Der neue Vorsitzende: Kardinal Marx (3.v.l.)
Der neue Vorsitzende: Kardinal Marx (3.v.l.)

12.03.2014

Katholische Bischöfe wählen Kardinal Marx zum neuen Vorsitzenden Gefragter Kardinal

Nach einem in der Geschichte der Bischofskonferenz einmaligen "Vorkonklave" haben 63 Erzbischöfe, Bischöfe, Administratoren und Weihbischöfe Kardinal Marx zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt.

Bis zuletzt war völlig offen, wer von den 20 vom Alter her wählbaren Oberhirten es schaffen würde, bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) die notwendige Mehrheit auf sich zu vereinen. Im fünften Wahlgang erhielt Kardinal Reinhard Marx (60) in Münster die absolute Mehrheit.

Im Vorfeld hatten Veteranen wie der emeritierte Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, aber auch der Ex-Vorsitzende, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, versucht, auf je eigene Weise Strippen für Kandidaten ihres Vertrauens zu ziehen. Anders als bei der Wahl vor sechs Jahren war es diesmal weder dem DBK-Sekretariat noch dem scheidenden Vorsitzenden möglich, das Wählerfeld vorab mit Hilfe einer umfassenden Telefondiplomatie auf zwei Favoriten "einzuordnen".

Generationswechsel

Mit der Wahl des Erzbischofs von München und Freising haben die Bischöfe vor allem einen klaren Generationenwechsel vollzogen. Erstmals leitet ein Bischof die Konferenz, der nicht mehr der Kriegs- oder Nachkriegsgeneration angehört. Ob mit ihm auch ein Politikwechsel Einzug hält, ist indes ungewiss. Auch Marx wird nicht umhin können, zwischen den unterschiedlichen Flügeln und Strömungen zu vermitteln und den Dialog zu pflegen - anderes lässt die Verfassung der Konferenz gar nicht zu, da sie ein Zusammenschluss von autonom und souverän handelnden Bischöfen ist.

Dennoch steht zu erwarten, dass Marx mehr einvernehmliche Beschlüsse auch in inhaltlichen Fragen wird organisieren müssen als sein Vorgänger Robert Zollitsch. Das gilt besonders dann, wenn Papst Franziskus seine Andeutungen wahr macht, und die weltweit rund 120 Bischofskonferenzen noch stärker als bisher in die Beratung der Weltbischofssynode und in die Leitung der Kirche einbezieht. Die bevorstehende Sondersynode zum Thema Familie im Oktober wird eine erste Gelegenheit sein, diese neue Rolle zu erproben. Erstmals wollen die deutschen Bischöfe einen gemeinsamen Antrag in die Synode einbringen.

Berlin-Umzug?

Eine symbolträchtige Frage werden die Bischöfe unter der Moderation ihres neuen Vorsitzenden ebenfalls neu diskutieren und entscheiden. Angestoßen durch den im Osten sozialisierten Augsburger Bischof Konrad Zdarsa steht das Thema eines möglichen Berlin-Umzugs und einer Verschlankung des Bonner Sekretariats der DBK auf der Tagesordnung.

Der scheidende Vorsitzende Zollitsch hatte in seiner letzten Pressekonferenz zu Beginn der Vollversammlung noch einmal betont, dass er die Arbeitsteilung zwischen dem für Grundsatzfragen zuständigen Sekretariat in Bonn und dem ins politische Geschäft eingebundenen Katholischen Büro in Berlin für gut und bewährt halte.

Doch war in Münster deutlich zu spüren, dass diese Zweiteilung ebenso wenig für kommende Jahrzehnte in Stein gemeißelt ist wie im weltlichen Bereich das Bonn-Berlin-Gesetz.

"Franziskus-Effekt"

Noch spannender als das Standort- und Strukturthema für das DBK-Sekretariat ist die Frage, ob und wie es dem neuen Vorsitzenden gelingen wird, mehr vom Schwung des "Franziskus-Effekts" auf die Mühlen der katholischen Kirche in Deutschland umzuleiten. Sein Vorgänger Zollitsch hatte in den letzten Monaten seiner Amtszeit betont, er fühle sich bei seinen Dialog- und Reformbemühungen von Papst Franziskus ermutigt.

Eigene Akzente wird Marx schon bald setzen können, wenn er den von Zollitsch angestoßenen bundesweiten "Dialogprozess" zum Abschluss bringt. Aus der Art und Weise, wie er das tut, wird man weitere Rückschlüsse ziehen können. Und schon Ende Mai steht der 99.

Katholikentag in Regensburg ins Haus. Das katholische Laientreffen wird so zu einer ersten großen Bühne für Kardinal Marx in seiner neuen Rolle als Konferenz-Vorsitzender.

DBK-Sekrteär bestätigt

P. Dr. Hans Langendörfer SJ (62) ist von der Bischofs-Vollversammlung in Münster als Sekretär der DBK bestätigt worden. Es ist bereits die dritte Wiederwahl des Jesuiten, der 1996 als Nachfolger von Prälat Wilhelm Schätzler (85) ins Amt kam. Marx ist nach Lehmann und Zollitsch bereits der dritte Vorsitzende, unter dem Langendörfer die Geschäfte des Sekretariats in Bonn leitet.

(KNA)