DBK-Vorsitzender Reinhard Kardinal Marx
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DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann
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08.03.2016

Kardinal Marx: Betriebliche Mitbestimmung weiterentwickeln "Im Mittelpunkt steht nicht das Kapital, sondern der Mensch"

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, hat die Gewerkschaften zu einer Weiterentwicklung der Mitbestimmung ermutigt. Die Mitbestimmung ergebe sich aus der Würde des Menschen, sagte er in Berlin.

Marx äußerte sich zur Eröffnung der Ausstellung "Vom Wert der Mitbestimmung" der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in der Berliner Akademie der Künste. Dabei bezeichnete er die Mitbestimmung als Kernelement der sozialen Marktwirtschaft. Der Kapitalismus in seiner Reinform sei mit der katholischen Soziallehre nicht vereinbar, so der Kardinal. Der Mensch müsse im Mittelpunkt stehen, nicht die Kapitalinteressen. So müsse auch die Arbeit als Ausdruck der Person des Menschen verstanden werden.

Der Kardinal warnte, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise auf globaler Ebene noch nicht vorüber sei. Kirche wie Gewerkschaften müssten weltweit darauf achten, dass eine rein an Kapitalinteressen orientierte Wirtschaft nicht die Würde des arbeitenden Menschen bedrohe.

Marx plädiert für Sonntagsschutz

Als Herausforderungen einer weiteren Humanisierung der Arbeitswelt nannte er deren stärkere Ausrichtung an den Bedürfnissen des Einzelnen. Dabei verwies er besonders auf eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Marx bekräftigte zugleich die Forderung nach einem Erhalt des Sonntagsschutzes. Dies sei über die religiöse Dimension hinaus eine zivilisatorische Errungenschaft, die zu den Grundwerten der europäischen Kultur gehöre.

Kirche und Gewerkschaft stünden bei der Verteidigung der Würde der Arbeit Seite an Seite, betonte der Erzbischof. Er bedauerte, dass die intensiven Kontakte zwischen Kirche und Gewerkschaften nicht auf allen Ebenen gegeben seien. Der Kampf für die Rechte der Arbeitnehmer ergebe sich auch aus dem Evangelium.

Mitbestimmung als sozialethische Wertentscheidung

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, hob den Wert der Mitbestimmung als sozialethische Wertentscheidung hervor. Unternehmen seien soziale Gebilde, die so gestaltet sein müssten, dass sie die Würde des Menschen nicht verletzten. Durch die Mitbestimmung solle ein Ausgleich zwischen Selbst- und Fremdbestimmung geschaffen werden. Die Gewerkschaften verbinde mit der Kirche die gemeinsame Sorge um eine menschenwürdige Gestaltung der Arbeit. Dies sei auch das Kernthema der katholischen Soziallehre.

Hoffmann würdigte die Verdienste des Nestors der katholischen Soziallehre, Oswald von Nell-Breuning (1890-1991), um die Entwicklung der Mitbestimmung. Es sei das wesentliche demokratische Gestaltungsprinzip in der sozialen Marktwirtschaft.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Arbeitsministerium, Yasmin Fahimi (SPD), sah den Wert der Mitbestimmung für die Gewerkschaften auch darin, dass sie eine Kultur der Sozialpartnerschaft etabliert habe. Die Mitbestimmung habe zur Humanisierung der Arbeitswelt beigetragen und sich gerade auch in der Finanzkrise bewährt.

(KNA)

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