Kreuz in der Hand eines Gläubigen
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Pater Hans Langendörfer
Pater Hans Langendörfer

21.07.2017

Katholische Kirche legt Kirchenstatistik 2016 vor Erneut weniger Austritte

Die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche in Deutschland ist weiter rückläufig, bleibt aber auf hohem Niveau. Das geht aus der aktuellen Kirchenstatistik der 27 deutschen (Erz-)Bistümer hervor, die an diesem Freitag veröffentlicht wurde.

2016 kehrten 162.093 Katholiken ihrer Kirche den Rücken, das waren 19.832 Menschen und damit rund 11 Prozent weniger als im Jahr davor (181.925), wie die Deutsche Bischofskonferenz am Freitag mitteilte. Der bisherige Negativrekord im Jahr 2014 lag bei 217.716 Austritten.

Bundesweit hatte die katholische Kirche 2016 rund 23,6 Millionen Mitglieder, was 28,5 Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland entspricht. 2015 lag der Anteil bei 29 Prozent. Die Zahl der Protestanten ging von 2015 auf 2016 um knapp 350.000 zurück und lag bei rund 21,9 Millionen. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung sank damit von 27,2, auf 26,5 Prozent.

Damit gehören 55 Prozent der Deutschen einer der beiden großen Kirchen an. Inklusive der orthodoxen Kirche und anderer kleinerer Kirchen und Gemeinschaften liegt der Anteil der Christen an der Bevölkerung bei 58,3 Prozent.

"Wir freuen uns, dass fast ein Drittel der Bevölkerung unseres Landes zur katholischen Kirche gehört", erklärte der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer. Er sagte mit Blick auf die Austrittszahlen, dass die Abkehr von der Kirche "eine Form der Distanzierung" sei. Sie zeige, "dass die Weitergabe des kirchlichen Glaubens nicht vollständig gelungen ist". Es sei nötig, die Beweggründe zu verstehen und das Handeln der Kirche "danach kritisch zu überprüfen, um es da - wo notwendig - auch neu auszurichten".

Rückgang bei den Eintritten

Leicht gesunken ist die Zahl der Eintritte in die katholische Kirche: 2016 gingen 2.574 Menschen diesen Schritt, im Jahr davor 2.685. Mit 6.461 (2015: 6.474) blieb die Zahl der Wiederaufnahmen weitgehend stabil. Leicht zurückgegangen ist auch der Gottesdienstbesuch - von 10,4 Prozent in 2015 auf 10,2 Prozent: 2,4 Millionen Katholiken besuchen im Schnitt am Wochenende einen Gottesdienst.

Die Zahl der Taufen ist dagegen leicht gestiegen - um rund 2,5 Prozent von 167.226 auf 171.531. Bei anderen Sakramenten verzeichnet die Bischofskonferenz einen leichten Rückgang. So gab es etwa 43.610 kirchliche Trauungen und damit 1,5 Prozent weniger als 2015 (44.298).

"Mit Blick auf die Zahlen spüren wir, dass - auch bedingt durch demografische Entwicklungen - die Zahlen der gespendeten Sakramente leicht rückläufig sind, bei der Taufe jedoch im zweiten Jahr in Folge ein Plus zu verzeichnen ist", betonte Langendörfer. Dies zeige den Wunsch, in der Kirche verankert zu sein.

Strukturveränderungen

Wegen Strukturveränderungen in den 27 (Erz)Bistümern gab es 2016 weniger Pfarreien. Die Zahl sank von 10.817 im Jahr 2015 um rund 5 Prozent auf 10.280. In den Pfarreien arbeiteten 13.856 Priester - das waren 231 weniger als 2015 (14.087). Ihnen zur Seite standen 3.296 Diakone (2015: 3304). Hinzu kamen 3.200 Pastoralreferenten sowie 4.537 Gemeindereferenten.

Langendörfer würdigte den Einsatz von Frauen und Männern in der Kirche. Er nannte als Beispiel die Flüchtlingshilfe. Im vergangenen Jahr hätten dafür 127,7 Millionen Euro an Sondermitteln zur Verfügung gestanden. "Auch das ist eine Wirklichkeit von Kirche."

Mit Blick auf die jetzt vorgelegte Statistik resümierte er: "Wir werden weniger, aber wir verlieren nicht unsere Aufgabe und unsere Anliegen." Die Kirche werde gebraucht. "Ich wünsche mir, dass wir mit den heute vorgelegten Zahlen und Wirklichkeiten entschlossen umgehen, um an einer Kirche zu bauen, die menschendienlich ist und ihren Grundauftrag nicht vergisst. Daran werden wir uns messen lassen."

(KNA)

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