Die aus der jüngsten Missbrauchs-Untersuchung, der sogenannten MHG-Studie, erwachsenen Vorhaben bräuchten Zeit zur Bearbeitung, erklärten die Bischöfe am Dienstag bei ihrer turnusmäßigen Sitzung in Würzburg, dem Ständigen Rat: "Diese Zeit brauchen wir und wir hoffen dafür auf Verständnis; aus der Verantwortung werden wir uns nicht nehmen."

Zu diesen Vorhaben zählen die Bischöfe unter anderem ein "verbindliches überdiözesanes Monitoring für die Bereiche der Aufarbeitung, Intervention und Prävention", standardisierte Personalakten von Klerikern sowie "die Fortentwicklung des Verfahrens zur materiellen Anerkennung erlittenen Leids".

Entschädigungsfrage bleibt offen

Was die Entschädigungsfrage anbelangt, hatte im September eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Kirchenvertretern und Opfern zwei Modelle vorgeschlagen: eine Pauschale von 300.000 Euro pro Opfer oder ein abgestuftes Verfahren, bei dem je nach Schwere zwischen 40.000 und 400.000 Euro gezahlt werden.

Der Sprecher der Betroffenen-Initiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, hatte sich zuvor im ZDF-Morgenmagazin zuversichtlich gezeigt, dass es bei der Aufarbeitung und Entschädigung in Kürze zu Einigungen komme. "Wir sind jetzt an dem Punkt, an dem wir Fortschritte erleben werden", so Katsch.

Aus der Erklärung des Ständigen Rats geht kein konkreter Zeitplan hervor. Umstritten ist unterdessen, ob mögliche Entschädigungen auch aus Kirchensteuermitteln bezahlt werden können. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), das höchste repräsentative Gremium der katholischen Laien in Deutschland, will sich dazu bis Ende Februar positionieren.

Erhebliche Fortschritte

Die Bischöfe betonten, dass sie seit 2010 in der Aufarbeitung erheblich weitergekommen seien, "wenn auch noch vieles vor uns liegt". Als Fortschritte werteten sie die Leitlinien, die inzwischen eine rechtlich bindende Ordnung für die gesamte Kirche in Deutschland seien, sowie die bereits mehrfach überarbeitete Rahmenordnung Prävention.

Dazu komme eine konsequente Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden und mit dem Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung sowie ein intensiver Austausch mit dem Vatikan, die Entwicklung von universitären Lehrangeboten in Rom und die gesellschaftliche Debatte über das Thema, "an der wir uns als Kirche selbstverständlich beteiligen".

Abschließend halten die Bischöfe fest: "Wir stehen zu unseren vor zehn Jahren gemachten Aussagen. Wir arbeiten weiter an der Bekämpfung dieses Verbrechens. Wir werden uns auch künftig zuallererst an der Perspektive und den Bedürfnissen Betroffener orientieren. Unsere Zusammenarbeit mit kirchlichen und zivilen Stellen werden wir kontinuierlich fortsetzen."

KNA