Erzbischof Heße in libanesischem Flüchtlingscamp
Erzbischof Heße in einem Flüchtlingscamp
Hamburger Erzbischof Stefan Heße
Hamburger Erzbischof Stefan Heße

05.09.2017

DBK-Flüchtlingsbeauftragter reist nach Sizilien "Menschenwürdigere Lösungen finden"

Sonne, Strand und Palmen - Urlaubssaison in Europa. Für Menschen auf der Flucht ist das Mittelmeer dagegen bedrohlich. Der Flüchtlingsbeauftragte Erzbischof Stefan Heße macht sich nun auf Sizilien ein Bild und warnt vor einer Politik der Abschottung.

Arbeiten Seenotretter wirklich "Hand in Hand" mit Schlepperbanden? Was erleiden Flüchtlinge auf überfüllten Booten? Wie kümmert sich die Caritas um Gerettete? Erzbischof Stefan Heße will sich selbst ein Bild machen. Deshalb reist der katholische Flüchtlingsbeauftragte bis Freitag nach Sizilien und drängt auf menschenwürdige Lösungen an den EU-Außengrenzen. Der katholische Flüchtlingsbeauftragte, Erzbischof Stefan Heße, informiert sich bis Freitag auf Sizilien über die Lage von Migranten. Die Reise solle ein Zeichen der Solidarität mit den Flüchtlingen sein und die Leistungen von Helfern würdigen, wie die Deutsche Bischofskonferenz am Dienstag in Bonn mitteilte. 

Treffen mit Kardinal Montenegro

Doch der Erzbischof von Hamburg lässt sich ebenso von der EU-Grenzagentur Frontex informieren und trifft seinen unkonventionellen Amtsbruder Francesco Montenegro; der Kardinal ist auch für die "Flüchtlingsinsel" Lampedusa zuständig und redet der EU unermüdlich ins Gewissen. Auch Heße kann Klartext. In einem KNA-Interview im Vorfeld der Reise nannte er die Zahl der 2.400 in diesem Jahr Ertrunkenen skandalös. Und Vorwürfe, wonach Seenotretter Helfershelfer von Schleuserbanden sind, kontert er so: "Ich weiß nicht, ob es im einen oder anderen Fall eine problematische Kooperation gegeben hat. Aber ich weiß, dass wir die Flüchtlinge nicht ertrinken lassen dürfen."

MOAS stoppt Einsätze

Vor knapp zwei Jahren hatte die Deutsche Bischofskonferenz die Position eines Sonderbeauftragten für Flüchtlingsfragen neu geschaffen, mitten im "Flüchtlingsherbst 2015" und seiner Willkommenskultur. Seitdem ist das Klima gegenüber Migranten rauer geworden, nicht nur hierzulande. Ungarische Grenzzäune und das umstrittene Türkei-Abkommen haben die Balkanroute praktisch dichtgemacht. Nun gerät der Zugang über das Mittelmeer verstärkt ins Visier. Italien, das sich von der EU im Stich gelassen fühlt, hat kürzlich die Auflagen für private Seenotretter verschärft. Vier große Organisationen stoppten daraufhin ihre Einsätze, zuletzt MOAS Anfang der Woche. Und schließlich die Beschlüsse des Flüchtlingsgipfels von Paris: Demnach sollen schon Zentren in Afrika prüfen, ob ein Migrant Asyl in der EU erhalten kann.

Drängen auf faire Lösungen

Angesichts dieses Kurses warnen Papst und Bischöfe vor Abschottung. Sie pochen auf mehr Möglichkeiten einer geregelten Zuwanderung nach Europa. Franziskus würdigte Asylbewerber sogar als "echte Ressource". Unvergessen ist seine erste Reise nach Lampedusa - jene Insel zwischen Afrika und Sizilien, die zum Symbol für Tod und Leid von Bootsflüchtlingen wurde. Unmittelbar vor der Abreise drängte Erzbischof Heße nun auf faire Lösungen: "fair zwischen den Ländern der EU und fair gegenüber den Flüchtlingen". Derzeit kommen deutlich weniger Menschen über das Meer nach Italien. Im August erreichten nach Angaben der Regierung in Rom 3.194 Migranten die italienische Küste, rund 85 Prozent weniger als im selben Monat des Vorjahres. Ob der Trend von Dauer ist, steht noch nicht fest, so die Internationale Organisation für Migration (IOM). Und was hieße das eigentlich für die Menschen in Afrika? Darauf lenkte dieser Tage auch der Kardinal Rainer Maria Woelki den Blick. Er hat Migration zu einem seiner Kernthemen gemacht und beschrieb bei domradio.de die Entwicklung als zynisch. Notleidende seien in Europa unerwünscht, würden "zurück in die Horrorlager nach Libyen" geschafft: "Aber wir haben so eine saubere Weste und weniger Flüchtlinge."

Gefahr der Abschottung 

Angesichts der vielen Menschen, die zwischen Flensburg und Rosenheim bereits Zuflucht suchen, haben die Kirchen ihre Hilfe massiv verstärkt. Allein in der katholischen Kirche sind über 100.000 ehrenamtliche Helfer aktiv. Heße wird sich auf Sizilien auch in Einrichtungen der Caritas informieren. Er spricht mit unbegleiteten Kindern, besucht Zentren für Einheimische und Neuankömmlinge und diskutiert mit Bürgermeistern - das Thema hat viele Aspekte. Auch Wahlkampf ist einer davon, wie das TV-Duell am Sonntag gezeigt hat. Bereits zuvor hatte Heße betont: "Die derzeitige Gefahr besteht darin, dass aus einer Politik des notwendigen Ordnens und Kontrollierens eine Politik der Abschottung wird." Am Mittelmeer wird der Flüchtlingsbeauftragte mit eigenen Augen beobachten, ob Europa die Schotten dichter macht.

Thomas Winkel
(KNA)

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