Sr. Anna Mirijam Kaschner cps
Sr. Anna Mirijam Kaschner cps

25.02.2021

Nordische Generalsekretärin kritisiert limitierte Sicht auf Beate Gilles Qualifikation vor Quote

Die Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz darf nicht nach ihrem Frausein beurteilt werden, fordert Sr. Anna Mirijam Kaschner. Sie sieht keinen Hinderungsgrund für mehr Frauen und Laien an der Spitze der Generalsekretariate.

DOMRADIO.DE: Freuen Sie sich, dass es jetzt in der Runde der Generalsekretärinnen und Generalsekretäre ein bisschen weiblicher wird?

Sr. Anna Mirijam Kaschner CPS (Generalsekretärin der Nordischen Bischofskonferenz): Ja, auf jeden Fall. Ich freue mich vor allen Dingen darauf, Frau Dr. Gilles kennenzulernen. Ich kenne sie bis jetzt noch nicht. Es freut mich, dass auch andere weibliche Gesichter demnächst in den größeren Konferenzen zu sehen werden. Es macht schon einen Unterschied, wenn man in einer Runde der Generalsekretäre in Europa sitzt, die meistens männlich sind, und auf einmal auch eine Frau auftaucht. Das tut gut.

DOMRADIO.DE: Sie selbst sind seit 2009 Generalsekretärin der Nordischen Bischofskonferenz. In Südafrika gab es in den 1980er-Jahren die erste stellvertretende Generalsekretärin. Wie kommt es, dass es bisher international so wenige Generalsekretärinnen gibt?

Sr. Anna Mirijam: Für dieses Amt braucht man ja nun mal nicht die Weihe. Daher gibt es überhaupt gar keinen Hinderungsgrund, dass das nicht auch Frauen oder auch Laien an sich machen. Ich denke, dass die Priester oder Bischöfe in den kleineren Bischofskonferenzen, wenn ich jetzt an die Niederlande denke oder an uns im Norden, dringendst für ihre alltäglichen Aufgaben gebraucht werden. Daher gibt es eine größere Offenheit, auch Laien einzusetzen.

In Dänemark und den nordischen Ländern ist es so, dass wir sehr flache Hierarchien haben. Das ist generell in der Gesellschaft so. In den nordischen Ländern duzt sich jeder: Der Bischof ist per Du. Der Arzt, der Doktorvater - alle sind per Du. Daher glaube ich, sind da die Hemmschwellen nicht so groß wie vielleicht in Deutschland.

DOMRADIO.DE: Ist da auch im weltweiten Vergleich noch Luft nach oben, was Frauen in der Position der Generalsekretärin angeht?

Sr. Anna Mirijam: Es ist generell Luft nach oben für Laien, würde ich sagen. Ich bin kein Vertreter derjenigen, die sagen "Wir brauchen die Quotenfrauen." Das stört mich jetzt in der Diskussion auch ein wenig bei Frau Dr. Gilles.

Es war vorauszusehen, dass der Fokus darauf liegt, dass es endlich eine Frau ist und man nicht so sehr auf ihre Qualifikationen sieht, die sie sicherlich für das Amt mitbringt. Organisationstalent gehört dazu. Theologisches Wissen gehört dazu. Beides hat Frau Dr. Gilles, denke ich von dem, was ich über sie gelesen habe. Es wäre schön, wenn man jetzt den Fokus ein bisschen wegrückt davon, dass es eine Frau ist. Das müsste eigentlich etwas völlig Normales sein. Das würde ich mir wünschen.

DOMRADIO.DE: Hat eine Generalsekretärin als "Chefin der Bischöfe" auch eine gewisse Machtposition?

Sr. Anna Mirijam: "Chefin der Bischöfe" ist ein Titel, der sich irgendwann mal so etabliert. Ich finde ihn sehr spaßig, weil ich mich überhaupt nicht als "Chef" fühle. Aber ich als Generalsekretärin bin jemand, der an der vordersten Front ist, was die Organisation und die Planung der Vollversammlung, die Planung der Tagesordnung angeht. Daher hat man natürlich auch einen gewissen Einfluss auf das, was da diskutiert wird. Ich möchte das nicht "Macht" nennen. Der Begriff behagt mir in diesem Zusammenhang überhaupt nicht.

Einfluss hat man als Generalsekretärin. Positiven Einfluss, wie ich hoffe. Ich hoffe auch, dass es ein Einfluss ist, der die Bischöfe in ihren Aufgaben unterstützt. So würde ich das auch eher als eine Dienstfunktion sehen. Nicht als die Dienstmagd, die für die Männer da ist, sondern als jemand, der auf Augenhöhe mit den Bischöfen gemeinsam über die anstehenden Probleme und Herausforderungen diskutieren kann.

DOMRADIO.DE: Haben Sie den Eindruck, dass es Einfluss auf Ihre Arbeit hat, dass Sie als Generalsekretärin eine Frau sind?

Sr. Anna Mirijam: Bei uns im Norden spielt das überhaupt keine Rolle, ob das ein Mann oder eine Frau ist. Ich glaube, da haben die Bischöfe überhaupt keine Probleme. Ich fühle mich weder besonders hofiert, besonders beachtet oder nicht beachtet. Ich habe wirklich den Eindruck, dass wir auf Augenhöhe miteinander kommunizieren und miteinander arbeiten können. Das ist überhaupt kein Thema bei uns.

DOMRADIO.DE: Sr. Hermenegild Makoro CPS war lange Jahre Generalsekretärin der Südafrikanischen Bischofskonferenz und ist eine Mitschwester von Ihnen. Wissen Sie, ob sie ähnliche Erfahrungen gemacht hat?

Sr. Anna Mirijam: Bei den Treffen, bei denen wir uns im Ordenszusammenhang ein wenig über unsere Arbeit ausgetauscht haben, habe ich von ihr gehört, dass da auch eine große Wertschätzung vonseiten der Bischöfe für ihre Person da ist. Nicht aufgrund ihres Frauseins oder Ordensfrau-Seins, sondern zunächst mal aufgrund ihrer Kompetenz.

Wenn ich heute auf die Bischofskonferenzen schaue, dann geht es wirklich darum, die Bischöfe mit diesen organisatorischen Dingen zu entlasten und ihnen so gut wie möglich den Weg zu bereiten, dass sie sich inhaltlich um die Dinge kümmern, die jetzt gerade anstehen. Das ist in Deutschland sicher noch eine Nummer größer als in den kleineren Ländern.

DOMRADIO.DE: Haben Sie einen Wunsch, den Sie Beate Gilles als neuer Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz mit auf den Weg geben möchten?

Sr. Anna Mirijam: Was ich ihr auf jeden Fall wünsche, ist, dass sie ähnliche Erfahrungen machen möge, wie ich sie im Norden habe. Vor allen Dingen würde ich ihr wünschen, dass die Diskussion sich nicht mehr so sehr auf ihr Frausein beschränkt, sondern auf ihre Arbeit. Diese ganze Diskussion um die "Quotenfrau": Ich hoffe, dass man da langsam von wegkommt, sobald sie an die Arbeit geht und sich der Fokus auch in der Öffentlichkeit und der öffentlichen Meinung auf das richtet, was sie tut und nicht so sehr auf das, was sie ist.

Das Interview führte Gerald Mayer. 

(DR)

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