ein "Zeichen für die notwendige Erneuerung der Kirche".

Passaus Bischof Stefan Oster äußerte sich "sehr überrascht" über diesen Schritt. "Nachdem ich aber seine Erklärung gelesen habe, ist es für mich plausibler geworden", sagte Oster am Samstag in Rom, wo er sich dieser Tage aufgehalten hatte.

"In den vergangenen Monaten und auch Jahren habe ich Reinhard Marx oft auch sehr, sehr nachdenklich erlebt, und dann bekommt dieser Schritt doch eine gewisse Schlüssigkeit und Souveränität", so Oster. Marx' Entscheidung forciere noch einmal die Frage der Kirche in Deutschland: "Wie sind wir miteinander unterwegs? Da hat Marx eine gewichtige Stimme. Mal schauen, was der Papst damit macht, ob er den Rücktritt annimmt."

Der frühere Münchner Generalvikar Peter Beer hat den angebotenen Amtsverzicht als eine "Entscheidung der Stunde" gewürdigt. "Es ist die um der Sache willen eigentlich einzig vernünftige und aufrechte", schreibt Beer in einem Beitrag für das Magazin "Cicero". Für ihn belege der Schritt, konsequent in der eigenen Amtsführung zu sein.

"Wer immer wieder von Schuld und Sünde spricht und vor allem Andere über eine diesbezügliche Notwendigkeit von Sühne, Buße und erforderlicher Genugtuung belehrt, der sollte dies auch bei Gelegenheit auf die eigene Amtsführung wirkungsvoll explizieren", so der Geistliche. Menschen, die hinsichtlich der eigentlichen Bedeutung und Autorität stets größten Wert auf eine ununterbrochene Traditionslinie seit der Zeit der Apostel Wert legten, sollte der Gedanke nicht fremd sein, dass es "so etwas Ähnliches auch in Bezug auf die Übernahme von Verantwortung geben kann".

Marx' Schritt sei ein entscheidender Beitrag dazu, dass die von der Kirche ausgestellten Schecks im Angesicht der Katastrophe des Missbrauchs "eingelöst werden können; dass sie gedeckt sind", schreibt Beer. Sie seien dadurch mehr Wert, "als das Papier der zahlreichen Ankündigungen, Verlautbarungen und Absichtserklärungen. Sie sind gedeckt durch persönlichen Einsatz und biographisch relevanten und wirksam werdenden Konnex zu einem konkreten Menschen, dem Menschen Reinhard Marx." Daran würde sich nichts ändern, wenn Marx in laufenden und weitergehenden Untersuchungen möglicherweise persönliche Schuld oder Versagen nachgewiesen werden sollten.

Der Vorsitzende des Diözesanrats der Katholiken der Erzdiözese München und Freising, Hans Tremmel, hat das Angebot von Kardinal Reinhard Marx, auf sein Amt zu verzichten, ein "sehr starkes, ein ehrliches, ein konsequentes und glaubwürdiges Zeichen" genannt. Zugleich verbinde er damit aber die Hoffnung, dass Papst Franziskus Marx gerade jetzt nicht aus der aktuellen Verantwortung entlasse, da dieser nach wie vor weit über das Bistum hinaus eine enorm wichtige Aufgabe wahrzunehmen habe. "Gerade jetzt brauchen wir Kardinal Marx für den Synodalen Weg, weshalb ich das Angebot schon auch kritisch und ambivalent sehe."

Der Kardinal gehe einen sehr gradlinigen Weg, und das nötige höchsten Respekt ab, sagte Tremmel. Was die Frage der Mitverantwortung für eine Institution bedeute, die er an oberster Stelle repräsentiere, komme er offensichtlich zu anderen Antworten als manche seiner Amtsbrüder. Das Leid, das Menschen durch Vertreter der Kirche angetan worden sei, und ein Ausmaß an institutionellen und systemischen Vergehen, das in den letzten Jahren ans Licht gekommen sei, habe Marx nachhaltig erschüttert, schlussfolgert der Diözesanratsvorsitzende. Auch dessen Welt- und Kirchenbild sei durchaus ins Wanken geraten

Marx habe seine individuelle Gewissenserforschung, ob und an welcher Stelle er persönlich Fehler gemacht habe, mit großer Redlichkeit betrieben, so Tremmel. Der Erzbischof sei bereit, den Weg frei zu machen, um das Evangelium aus der tiefen Dunkelheit des Missbrauchs wieder ans Licht zu bringen. Aber er ist nach Einschätzung des Diözesanratsvorsitzenden auch bereit, weiter konsequent gemeinsam mit anderen einen Weg der Umkehr und der Erneuerung zu gehen. Deshalb hoffe er, dass der Papst ihn gerade jetzt nicht aus der aktuellen Verantwortung als Erzbischof von München und Freising entlasse. Auch Franziskus selbst sollte nicht auf seinen Rat verzichten.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hat sich "tief erschüttert" über den angebotenen Amtsverzicht des Münchner Kardinals Reinhard Marx gezeigt. "Da geht der Falsche", sagte Sternberg der "Rheinischen Post" (Samstag). "Was Marx in der Ökumene, beim Synodalen Weg und auch bei der Missbrauchsaufarbeitung geleistet hat, ist ganz wichtig gewesen." Sternberg erinnerte auch daran, dass Marx eine hohe Summe aus seinem Privatvermögen für eine Stiftung für Betroffene sexuellen Missbrauchs in der Kirche aufwenden wollte.

Nach seiner Einschätzung habe Marx die massive Kritik an der geplanten Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an ihn tief getroffen, sagte Sternberg. "Das zeigt auch, dass in der gegenwärtigen Skandalisierung der katholischen Kirche alle in einen Gesamtverruf kommen, egal, wie ernsthaft sie diese Themen angehen oder nicht." Sollte der Rücktritt angenommen werden, so Sternberg, "dann fehlt uns ein ganz wichtige Persönlichkeit im deutschen Katholizismus". Marx hatte nach Kritik von Missbrauchsbetroffenen Ende April auf die Annahme des Bundesverdienstkreuzes verzichtet.

Der deutsche Kinderschutz-Experte Hans Zollner von der Päpstlichen Gregoriana-Universität in Rom sieht in dem Rücktrittsangebot von Kardinal Reinhard Marx "ein außerordentlich wichtiges Zeichen, das große Hochachtung verdient". Der Münchner Erzbischof zeige damit, "dass die Botschaft und die Glaubwürdigkeit der Kirche und ihrer Amtsträger wichtiger sind als die persönliche Stellung", sagte Zollner auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Freitag.

Das Kinderschutzzentrum (CCP) in Rom, das Zollner als Psychologe leitet, wird zu wesentlichen Teilen von der Erzdiözese München und Freising finanziert. Marx selber unterstützt die Arbeit der international agierenden Fach- und Fortbildungsstelle mit persönlichen Mitteln und hat zudem eine Stiftung initiiert.

Der Sprecher der Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, bekundete Respekt vor dem Rücktrittsgesuch von Kardinal Reinhard Marx. Er habe Marx als einen Geistlichen erlebt, "der bereit war zuzuhören", sagte Katsch am Freitag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Er, Marx, habe verstanden, dass man nur durch eine Übernahme von Verantwortung einen Neuanfang machen könne. "Marx hat verstanden, dass diejenigen, die den Karren in den Dreck gezogen haben, ihn nicht zugleich wieder herausziehen können."

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) bekundete zwar ebenfalls Respekt. "Wir sagen aber auch ganz klar: Kardinal Marx hat seine Mitverantwortung an den Vorgängen des Missbrauchs und der Vertuschung in der katholischen Kirche eingeräumt, deshalb ist sein Rücktritt der richtige Schritt", sagte die kfd-Bundesvorsitzende Mechthild Heil. "Auch wir sehen, dass die Amtskirche in vielfältiger Weise an einem toten Punkt ist." In seinem Brief an den Papst hatte Marx geschrieben, er sehe die Kirche "an einem gewissen 'toten Punkt'".

Der Jesuitenpater Bernd Hagenkord äußerte sich ebenso zu Marx' Rücktrittsangebot. Mit seinem Rücktrittsangebot an Papst Franziskus wolle Kardinal Reinhard Marx die Verantwortungsfrage nach den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche klären, sagte der geistliche Begleiter des synodalen Wegs der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. Marx gehe voran und andere könnten ihm folgen. Anders als die Variante im Erzbistum Köln, die Verantwortung für den Missbrauch juristisch zu klären, habe Marx mit seinem Ersuchen Verantwortung übernehmen wollen.

Das Rücktrittangebot an Papst Franziskus werde durch die ganze Welt gehen, erklärte Hagenkord weiter: "Marx ist nicht irgendjemand." Der Vatikan-Blogger zeigte sich von der Nachricht zwar überrascht, dieser Rücktritt passe jedoch zu Marx. Die Missbrauchsfälle seien ihm sehr nah gegangen, sagte Hagenkord. Durch diese stecke die deutschsprachige katholische Kirche in einer massiven Krise.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat Respekt vor dem Rücktrittsgesuch von Kardinal Reinhard Marx bekundet. Dieser Schritt zeige die Dimension und die Verwerfungen auf, zu denen das Bekanntwerden von Kindesmissbrauch in den eigenen Reihen geführt habe, sagte Rörig am Freitag auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Marx hatte Papst Franziskus gebeten, seinen Verzicht auf das Amt des Erzbischofs von München und Freising anzunehmen und über seine weitere Verwendung zu entscheiden.

Marx habe bei dem Prozess der Aufarbeitung auch in der Weltkirche eine sehr wichtige Rolle gespielt. Unabhängig von seinem Rücktrittsgesuch müsse die unabhängige Aufarbeitung in den Bistümern mit voller Kraft vorangetrieben werden.

Auch aus der Bundespolitik hat es Stimmen zum Rücktrittsgesuch von Kardinal Reinhard Marx gegeben. So erklärte der religionspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Benjamin Strasser, am Freitag in Berlin, das Gesuch könne ein Weckruf sein. Es könne die Zielsetzung und Gestaltung der weiteren Aufarbeitung auslösen.

Strasser sprach sich weiter dafür aus, dass der gesamte bisherige Aufklärungsprozess zügig, offen und unabhängig bewertet werden müsse. Daraus müssten gemeinsam mit den Betroffenen neue, konkrete Vorschläge für eine konsequente und verlässliche Politik der Aufarbeitung entwickelt werden. Sie müsse weiter zeigen, wie der Opferschutz verbessert und täterschützende Strukturen in der katholischen Kirche abgebaut werden könnten. "Diese Maßnahmen sind für die Kirche schmerzhaft, sind aber unvermeidbar", so Strasser.

Auch der Religionsbeauftragte der SPD, Lars Castellucci, äußerte sich. "Das Rücktrittsangebot von Kardinal Marx ist ein wichtiges Zeichen, dass für Fehler und Versäumnisse in der katholischen Kirche auf oberster Leitungsebene auch persönlich Verantwortung übernommen wird", so Castellucci. Ein Rücktritt sei "respektabel, vielleicht ist er unausweichlich, allerdings auch sicher keine Lösung". Wichtiger sei es, Aufklärung und Aufarbeitung "endlich verbindlich, transparent und unter Beteiligung der Betroffenen zu leisten". Er befinde sich derzeit mit Religionsbeauftragten, Betroffenen, Kirchen und weiteren Institutionen im Gespräch darüber, wie in der kommenden Legislaturperiode eine parlamentarische Begleitung der Aufarbeitung aussehen könne, so Castellucci.

Der Leiter des Sozialinstituts "Kommende Dortmund", Peter Klasvogt, würdigt das Rücktrittsangebot des Münchner Kardinals Reinhard Marx. Er übernehme in der "dunkelsten Stunde der katholischen Kirche" Verantwortung, so Klasvogt am Freitag in Dortmund. Der Kardinal sei jemand, "der genau hinschaut und der sich betreffen lässt von dem, was er sieht". Marx war sieben Jahre lang Direktor des Instituts.

Der Kardinal sei kein "Betonkopf und kein Hardliner", so Klasvogt. Er sei "in seinem Glauben angefochten angesichts des unfassbaren Leids, das den Betroffenen sexuellen Missbrauchs zugefügt worden ist - und das unter dem Deckmantel der Kirche." Das Sozialinstitut begegne der Entscheidung von Marx "mit großem Respekt".

Die Dortmunder "Kommende" ist das Sozialinstitut des Erzbistums Paderborn. Bekannt ist es vor allem durch seine politische und arbeitsweltbezogene Bildungsarbeit. Kardinal Marx stand von 1989 bis 1996 an der Spitze der Einrichtung.

Der Sprecher des Vereins "Missbrauchsopfer im Bistum Trier" (Missbit) hat das Rücktrittsgesuch des Münchner Kardinals Reinhard Marx begrüßt. Hermann Schell sprach am Freitag von einem respektablen und anerkennenswerten Schritt. Zugleich betonte er, es sei "wichtig und längst überfällig", dass ein Bischof in Deutschland für Fehlverhalten der Kirche im Umgang mit Missbrauch und Betroffenen Verantwortung übernehme. Marx' Entscheidung komme einem "kleinen Erdbeben" gleich und bringe andere Bischöfe in Zugzwang. Schell betonte: "Ich hoffe, es ist kein verschenkter Rücktritt, der keinen Widerhall findet."

Die Unabhängige Aufarbeitungskommission in der Erzdiözese München und Freising hat mit Bestürzung und Respekt auf den angebotenen Amtsverzicht von Kardinal Reinhard Marx reagiert. Der Erzbischof habe damit deutlich gemacht, "dass der bisherige Aufarbeitungsprozess nicht ausreicht und eine neue Qualität erhalten muss", erklärte Kommissions-Vorsitzende Michaela Huber am Sonntag. "Dass er bereit ist, als hoher Geistlicher für das diesbezügliche Fehlverhalten der katholischen Kirche die Verantwortung zu übernehmen, die ein modernes Gemeinwesen mit hohem ethisch-moralischen Anspruch auszeichnet, zeugt von Größe."

Zugleich riefen die acht Mitglieder den Papst indirekt dazu auf, den Amtsverzicht von Marx als Erzbischof nicht anzunehmen. Man hoffe sehr, dass Franziskus sehe, "welche Chance diese klare Positionierung von Kardinal Reinhard Marx für das Bistum München-Freising und vielleicht überhaupt für die deutsche katholische Kirche bedeutet", so die Vorsitzende.

Dass der Kardinal nicht nur "eine vordergründige, juristische und zum Teil der Problematik nur bedingt angemessene Form der finanziellen Entschädigung" im Auge habe, sondern auch die Notwendigkeit einer tiefergehenden, strukturellen und gesellschaftlich-soziologischen Veränderung der Institution Kirche erkenne, "unterscheidet ihn von den meisten seiner Amtsbrüder", erklärte Huber. Dies sei "eine notwendige Voraussetzung, wenn die Kirche in Deutschland wieder an existenzieller Bedeutung gewinnen will".

Die Kommission hatte sich erst im Mai konstituiert. Ihr Ziel ist es den Angaben zufolge, die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs kritisch zu begleiten, begünstigende Strukturen zu identifizieren und Änderungsvorschläge zu machen. Außerdem soll das Gremium Formen erarbeiten, wie auch jenseits juristischer Vereinbarungen eine gewisse Wiedergutmachung möglich sein könnte. Neben jeweils zwei Vertretern des Betroffenenbeirats sowie der Erzdiözese gehören der Kommission vier von der Staatskanzlei vorgeschlagene, aus verschiedenen Berufen stammende Personen an, zu der auch die Vorsitzende gehört. Huber ist Schulpsychologin und Supervisorin.

Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, äußterte sich in einer Kolumne in der "Bild am Sonntag" zu den angebotenen Amtsverzicht. Sie habe großen Respekt vor Marx, der anders als der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki persönlich Verantwortung für den Missbrauchs-Skandal in der katholischen Kirche übernehme, so Käßmann. Zugleich habe sie eine große Sympathie "für all die wackeren Katholikinnen und Katholiken, die Gottesdienste feiern, Senioren besuchen, in Konflikten Seelsorge anbieten, Flüchtlinge betreuen". Ihrer Ansicht nach sei die katholische Kirche jedoch nicht "an einem toten Punkt" angekommen, wie Marx es formuliert hatte, so die ehemalige hannoversche Landesbischöfin.

Es gebe berechtigte Kritik an den Kirchen, schrieb Käßmann. Dennoch brauche die Gesellschaft die Kirchen. "Das Leben ist mehr als das, was wir konsumieren. Es gibt eine spirituelle Dimension, die wir in Synagogen, Kirchen, Moscheen feiern", betonte sie. "Da existiert ein Mehrwert an Glauben, Tradition und Gemeinschaft, der sich nicht kaufen lässt."

Die EU-Bischofskommission COMECE reagierte mit "großem Respekt" auf den angebotenen Amtsverzicht ihres früheren Vorsitzenden Kardinal Marx als Erzbischof von München und Freising. "Seine Entscheidung muss das Ergebnis tiefer und mutiger innerer Einkehr sein", erklärte am Freitagabend Marx' Nachfolger als Vorsitzender der in Brüssel ansässigen Organisation, Kardinal Jean-Claude Hollerich. Diese Entscheidung spiegele "jene Ernsthaftigkeit wider, die stets Marx' Handeln als Seelsorger geleitet" habe. Er bedaure den Rücktritt, so Hollerich, empfinde aber "tiefen Respekt für Kardinal Marx und seine Entscheidung.

Der Jesuit und Luxemburger Erzbischof würdigte auch Marx' Leistungen in seinen sechs Jahren an der Spitze der COMECE. Sein Beitrag als Vertreter für Deutschland und später als Vorsitzender (2012-2018) sei "sehr kostbar" gewesen. Marx habe die Bischofskommission zu einem "dynamischeren Akteur" im Dialog mit den EU-Institutionen und im Einsatz für eine menschlichere Politik im Sinne des Gemeinwohls gemacht.

Der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz zeigt sich erschüttert und überrascht über das Rücktrittsgesuch des Münchner Erzbischofs Kardinal Reinhard Marx. "Sein Brief an den Papst stellt die Gründe für die Entscheidung dar - aber seine Einsamkeit beeindruckt mich", sagte Erzbischof Eric de Moulins-Beaufort von Reims im Interview der Zeitung "La Croix" (online Freitagabend). In Frankreich hätten alle Bischöfe gemeinsam versucht, der Krise um sexuellen Missbrauch zu begegnen. Bei der Frühjahrsvollversammlung habe man "gemeinsam zu verstehen versucht, was passiert ist, und unsere Verantwortung für Gegenwart und Zukunft wahrzunehmen".

Für Kardinal Marx führt der "Weg aus der Krise" über den sogenannten Synodalen Weg. Dazu sagte der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, "das ganze Volk Gottes" sei aufgerufen, gegen diese Missbräuche zu kämpfen. Synodalität bedeute auch das Anhören von Opfern und kompetenten Menschen. Synodalität sei "nicht nur ein sichtbares Ereignis wie eine Synode oder eine Versammlung, sondern in erster Linie ein Sinneswandel für eine aufmerksamere Kirche im Dialog". Marx spricht von einer Sackgasse und einem Wendepunkt für die Kirche. Für Frankreich sieht de Moulins-Beaufort "eher einen positiven Wendepunkt", zumindest in der Reaktion auf sexuellen Missbrauch.

Was die Frage persönlicher Verantwortung angeht, erklärt sich der Episkopatsvorsitzende in Einklang mit Kardinal Marx. "Als Bischof fühle ich mich für die ganze Kirche verantwortlich", so der Erzbischof von Reims, einst Krönungsstadt der französischen Könige. "Vor langer Zeit war die hierarchisch verfasste Kirche direkt Schuld, wenn sie sich an den Kreuzzügen oder der Inquisition beteiligte." Sexueller Missbrauch aber sei "heimtückischer", sagte de Moulins-Beaufort. Das sei ein Übel, das nicht die Kirche als ganze gewollt und begangen habe, es aber dennoch "nicht vermeiden konnte".

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat den Schritt von Kardinal Reinhard Marx als "beispielgebende Geradlinigkeit" gewürdigt. Er zeige die Konsequenz, mit der Marx die Erneuerung seiner Kirche betreibe, schrieb der evangelische Landesbischof am Sonntag auf Facebook. Die Worte des Kardinals bei der Pressekonferenz hätten deutlich gemacht, "dass seine Entscheidung Ergebnis eines intensiven geistlichen Ringens ist und dass es nicht um Amtsmüdigkeit, sondern um Verantwortungsübernahme geht".

Sollte Papst Franziskus das Angebot von Marx annehmen, würde dessen "starke Stimme im jetzigen Amt fehlen", so Bedford-Strohm. Bis zu einer Entscheidung werde der Kardinal seine Amtsgeschäfte in Bayern in jedem Falle weiterführen. "So werden wir jetzt weiter ökumenisch eng zusammenarbeiten." Auch für die Zeit danach gelte, dass die Ökumene auch in anderen personellen Konstellationen weiter wachsen werde. "Die Kirche sind nicht vor allem die Leitenden Geistlichen. Die Kirche ist das ganze Volk Gottes."

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