Nationale Bischofskonferenzen in der Verantwortung?
Deutsche Bischöfe

02.01.2019

Bischöfe starten mit Selbstkritik in das neue Jahr Jahreswechsel mit leisen Tönen und bleibendem Thema

Die Missbrauchsstudie wirkt nach: Zahlreiche katholische Bischöfe haben das Thema in ihren Predigten rund um den Jahreswechsel aufgegriffen. Neben Worten der Reue gab es aber auch ganz konkrete Ankündigungen.

Nichts ändert sich, nur weil Neujahr ist. In den Ansprachen der deutschen Bischöfe stehen die Zeichen allerdings deutlich auf Wandel: Das Ausmaß des sexuellen Missbrauchs habe auch bei Priestern und Bischöfen zu Ratlosigkeit, Zweifeln und Ohnmachtsgefühlen geführt, bekannten mehrere Oberhirten. Nötig seien eine kritische Begleitung, mehr Beteiligung von Laien und Strukturen, die Missbrauch und Machtmissbrauch verhinderten.

Overbeck sieht "Zeitenwende" der Kirche

Von einer "Zeitenwende" sprach Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck am Neujahrsabend. Themen wie Priesterbild und Weiheamt, Hierarchie, Zölibat, Frauenamt und Sexualmoral dürften nicht länger zum Tabu erklärt werden. Es gebe "keine Fragen mehr, die nicht gestellt werden dürfen", betonte Overbeck.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, pochte auf eine Erneuerung der Kirche. Diese Notwendigkeit sei "gerade in den letzten Jahren und Monaten deutlich geworden angesichts des Versagens und der Unfähigkeit, auf Herausforderungen und Missstände angemessen zu reagieren".

Seit die Bischöfe im September eine Studie über sexuellen Missbrauch durch Geistliche vorgestellt hatten, ist Bewegung in viele Bistümer gekommen. Dass das Thema mit diesen Schritten nicht "durch" ist, betonte etwa Bambergs Erzbischof Ludwig Schick: "Unsere Worte werden nur wirken, wenn sie durch unsere Taten gedeckt sind." Und der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf erklärte, sein eigener Glaube sei durch die Erkenntnisse der Studie erschüttert worden.

Es war ein Jahreswechsel der leisen Töne: An "Stunden der Niedergeschlagenheit und der Verletzungen" erinnerte Freiburgs Erzbischof Stephan Burger. Der Fuldaer Weihbischof Karlheinz Diez nannte 2018 ein "Jahr mit vielen Dunkelheiten". Von "schweren Schatten" auf der Kirche sprach Münsters Bischof Felix Genn. Er habe sogar Verständnis für Menschen, die 2018 aus der Kirche ausgetreten seien.

Mehrere Bischöfe erwähnten Konflikte in aller Welt, warben für den Einsatz für Frieden oder zeigten sich nachdenklich im Hinblick auf Großthemen wie die anstehende Europawahl. Die größte Herausforderung 2019 für die Kirche sei jedoch die Wiedergewinnung von Glaubwürdigkeit, sagte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer.

Dazu brauche es "stärkeren Glauben, Gehorsam gegenüber Gottes Wort und, allem voran, gelebte Heiligkeit". Voderholzer fügte hinzu, nicht die kirchliche Sexualmoral habe zu Verbrechen geführt, sondern deren Missachtung.

Wilmer erntet Widerspruch

Er könne auch nicht verstehen, "wie man in diesem Zusammenhang behaupten kann, der Missbrauch von Macht sei Bestandteil des Erbguts der Kirche", so Voderholzer weiter: "Tatsache ist, dass Auflehnung gegen Gott, Versuchbarkeit und Neigung zur Selbstverkrümmung zum Erbgut des Menschen in Adam und Eva gehören." Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer hatte kürzlich gesagt, Machtmissbrauch stecke "in der DNA der Kirche".

Widerspruch erntete Wilmer auch vom Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki: Mit dieser sehr drastischen Formulierung sei Wilmer zu weit gegangen, sagte Woelki vor wenigen Tagen im Deutschlandfunk. Es gebe zwar "eine schwere Schuld, die wir auf uns geladen haben", doch wenn der Missbrauch von Macht in der DNA der Kirche stecke, "dann müsste ich aus der Kirche austreten".

Die Diskussionen werden weitergehen - und das schon bald. So mahnte etwa Aachens Bischof Helmut Dieser rasche Aufklärung und mehr Prävention an. Entsprechende Beschlüsse der Bischofskonferenz sollten in einer Versammlung aller diözesanen Räte am 2. Februar beraten und auf das Bistum angewendet werden. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode kündigte an, seine Bistumsleitung werde sich in den ersten Tagen des neuen Jahres mit der Präventionsarbeit befassen.

Die Hoffnung auf positive Nebeneffekte der Aufarbeitung äußerte der Trierer Bischof Stephan Ackermann, der auch Missbrauchsbeauftragter der Bischofskonferenz ist. Es sei "gut und richtig, wenn auch die dunklen Seiten der Kirche ans Licht kommen, und überkommene Kirchenbilder, die nicht mehr der Realität entsprechen - ihr vielleicht nie entsprachen - zerbrechen".

Paula Konersmann
(KNA)

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