Sr Margareta Gruber OSF
Sr Margareta Gruber OSF

Sr Margareta Gruber OSF ist Professorin für neutestamentliche Exegese an der Philospohisch-Theologischen Hochschule in Vallendar bei Koblenz. SIe ist seit 1983 Franziskanerin im Kloster Sießen. Bis Ende März ist sie Inhaberin des "Laurentius-Klein-Lehrstuhls" am Studienjahr der Benediktinerabtei Dormitio in Jerusalem.

21.02.2013

Sr. Margareta über motivierte Frauen in der Kirche Berufsperspektiven gesucht

Der Frauenanteil in kirchlichen Leitungspositionen soll erhöht werden. Das ist ein Ergebnis des Studientages der Bischöfe zur Rolle der Frau. Im domradio.de-Interview zieht die Neutestamentlerin Schwester Margareta Gruber OSF eine Bilanz.

domradio.de: Schwester Margareta Gruber, was hat die Bischöfe bewogen, Sie einzuladen bzw. den Studientag vorzubereiten?  

Schwester Gruber: Das weiß ich letztlich auch nicht, aber es ist immer eine Ehre, eingeladen zu werden. Ich bin Neutestamentlerin und die Bischöfe wollten auch jemand von der biblischen Seite. Ich bin Ordensfrau, das mag auch eine Rolle spielen, also die Rolle der Ordensfrauen auch mit zu berücksichtigen. Und eben als Professorin habe ich viel mit jungen Frauen zu tun, und es war ja auch ein Schwerpunkt meines Referats: Die Perspektive von jungen Frauen in der Kirche.

domradio.de: Wie sieht die Perspektive denn aus? Die katholische Kirche ist eine Männerkirche, also Priesterinnen wird es auf absehbare Zeit nicht geben. Auch das Diakonat wird den Frauen nicht offenstehen. Was kann Frauen denn motivieren, sich in der katholischen Kirche zu engagieren, wenn sie ehrgeizig sind, wenn ihnen all diese Ämter verschlossen bleiben?
Schwester Gruber: Sie werden lachen: Das Evangelium. Ich habe eine Umfrage gemacht bei meinen Studentinnen der letzten Jahre und viele haben spontan gesagt: Es ist das Evangelium, manche sagen auch: Es ist Christus! Auch in dieser säkularisierten Welt heute denken junge Frauen in Ost und West immer und überall ‑ auch in verschieden Teilen Deutschlands: Ich will mein Leben in der Kirche zur Verfügung stellen. Da war ich auch selbst überrascht.

domradio.de: Es muss der katholischen Kirche gelingen, die Kirche für Frauen attraktiver zu machen. Es gibt immer weniger Theologiestudentinnen, immer weniger katholische Doktorandinnen. Wie kann es der Kirche denn gelingen?
Schwester Gruber: Diese Frauen sind schon sehr selbstbewusst. Sie wissen, was sie wert sind, und bieten sich an, aber sie sagen sich, wenn wir nicht gebraucht werden, dann müssen wir eben woanders hingehen. Das bedeutet: Man muss diese Frauen direkt ansprechen, sie fördern und fordern, muss ihnen sagen, was man erwartet, muss ihnen Berufsperspektiven bieten. Darüber haben wir auch gesprochen, damit dieses Charisma, das sie mitbringen, auch eingesetzt werden kann. Auch auf Führungspositionen. Das wird auch deutlich erwartet.

domradio.de: Alle Bischöfe sind sich einig, viel mehr Frauen sollen in der katholischen Kirche in Führungspositionen tätig sein. Doch wie sieht das denn in der Praxis aus? Müsste es da nicht eine Quotenregelung geben oder einen Förderplan, um dem Ganzen einen konkreten Schubs zu geben. So bleibt es bei freiwilligen Verpflichtungen und in fünf Jahren trifft man sich wieder und stellt mit langen Gesichtern fest: Hmh, nee, von 27 Pressesprechern in der katholischen Kirche in Deutschland sind immer noch 26 Männer.

Schwester Gruber: Das könnte uns natürlich passieren. Aber vielleicht auch nicht. Also: Eine Quotenregelung wird unterschiedlich diskutiert. Da sind ja auch nicht alle Frauen dafür, so etwas einzuführen. Ich denke, konkrete Maßnahmen ja, Förderprogramme ja, die sind auch angedacht. Es gibt Konzepte und die werden sicher noch einmal konkret angeguckt. Ich erwarte schon, dass da jetzt konkrete Dinge kommen und nicht nur Absichtserklärungen von diesem Studientag bleiben.

domradio.de: Bei dem Priesteramt für Frauen gibt es wenig Spielraum. Beim Diakonat scheint das etwas anderes zu sein. Kardinal Kasper hat sich da auch offen geäußert. Wie sehen Sie das, ist da in absehbarer Zeit etwas möglich?

Schwester Gruber: Man muss ja unterscheiden zwischen dem sakramentalen Diakonat der Frau und einer wie auch immer gearteten Sendung von Frauen in den diakonischen Dienst der Kirche. Dieser Unterschied ist wichtig, theologisch ist der nach außen gar nicht so leicht zu vermitteln. Aber ich denke, dass darüber nachgedacht wird, gerade in dem Bereich, der nicht das sakramentale Weiheamt betrifft, Formen für Frauen zu finden. Das kann aber nicht ich tun, ich bin kein Bischof, ich hoffe, dass da weiter drüber nachgedacht wird.

domradio.de: Können Sie junge Frauen verstehen, die sich für das Evangelium begeistern und die sagen, ich möchte schon einmal gern Priesterin werden?

Schwester Gruber: Ja, ich kann das schon verstehen. Das fragt sich jede Frau vielleicht einmal. Unsere Gesellschaft ist ja auch so, dass sie sagt: Alles für alle. Und dann ist es halt die Frage: In der katholischen Kirche ist es eben nicht so. Ehrlich gesagt kenne ich auch viele Frauen, die sagen, ich kann mir das wünschen, aber ich bin Katholikin und meine Kirche hat da nicht die Vollmacht. Und wir stellen uns da unter den Gehorsam der Kirche. Für mich ist das auch ein Glaubensakt.

(dr)

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