Kardinal Marx mit Brustkreuz und Kardinalsring
Kardinal Marx mit Brustkreuz und Kardinalsring

09.03.2017

Abschluss der Vollversammlung: Bischöfe weiter für den Zölibat Keine Denkverbote, aber...

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, hat sich gegen die Ehe für katholische Priester ausgesprochen. Eine Abschaffung des Zölibats wäre ein "gravierender Einschnitt in die Geschichte und Spiritualität der Kirche", so Marx.

So etwas dürfe man nicht einfach ausprobieren, und man dürfe auch nicht den Eindruck erwecken, als stehe eine solche Änderung bald bevor. Marx äußerte sich zum Abschluss der Vollversammlung der Bischöfe am Donnerstag in Bergisch Gladbah. Der Kardinal betonte, er sei in der Frage sehr zurückhaltend. Zugleich sei er dagegen, bei diesem Thema Denkverbote auszusprechen.

Der Impuls des Papstes, über die Weihe von "viri probati" (z.B. Diakone) nachzudenken, beziehe sich auf Extremsituationen in entlegenen Weltgegenden wie Amazonien, erklärte Marx. Dort gebe es Gemeinden, die wegen extremem Priestermangels nur einmal im Jahr die Sakramente empfangen könnten. Der Papst hatte in einem Interview mit der "Zeit" unter anderem gesagt, über die Weihe verheirateter Männer zu Priestern müsse weiter nachgedacht werden. Marx sagte, der Papst habe mit dem Interview grundsätzlich "wertvolle Impulse für weitere innerkirchliche Debatten" gegeben.

Debatte über Kommunion für konfessionsverschiedene Ehepaare

Die katholische Kirche in Deutschland sucht nach Wegen, konfessionsverschiedenen Ehepaaren die gemeinsame Teilnahme an der Kommunion zu ermöglichen. Die Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe diskutierte eine Vorlage, wonach eine verantwortliche Entscheidung über den Kommunionempfang des nichtkatholischen Partners im seelsorglichen Gespräch fallen kann, wie Marx zum Abschluss des Treffens sagte. Zwar gebe es noch kein Ergebnis, aber die Bischöfe seien mit ihrer Diskussion "auf einem guten Weg".

Zuletzt hatten sich die Bischöfe vor rund zehn Jahren mit dem Thema befasst. Marx verwies darauf, dass es sich angesichts des hohen Anteils konfessionsverschiedener oder -verbindender Paare in Deutschland um eine "dringende pastorale Aufgabe" handele. Nach dem Kirchenrecht komme es den Bischofskonferenzen zu, hier eine Regel zu treffen.

Bischöfe: Mehr gegen Armut tun

Bei der Armutsbekämpfung in Deutschland fordert die Bischofskonferenz mehr Anstrengungen. Trotz guter wirtschaftlicher Lage habe sich die Situation seit dem letzten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung im Jahr 2013 "nicht grundlegend verändert", kritisierte Marx in Bergisch Gladbach. Dort berieten die Bischöfe bei ihrem Frühjahrestreffen den noch nicht verabschiedeten fünften Bericht der Bundesregierung.

Zwar seien in den vergangenen fünf Jahren keine weiteren Zuspitzungen des Armutsrisikos sowie der Einkommens- und Vermögensverteilung zu konstatieren, so Marx. Doch liege die Armutsrisikoquote seit 2005 stabil zwischen 14 und 16 Prozent. Auch die Einkommens- und Vermögensverteilung stagniere seit etwa fünf Jahren. Zu den besonders armutsgefährdeten Personengruppen gehörten wie bisher Jugendliche, junge Erwachsene, Alleinerziehende, kinderreiche Familien, Migranten und Behinderte. Neuere Armutsentwicklungen seien im Bereich der Wohnungslosigkeit in Ballungsräumen und überschuldeter Haushalte zu beobachten.

Die Bischöfe verlangen darüber hinaus Untersuchungen zur verdeckten Armut und Analysen von längerfristigen Armutsgefährdungen, etwa zu den Auswirkungen steigender Pflegebedürftigkeit. Diese Aspekte seien beim nächsten Armuts- und Reichtumsbericht zu berücksichtigen.

Distanzierung von AfD

Von Inhalten und Methoden der AfD distanzieren sich die deutschen Bischöfe ausdrücklich. Marx erklärte, es gehe dabei nicht um eine "Stigmatisierung" dieser Partei. Aber die Bischöfe distanzierten sich "klar vom populistischen Vorgehen und vielen inhaltlichen Haltungen" der AfD.

Marx präzisierte, "das Schüren von Fremdenfeindlichkeit, von Ängsten gegen Überfremdung, von einseitiger Betonung nationaler Interessen" seien mit einer christlichen Perspektive nicht vereinbar. Weiter sagte Marx: "Wir lehnen eine politische Einseitigkeit ab, die Antworten auf drängende Fragen in einer globalisierten Welt stets so gibt, dass es auf Abschottung und Rückkehr in längst vergangene Zeiten hinausläuft, die vermeintlich Sicherheit gewährleisten."

In der politischen Debatte gebe es für Christen "rote Linien", betonte Marx. Als Beispiele nannte er "Ausländerfeindlichkeit, Verunglimpfung anderer Religionsgemeinschaften, die Überhohlung der eigenen Nation, Rassismus, Antisemitismus, Gleichgültigkeit gegenüber der Armut in der Welt, aber auch eine abschätzige oder feindselige Art und Weise miteinander zu reden". Marx betonte, Christen dürften nicht den Stil von Scharfmachern und Fundamentalisten übernehmen.

Bischöfe beunruhigt wegen Urteil zu Suizidbeihilfe

Die katholischen Bischöfe sind "in großer Sorge" wegen des jüngsten Urteils des Bundesverwaltungsgerichts zur Selbsttötung. "Es kann nicht sein, dass der Staat dazu verpflichtet wird, die Hand zum Suizid zu reichen", erklärte Marx in Bergisch Gladbach. Nichts anderes sei es, wenn das Gericht dem Staat die Entscheidung darüber abverlangt, ob ein Menschenleben noch erträglich ist oder ob ihm ausnahmsweise der Zugang zu einem todbringenden Medikament eröffnet werden solle.

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte vor einer Woche ein Recht von schwerstkranken Patienten auf einen selbstbestimmten Tod in bestimmten Fällen festgestellt. Der Staat dürfe in "extremen Ausnahmefällen" und bei einer unerträglichen Leidenssituation den Zugang zu einem verschreibungsfähigen Betäubungsmittel nicht verwehren, das einem schwer und unheilbar kranken Patienten eine würdige und schmerzlose Selbsttötung ermöglicht (AZ 3 C 19.15). Inzwischen liegt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte erstmals ein entsprechender Fall vor, wie der "Tagesspiegel" berichtete.

Marx bekundete die Hoffnung, dass das Bundesverfassungsgericht das Urteil revidiert, da es gegen die Werteordnung des Grundgesetzes verstoße. Der Wunsch zu sterben entstehe oft in Einsamkeit und Verzweiflung. Daher seien eine Ausweitung der Hospizangebote sowie eine bessere Palliativmedizin notwendig.

Mehr Geld für Flüchtlinge

Ihr Engagement für Flüchtlinge hat die katholische Kirche ausgeweitet. Die Ausgaben aller 27 Diözesen sowie der Hilfswerke stieg im vergangenen Jahr um 15,7 auf 127,7 Millionen Euro, wie Marx am Donnerstag mitteilte. Im Jahr davor seien für diesen Zweck 112 Millionen Euro bereitgestellt worden, sagte er zum Abschluss des Frühjahrstreffens der Bischöfe.

53,4 Millionen Euro wurden nach den Angaben für die Förderung von Initiativen im Inland und rund 74,3 Millionen Euro für Hilfsprojekte in Krisenregionen ausgegeben. Dagegen flossen im Jahr davor rund 71 Millionen Euro in Inlandsprojekte und 41 Millionen Euro ins Ausland.

In den Kirchengemeinden, Ordensgemeinschaften, katholischen Verbänden und bei der Caritas engagierten sich rund 100.000 ehrenamtliche Flüchtlingshelfer, hieß es. Für die "Integrationskultur" für Flüchtlinge und Asylbewerber setzten sich zudem mehr als 5.900 hauptamtliche kirchliche Mitarbeiter ein.

Sparbeschlüsse sollen überdacht werden

Der Verband der Diözesen Deutschlands will seine Sparbeschlüsse erneut überdenken. Der sogenannte Verbandsausschuss solle noch einmal mit den von Einsparungen betroffenen Institutionen sprechen und darüber im Juni berichten, erläuterte Marx die aktuelle Beschlusslage der deutschen Bischöfe.

Betroffen sind unter anderem Zuschüsse für einige deutsche Kirchengemeinden im Ausland sowie die Friedensbewegung "pax christi". In der Regel gehe es hier aber um Zuschüsse für die Zeit ab dem Jahr 2020, ergänzte Marx, und nicht um Gelder für dieses oder für das nächste Jahr.

(KNA)

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Komplet – Das Nachtgebet mit Weihbischof Ansgar

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