Diskussion um verheiratete Priester
Theologe Hoff: Macht in der Kirche basiere auch darauf, dass den Priestern viel Vertrauen entgegengebracht werde
Gregor Maria Hoff
Gregor Maria Hoff

14.03.2019

Theologen über "sakralisierte Macht" in der katholischen Kirche "Kirche hat jeglichen Kredit verloren"

Der Theologe Gregor Maria Hoff sieht die katholische Kirche angesichts ihrer Missbrauchsfälle in einer "Sakralisierungsfalle". Für Theologin Julia Knop hat die Kirche jeglichen Kredit verloren. Beide äußerten sich bei der DBK-Vollversammlung.

Der Kirche als religiöser Institution und ihren Priestern als Repräsentanten Jesu Christi komme Sakral- und Glaubensmacht zu, so der Salzburger Theologe Gregor Maria Hoff bei einem Studientag der deutschen katholischen Bischöfe während ihres Frühjahrstreffens in Lingen. Die Macht basiere auch darauf, dass der Kirche und den Priestern Vertrauen entgegengebracht werde. Entsprechend wirke es "tödlich" und "desaströs", wenn das Vertrauen und die damit verbundene Macht enttäuscht würden, etwa durch Missbrauchstäter.

Kirchliche Gewaltenteilung und Machtkontrolle

Hoff sprach laut Redemanuskript von einem Systemproblem. Dieses lasse sich nur durch kirchliche Gewaltenteilung und Machtkontrolle von innen und außen lösen. Dies seien Mittel gegen die "Verselbstständigung einer unheiligen Macht, die an ihre Heiligkeit noch glauben kann, wenn sie diese missbraucht", sagte der Theologe. "Warum sonst fehlen Schuldeingeständnisse ausgerechnet ihrer höchsten Würdenträger wie zum Beispiel von Kardinal Groer, der sich bis zu seinem Lebensende seiner Schuld weder öffentlich noch gegenüber seinen Opfern stellte?"

Durch kirchliche Gewaltenteilung ließe sich "sakralisierte Macht verflüssigen", so Hoff. Durch das Teilen der Macht nehme diese nicht ab, sondern gewinne Autorität. "Die Frage an Sie als Deutsche Bischofskonferenz ist dabei, ob Sie Macht nur delegieren wollen oder eine eigenständige Machtpartizipation im Volk Gottes wollen und dann auch nachvollziehbar ermöglichen", sagte der Theologe. Er plädierte für transparente Verfahren und Entscheidungsprozesse. "Das wäre die Form einer souveränen Macht, die um ihre Gefahren weiß und diese so ausweist, dass sie institutionell bearbeitet werden können."

Theologin Knop: Kirche hat jeglichen Kredit verloren

Die Erfurter Theologin Julia Knop begrüßt, dass die deutschen katholischen Bischöfe angesichts des Missbrauchsskandals über Zölibat, priesterliche Lebensform und Macht in der Kirche neu debattieren. Die 2018 veröffentlichte Missbrauchsstudie im Auftrag der katholischen Bischöfe habe "grauenhafte und widerwärtige Untaten von Klerikern in einem Ausmaß ans Licht gebracht, dass die katholische Kirche in Deutschland jeglichen Kredit verloren hat", sagte die Dogmatikerin am Mittwoch in Lingen. Dabei gehe es um "Gewalt und ihre Vertuschung im Raum und im Namen der Kirche."

"Sexueller Missbrauch liegt nicht in der DNA der Kirche" und habe vermutlich auch nicht ursächlich mit dem Zölibat zu tun, sagte Knop laut Redemanuskript vor der Vollversammlung der katholischen deutschen Bischöfe. Sexueller Missbrauch habe auch nichts damit zu tun, dass homosexuelle Männer im katholischen Klerus weit überdurchschnittlich vertreten seien. Mit der DNA der Kirche zu tun habe aber eine religiöse Aufladung von Macht, eine Sakralisierung des Weiheamtes, eine Stilisierung von Gehorsam und Hingabe, eine Dämonisierung von Sexualität und "die Tabuisierung von Homosexualität".

Bischöfe "nicht Beobachter, sondern Beteiligte"

Die Bischöfe seien bei den Themen Zölibat, priesterliche Lebensform und Macht "nicht Beobachter, sondern Beteiligte", führte die Theologin aus. Als zölibatspflichtige Kleriker seien sie mit einer enormen Machtfülle ausgestattet, die die kirchliche Glaubens- und Sittenlehre vertreten. "Sie repräsentieren eine Kirche, deren systemische Defekte offenkundig geworden sind", so Knop. Die Theologin moderierte bei dem Frühjahrstreffen unter dem Titel "Die Frage nach der Zäsur" einen "Studientag zu übergreifenden Fragen, die sich gegenwärtig stellen".

(KNA)

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