Frauenquote künftig bei katholischer Kirche in Deutschland
Frauenquote künftig bei katholischer Kirche in Deutschland

12.03.2019

Katholische Kirche verordnet sich Frauenquote Zielvorgabe von einem Drittel

Führungsposten sind in der katholischen Kirche wie in der Gesellschaft meist immer noch Männersache. Das soll sich ändern. Jedenfalls hat sich die katholische Kirche in Deutschland nun eine Frauenquote verordnet.

Frauen an die Macht: Auch wenn bei den Katholiken Priester- oder Bischofsweihe Männern vorbehalten ist, arbeitet die Kirche in Deutschland daran, den Anteil ihrer weiblichen Führungskräfte zu erhöhen. Bereits vor sechs Jahren hatten sich die Bischöfe dieses Ziel gesetzt.

Zielvorgabe von einem Drittel

Seitdem ist einiges geschehen, "aber längst nicht zufriedenstellend", wie der Vorsitzende der Unterkommission Frauen der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Franz-Josef Bode, am Dienstag in Lingen sagte. Er stellte beim Frühjahrstreffen der Bischöfe eine Zwischenbilanz vor. Danach stieg der Frauenanteil auf den Chefetagen der Bistumsverwaltungen seit 2013 von 13 auf rund 19 Prozent und auf der mittleren Ebene von 19 auf 23 Prozent.

"Nicht nichts", so Bode, aber bei weitem nicht genug. So haben sich die Bischöfe ein konkretes Quotenziel verordnet: Bis 2023 soll mindestens ein Drittel der Leitungspositionen in den Bistumsverwaltungen mit Frauen besetzt sein. Denn erst mit dieser Marke beginne eine nachhaltige Veränderung in der Leitungskultur, sagte Bode vor Journalisten. Begleitet wurden seine Ausführungen von den Gebeten und Gesängen mehrerer Dutzend Frauen und Männer, die sich vor dem Gebäude mit Reformforderungen lautstark bemerkbar machten.

Die Studie zeichnet ein differenziertes Bild. Nur noch sechs Bistumsverwaltungen haben gar keine Frau auf oberer Leitungsebene, das sind drei weniger als 2013. Elf Diözesen beschäftigen inzwischen je eine leitende Frau, fünf je zwei und weitere fünf Bistümer drei bis fünf Frauen in einer solchen Funktion. Welche Diözesen genau Vorreiter sind und welche Schlusslichter, wollte die Leiterin des Studienprojekts, Andrea Qualbrink, nicht sagen.

Die Gründe, warum Frauen so schwer auf kirchliche Leitungsposten kommen, sind vielfältig. Bode wies auf den allgemeinen Vertrauensverlust durch den Missbrauchsskandal hin. Wer wolle sich da noch "mit Haut und Haaren" auf eine solche Institution einlassen, fragte der Bischof. Weitere Ursachen nannte Qualbrink: So gebe es in den Bistumsverwaltungen "stereotype Rollenbilder" und eine Personalauswahl "durch bewusste und vor allem durch unbewusste Suchschemata". Aufgrund interner Vereinbarungen würden Leitungsfunktionen auch mit Klerikern besetzt.

Ein besonderes Problem stellt laut Qualbrink die Erwartung dar, dass Leitungsstellen in Vollzeit ausgeübt werden müssen. Dies erschwere die Vereinbarkeit mit "Sorge-Aufgaben", etwa für Kinder. Die Erhebung 2018 offenbare, dass wie schon 2013 fast alle leitenden Mitarbeiter zu 100 Prozent beschäftigt sind. Notwendig seien neue Modelle mit Leitung in Teilzeit, sogenanntes Top-Sharing.

Mentoring-Programm des Hildesgardis-Vereins

Die Bistümer berichten, dass sich nur wenige Frauen für Leitungspositionen bewerben. Neben der fehlenden Attraktivität der Kirche als Arbeitgeberin schlage sich hier nieder, dass weniger Frauen als Männer in bestimmten Bereichen die nötige Qualifizierung mitbrächten und nur ein kleiner Anteil von Frauen auf der mittleren Führungsebene tätig sei. Als "personales Hemmnis" wird ein Fehlen an Sichtbarkeit, Selbstvertrauen und Selbstmarketingkonzepten der Frauen beschrieben. Fazit der Projektleiterin: "Es ist noch Luft nach oben."

Um das Blatt zu wenden, setzt die Bischofskonferenz auf ein Förderprogramm. "Kirche im Mentoring: Frauen steigen auf" lautet der Titel des weltweit einmaligen Projekts des Hildegardis-Vereins in Bonn. Dabei werden seit 2016 führungsinteressierte Frauen von einer Mentorin oder einem Mentor begleitet.

Zudem bilden sie sich bei zentralen Veranstaltungen fort. Bis Ende des zweiten Durchgangs im Sommer 2020 werden 100 weibliche Nachwuchskräfte aus 23 Diözesen und katholischen Hilfswerken teilgenommen haben, wie Vereins-Geschäftsführerin Birgit Mock erläuterte. Ein dritter Durchgang sei geplant. Mock ist überzeugt, dass das Programm nicht nur die teilnehmenden Frauen fördere, es "verändert das Gesicht der Kirche".

Erwartungen, die Weiheämter in der katholischen Kirche auch für Frauen zu öffnen, dämpfte Bode. Eine solch tiefgreifende Veränderung könne nur eine Weltbischofssynode oder gar ein weltweites Konzil herbeiführen.

Andreas Otto
(KNA)

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