Deutsche Bischöfe
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Bayerische Laien nicht unbedingt mit dem Weg von Kardinal Marx einverstanden
Kardinal Marx

11.03.2017

Bischöfe beraten über Priester, Zölibat und andere heiße Eisen "Mit der Lebensform nicht so spielerisch umgehen"

Eine breite Themenpalette hatten die katholischen Bischöfe Deutschlands bei ihrem Frühjahrstreffen in dieser Woche in Bergisch Gladbach zu beackern. Am Ende überraschten sie mit einem ökumenischen Vorstoß. Eine Zusammenfassung.

Ein Zufall? Zentrale Themen bei der Frühjahrsvollversammlung in Bergisch Gladbach sind der Priestermangel und die angespannte Lebenssituation vieler Geistlicher. Während der Tage sorgt dann ein Interview von Papst Franziskus mit der "Zeit" für Aufsehen. "Wir müssen darüber nachdenken, ob viri probati eine Möglichkeit sind", bringt der Papst eine mögliche Weihe erprobter verheirateter Männer ins Spiel. Damit hat das Hauptthema der Bischöfe eine ganz neue Dynamik bekommen.

Trotz der vorsichtigen Öffnung, die der Papst andeutet, dämpft der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, die Erwartungen. Dem Papst gehe es nicht um eine generelle Aufweichung der Ehelosigkeit. Sein Vorstoß beziehe sich nur auf Gebiete mit extremem Priestermangel. Das korrespondiert mit der Aussage von Franziskus, dass er im freiwilligen Zölibat keine Lösung sehe und dass noch zu bestimmen sei, welche Aufgaben "viri probati" übernehmen könnten, "zum Beispiel in weit entlegenen Gemeinden".

Keine Denkverbote beim Thema Zölibat

Marx betont, dass es keine Denkverbote beim Thema Zölibat gebe. Zugleich fordert er aber Respekt vor einer 2.000-jährigen Kirchentradition: "Man kann mit der Lebensform nicht so spielerisch umgehen." Jede Änderung bedeute "einen gravierenden Einschnitt in die Geschichte der Kirche". Nicht zufällig seien Ehelosigkeit und Priestertum verbunden - und "Plausibilitäten" dafür inner- und außerkirchlich neu zu vermitteln. Die Priester und Seminaristen heute dürften nicht den falschen Eindruck bekommen, dass die Kirche den Zölibat nicht mehr ernst nehme: "Das wäre ein völlig verheerendes Signal für die Spiritualität der Kirche."

In Bergisch Gladbach flackert ein weiteres Reizthema auf. Es entzündet sich an der von Franziskus für Oktober 2018 einberufenen Weltbischofssynode zum Thema Jugend, die die Bischöfe in den Blick nehmen. Der Präses des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), Dirk Bingener, begrüßt am Rande der Konferenz, dass der Papst die Jugendlichen mit einer Online-Umfrage beteiligen will. Und macht deutlich, dass viele gegenüber der Institution Kirche Vorbehalte haben - nicht zuletzt wegen des Neins zur Frauenpriesterweihe und den kirhclichen Vorbehalten gegenüber gelebter Homosexualität.

Jugendbischof Stefan Oster hält dagegen und verteidigt die Kirchenlehre. Schließlich sei es kein Zufall, dass Christus als Mann geboren wurde.

Diskussion um Umgang mit Rechtspopulismus

Immer wieder diskutieren die Bischöfe in Bergisch Gladbach auch über den wachsenden Rechtspopulismus - weltweit und national. Klar distanziert sich Marx von einigen Positionen der AfD. Zwar wolle die Kirche den Christen hier nichts vorschreiben und zur Wahl einer Partei weder zu- noch abraten. Doch gebe es für Christen "rote Linien", die sie nicht überschreiten dürften. Als Beispiele nennt er etwa Ausländerfeindlichkeit oder die Verunglimpfung anderer Religionsgemeinschaften.

Große Unzufriedenheit und Sorge bekunden die Oberhirten auch für das jüngste Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, wonach bei einer unerträglichen Leidenssituation der Staat ein Betäubungsmittel nicht verbieten darf, das eine schmerzlose Selbsttötung ermöglicht. "Es kann nicht sein, dass der Staat dazu verpflichtet wird, die Hand zum Suizid zu reichen", so Marx. Nun hoffen die Bischöfe, dass das Bundesverfassungsgericht das Urteil revidiert.

Mehr Anstrengungen fordern die Bischöfe bei der Armutsbekämpfung. Zwar seien in den vergangenen fünf Jahren keine weiteren Zuspitzungen bezüglich des Armutsrisikos sowie der Einkommens- und Vermögensverteilung zu konstatieren, so Marx. Doch liege die Armutsrisikoquote seit 2005 stabil zwischen 14 und 16 Prozent. Besonders betroffen seien junge Menschen, Alleinerziehende, kinderreiche Familien, Migranten und Behinderte.

Für Überraschung sorgt ein ökumenischer Vorstoß der Konferenz. In "erster" Lesung haben sie über Kriterien beraten, konfessionsverschiedenen Ehepaaren die gemeinsame Kommunion zu ermöglichen. Zuletzt vor rund 15 Jahren hatten sich die Bischöfe mit dem Thema beschäftigt. Auch in Bergisch Gladbach wurde noch kein Beschluss gefasst. Doch Marx versichert, die Bischöfe seien "auf einem guten Weg".

Andreas Otto
(KNA)

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