Zölibat: Debatte dauert an
Zölibat: Debatte dauert an
Der Aachener Bischof Dieser
Gottesdienst mit Helmut Dieser, Weihbischof in Trier, am 13. April 2016 im Trierer Dom Sankt Petrus. Bild: Weihbischof Dieser bei der Predigt.
Oster kritisiert Begriffe wie "Asyltourismus" als unpassend
Der Passauer Bischof Oster

23.03.2019

Diskussion um Lebensform für Priester Pro und Contra Zölibat

Zölibat Ja oder Nein: In der Frage ist sich auch die Deutsche Bischofskonferenz uneinig. Während der Passauer Bischof Oster am Samstag betont hat, dass er verheiratete Priester für möglich hält, regt sich Protest aus Aachen von Bischof Dieser.

Der Passauer Bischof Stefan Oster schließt eine Veränderung der Zölibatsregeln für katholische Priester nicht aus. Es sei zwar die Lebensform Jesu und daher ein großer geistlicher Schatz, für den es sich zu kämpfen lohne, sagte Oster im Interview der "Passauer Neuen Presse" (Samstag). Er wolle auch die Priester, die mit der Lebensform kämpften, nicht demotivieren. Doch "wenn die allermeisten Priester sagen würden: Das ist in dieser Zeit und Gesellschaft nicht mehr lebbar, dann wird's schwierig".

Der Bischof betonte, es könne bei dieser Frage keinen Alleingang der katholischen Kirche in Deutschland geben. "Aber es könnte sich etwa abzeichnen, dass Rom in dieser Frage offener wird." Er wies auch auf die anstehende Amazonas-Synode im Oktober im Vatikan hin. Oster rechnet damit, dass dabei auch über "viri probati" diskutiert wird. Dabei handelt es sich um verheiratete "bewährte Männer", die schon lange eine Gemeinde leiten und dann auch zu Priestern geweiht werden könnten.

Vorbild Ostkirchen?

Der Zölibat sei kein Dogma, so der Bischof. "Anders als bei der Sexualmoral ist da mehr Spielraum drin, und der Papst hat schon ermutigt, hier nach neuen Wegen zu fragen." Mit Verweis auf die Ostkirchen, wo es zölibatär lebende Priester neben verheirateten gibt, sagte Oster, dass in der Fläche die verpflichtend ehelos lebenden Priester vermutlich verschwinden würden. Diese seien dann eher im Kloster anzutreffen.

"Der Bischof in der Ostkirche ist immer ein Zölibatärer, da haben sie es beibehalten, deshalb ist das auch immer ein Mönch."

Bischof Dieser will an "Zölibat als Lebensform" festhalten 

Aus Sicht des Aachener Bischofs Helmut Dieser sollte die verpflichtende Ehelosigkeit katholischer Priester dagegen bestehen bleiben. Der "Zölibat als Lebensform" solle "auf jeden Fall" erhalten werden, sagte Dieser im Interview der "Aachener Zeitung/Aachener Nachrichten" (Samstag). Der Zölibat sei "keine negative Auflage, kein Zwang". Er sei eine "biblische Lebensform in der Nachfolge Jesu, ein Charisma".

Sollte es "irgendwann" keine Priester mehr geben, die dies wählen wollten, "müssen wir nach geeigneten verheirateten Männern Ausschau halten", betonte der Bischof. "Außerdem gibt es ja verheiratete katholische Priester – in den Ostkirchen oder wenn ein protestantischer oder anglikanischer Geistlicher zum Katholizismus konvertieren." Dieser sagte, dass auch ein homosexueller Mann den Zölibat versprechen und leben könne.

"Sexualität ist eine positive Gabe"

Auf die Frage, ob er es für richtig halte, dass die katholische Kirche an der Ablehnung der künstlichen Empfängnisverhütung festhalte, sagte Dieser: "Das kann ich nicht mit Ja oder Nein beantworten. Sexualität ist eine positive Gabe, die zu dem gehört, was jeden von uns als Person ausmacht. Davon ausgehend, können wir in Einzelfragen zu neuen Auffassungen kommen."

Die Weitergabe des Lebens durch Mann und Frau sei etwas sehr Kostbares und Großes, sagte der Bischof. Dazu gehöre "verantwortete Elternschaft und damit Familienplanung und damit auch Empfängnisregelung".

Dieser sagte: "Wenn Eltern von drei Kindern ein viertes nicht verantworten können und zu einer künstlichen Methode greifen, müssen wir das differenzierter als bisher wahrnehmen. Das katholische Lehramt hat die Entwicklung der Moraltheologie – über das Naturrechtsdenken hinaus – in den letzten Jahren nicht ausreichend wahrgenommen." Das müssten die Bischöfe in dem jetzt beschlossenen synodalen Prozess tun. "Ich hoffe sehr, dass wir da weiterkommen."

Homosexualität neu betrachten?

Mit Blick auf Homosexualität sagte Dieser: "Auch hier entwickelt sich die Position im Katechismus aus dem Naturrecht und der Vorstellung von zwei sich ergänzenden Geschlechtern, die das Leben weitergeben. Diesen doppelten Sinn stelle ich nicht infrage." Laut der bisherigen Position der katholischen Kirche sei diese Vorgabe für jemanden, der seine Homosexualität lebe, "so bindend, dass er in schwere Sünde" falle.

"Diese Position hinterfrage ich. Ich wäre sehr froh, wenn das Lehramt das aufnehmen würde, was moraltheologisch schon vorgedacht ist, und wir zu einer anderen Auffassung kommen, die die Personalität eines homosexuellen Mannes oder einer homosexuellen Frau berücksichtigt. So würde ich das auch jetzt schon handhaben", sagte Dieser. Es gehe um eine Unterscheidung im Einzelfall.

Landeskirche: Segnung homosexueller Paare bleibt Gewissensfrage

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg will Gottesdienste zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paaren weder vorschreiben noch generell verbieten. Mit 65 von 90 Stimmen verabschiedete die württembergische Landessynode am Samstag in Stuttgart ein entsprechendes Gesetz mit der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit.

Damit können bis zu einem Viertel der württembergischen evangelischen Kirchengemeinden "gleichgeschlechtlichen Paaren oder Paaren, von denen zumindest eine Person weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht angehört"», einen Segnungsgottesdienst nach einer zivilen Eheschließung anbieten. Zugleich hält die Präambel fest, dass es zum Ja oder Nein in dieser Frage "keinen Ausgleich auf einem Mittelweg, sondern nur die Möglichkeit, getrennte Wege zu eröffnen" gebe.

Unterschied zwischen staatlichem und kirchlichem Recht

Landesbischof Frank Otfried July nannte die Diskussion um das Gesetz und das Gesetz selbst "ein Zeichen in einer polarisierten Gemeinschaft". Es könne "im Nebeneinander gelebt werden ohne das Miteinander infrage zu stellen". Das Gesetz beinhalte einen Unterschied zwischen staatlichem und kirchlichem Recht, nämlich statt der Trauung die Segnung und statt der landeskirchenweiten Gottesdienst-Agende eine örtliche Gottesdienstordnung.

Bislang war für homosexuelle Paare in der württembergischen Landeskirche eine Segnung im privaten Rahmen, aber kein öffentlicher Gottesdienst möglich. Von den 20 Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) nimmt nun lediglich noch die Landeskirche Schaumburg-Lippe keine Segnungen vor. Die Evangelische Landeskirche in Baden etwa hat 2016 mit der "Trauung für alle" homosexuelle Paare und heterosexuelle vollständig gleichgestellt.

(KNA, epd)

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