Deutsche Bischöfe treffen sich zur Herbstvollversammlung
Deutsche Bischöfe

12.09.2018

3.677 Opfer von Missbrauch durch Geistliche in Deutschland Zahlen einer Langzeit-Studie

In gut zwei Wochen wollen die deutschen katholischen Bischöfe auf ihrer Vollversammlung die umfangreichen Ergebnisse einer neuen Missbrauchsstudie vorstellen. Doch schon jetzt wurden erste Zahlen und Fakten der Untersuchung bekannt.

Laut einem Vorabbericht des "Spiegel" dokumentiert eine neue Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz insgesamt 3.677 sexuelle Übergriffe von mindestens 1.670 Priestern und Ordensleuten in den Jahren von 1946 bis 2014. Die Bischöfe wollen die umfangreiche Untersuchung am 25. September bei ihrer Herbstvollversammlung in Fulda vorstellen.

Der "Spiegel" beruft sich auf eine dem Magazin vorliegende Zusammenfassung der Ergebnisse. Laut offizieller Kriminalstatistik werden in Deutschland jedes Jahr rund 12.500 Fälle von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen bekannt.

Langzeit-Studie der kirchlichen Fälle

Für die Langzeit-Studie der kirchlichen Fälle sind laut "Spiegel" mehr als 38.000 Personal- und Handakten aus allen 27 deutschen Bistümern ausgewertet worden. Die Opfer seien überwiegend männliche Minderjährige gewesen, mehr als die Hälfte von ihnen seien zum Tatzeitpunkt jünger als 14 Jahre gewesen. In etwa jedem sechsten Fall sei es zu einer Form von Vergewaltigung gekommen. Drei Viertel aller Betroffenen hätten mit den Beschuldigten in einer kirchlichen oder seelsorgerischen Beziehung gestanden.

Die vorliegenden Zahlen, so das Magazin weiter, würden von den Autoren als konservative Annahme bezeichnet. Es gebe keine klaren Erkenntnisse über die Dunkelziffer. Wie der "Spiegel" weiter berichtet, wäre etwa die Hälfte aller Fälle ohne Antrag auf Entschädigung durch die Betroffenen nicht entdeckt worden, da die Personalakten der Beschuldigten keine Hinweise enthalten hätten. In vielen Fällen seien auch Akten vernichtet oder manipuliert worden.

Immer wieder seien beschuldigte Kleriker an einen anderen Ort versetzt worden, ohne dass die neue Gemeinde "mit der entsprechenden Information" über den Missbrauchstäter versorgt worden wäre. Nur ein Drittel der Täter habe sich einem kirchenrechtlichen Verfahren stellen müssen.

Frage nach den Gründen

Bei der Frage nach den Gründen für den Missbrauch zeigen sich die Autoren laut "Spiegel" zurückhaltend. Allerdings heiße es unter anderem: "Die grundsätzliche Ablehnung der katholischen Kirche zur Weihung homosexueller Männer ist dringend zu überdenken." Außerdem müsse die Frage erlaubt sein, ob die Verpflichtung zum Zölibat "ein möglicher Risikofaktor" sei.

Laut "Spiegel" gehen die Wissenschaftler nicht davon aus, "dass es sich beim sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Kleriker der katholischen Kirche um eine in der Vergangenheit abgeschlossene und mittlerweile überwundene Thematik handelt".

Erstellt wurde die Studie von einem Forschungskonsortium unter Leitung des Mannheimer Psychiaters Harald Dreßing. Außerdem sind das Kriminologische Institut der Universität Heidelberg, das dortige Institut für Gerontologie sowie der Lehrstuhl für Kriminologie der Universität Gießen beteiligt.

Bischöfe sprechen über Aufarbeitung von Missbrauchsfällen

Auf ihrer bevorstehenden Herbstvollversammlung wollen die deutschen Bischöfe über die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen sprechen. Im Mittelpunkt der Beratungen in Fulda stünden die Ergebnisse einer umfangreichen Studie zu dem Thema, teilte die Deutsche Bischofskonferenz Anfang September in Bonn mit.

Die Studie, an der sich alle Bistümer beteiligten, trägt den Titel "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz".

Die derzeit 66 Orts- und Weihbischöfe der 27 deutschen Diözesen kommen vom 24. bis zum 27. September in Fulda zusammen. Neben der Missbrauchs-Studie stehen unter anderem Fragen der Flüchtlingsarbeit, die aktuelle Organspende-Debatte sowie die kommende Weltbischofssynode zu Jugend und Kirche auf der Tagesordnung. (KNA)

(KNA, DR)

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