Bonifatius als Ampelmännchen
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Ingo Brüggenjürgen
Ingo Brüggenjürgen
Georg Bätzing (l), Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, spricht zu Beginn der Herbstvollversammlung
Georg Bätzing (l), Bischof von Limburg und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, spricht zu Beginn der Herbstvollversammlung
Blick in den Sitzungssaal des Stadtschlosses zum Auftakt der Herbstvollversammlung
Blick in den Sitzungssaal des Stadtschlosses zum Auftakt der Herbstvollversammlung

24.09.2020

Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen über die Ergebnisse der Vollversammlung "Es hätte gerne ein bisschen mehr sein dürfen"

Die Tagesordnung der Vollversammlung der Bischöfe war gewichtig: Anerkennungszahlungen für Missbrauchsopfer, Synodaler Weg, Ökumene. Für DOMRADIO.DE-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen bleibt am Ende noch Luft nach oben. 

DOMRADIO.DE: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz war bei der Pressekonferenz hartnäckigen Fragen der Journalisten ausgesetzt. Dabei hatte er doch eigentlich eine gute Nachricht dabei, oder?

Ingo Brüggenjürgen (Chefredakteur von DOMRADIO.DE): Das ist ohne Frage eine gute Nachricht, zumindest für viele Betroffene, die nun wirklich seit Jahren oder Jahrzehnten auf diesen Schritt warten. Es geht darum, dass die katholische Kirche nach dem ganzen Missbrauchsskandal gesagt hat: Wir haben erkannt, dass es Fehler gegeben hat – Fehler nicht nur von Einzelnen, sondern es war ein systemischer Missbrauch. Das ist auch in der MHG-Studie vor zwei Jahren hier in Fulda präsentiert worden. Jetzt geht es darum, wie man das wiedergutmachen kann. Da sagen alle: Das ist natürlich überhaupt nicht wiedergutzumachen. Aber die Bischöfe wollen zumindest das, was möglich ist, tun.

Darum bemüht sich die Kirche, zumindest irgendeine Art von Wiedergutmachung zu tätigen. Das hat sie in der Vergangenheit schon getan, aber eben sehr unterschiedlich in den Diözesen, in den Orden etwa. Das hat man jetzt vereinheitlicht. Man hat hier beschlossen, dass es ein einheitliches Vorgehen gibt: Es wird in Bonn eine Stelle eingerichtet, wo die Betroffenen - auch die, die bereits eine Zahlung bekommen haben - melden können. Da wird dann unabhängig und großzügig geprüft - und dann eine Summe gezahlt, die sich an den staatlichen Summen orientiert.

Die Bischöfe nenne das eine "Anerkennung des zugefügten Leids". Da muss man nochmal präzisieren. "Anerkennung des Leids" heißt, dass die Bischöfe damit signalisieren: 'Ja, wir wissen, was da schiefgelaufen ist und wir bemühen uns darum, das wiedergutzumachen.' Was nicht erfolgt, sind Entschädigungszahlungen, da hat Bischof Bätzing auch deutlich gemacht: Da gibt es viel strengere Vorschriften für. Wir hätten das vielleicht großzügig händeln können, aber es müssten alle 27 Bistümer unter einen Hut und die Orden. Wir sind einen großen Schritt weiter. Vielleicht noch nicht am Endzustand, aber einen großen Schritt weiter auf die Betroffenen zu.

DOMRADIO.DE: Geht den Opfern diese Regelung denn weit genug?

Brüggenjürgen: Nein, das wurde bereits im Vorfeld deutlich. Die verschiedenen Opferverbände z.B. der Eckige Tisch haben sehr deutlich gesagt: Das ist uns zu wenig. Vor einem Jahr lagen doch Expertenvoten auf dem Tisch, die großzügigere Regelungen vorsahen - auch größere Zahlungen. Da konnten die Bischöfe aber nicht mitgehen. Ich denke, es war insgesamt zu schwierig, diese 27 Diözesen und die Orden da alle zu verpflichten. Ich glaube, es ist ein großer Schritt, der jetzt erfolgt ist, aber natürlich hätten sich die Betroffenen weitere Schritte gewünscht. Und sie fordern jetzt auch, dass diese weiteren Schritte gegangen werden.

DOMRADIO.DE: Ein weiteres ganz großes Thema ist ja der Synodale Weg. Was ist da verkündet worden?

Brüggenjürgen: Nachdem die Bischöfe den Synodalen Weg mit den Laien eingeschlagen haben, um aus der Missbrauchskrise herauszukommen, wollten sie hier eine gemeinsame Position ausloten. Es hat hier keine Abstimmung gegeben, weil die Differenzen in der Frage, was das Tempo dieses Weges angeht, doch sehr groß sind. Da gibt es viele Konfliktthemen: Die Frage der Macht, die Frage des priesterlichen Lebens, des Zölibats, auch die Frauenfrage spielt da eine Rolle. Wir wissen aus den Berichterstattungen des Synodalen Weges, dass es da ganz unterschiedliche Einschätzungen gibt.

Die Bischöfe - und das hat Bischof Bätzing als Erfolg verkauft - haben hier miteinander gesprochen. Sie haben aber nicht nur miteinander gesprochen, sondern sich intensiv über ihren Glauben verständigt und in ganz intensiven Kleingruppen darüber gesprochen, wie sie das jeweils sehen. Bischof Bätzing wertete das als Auftakt. Ich selbst würde sagen: Es hätte gerne noch ein bisschen mehr sein dürfen. Aber vielleicht geht das auch nicht angesichts der kolossalen Unterschiede, die die Bischöfe hier im Gepäck mit nach Fulda gebracht haben.

DOMRADIO.DE: Beim Thema Ökumene hätte es auch ein bisschen mehr sein dürfen, oder?

Brüggenjürgen: Ja, das hätte sich Bätzing auch selbst gewünscht, glaube ich – auch wenn er das als Vorsitzender gar nicht so laut sagen konnte. Er hat nochmal die Ausgangslage referiert: Es gab dieses Papier des ökumenischen Arbeitskreises. Da haben Theologen, Wissenschaftler und verantwortliche Kirchenleute der katholischen und der evangelischen Kirche zehn Jahre lang drangesessen. Sie haben sich dann darauf verständigt, dass es möglich sein muss, dass man sich gegenseitig zur jeweiligen Gemeinschaft an den Tisch bittet, zum Abendmahl oder zur Eucharistie. Zumindest die Einladung sollte möglich sein, wenn man das vor dem Gewissen verantworten kann.

Da gab es dann pünktlich zur Bischofskonferenz ein Papier der Glaubenskongregation aus Rom und die hat gesagt: So schnell geht das alles nicht. Deshalb hat die Bischofskonferenz keinen Beschluss gefasst, sondern hat das zurück an den eigenen ökumenischen Arbeitskreis, an die ökumenische Kommission, gebracht. Da werden wir uns noch ein bisschen gedulden müssen.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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