18.01.2013

Sachsens Katholiken können ihrem neuen Bischof einiges vorweisen Als Minderheit geachtet

Nicht nur mit ihrer barocken Bischofskirche hat die Diözese Dresden-Meißen ihrem neuen Bischof Heiner Koch einiges zu bieten.

Zu Dresdens weltbekannter Altstadt-Silhouette gehört die katholische Kathedrale. Die ehemalige Hofkirche der sächsischen Könige ist ein Wahrzeichen des "Elbflorenz". Große Zahlen sind es allerdings nicht. Dresden-Meißen ist eine der kleineren deutschen Diaspora-Diözesen, mit rund 140.000 Katholiken in Sachsen und dem Osten Thüringens. In der Gesamtbevölkerung machen sie rund vier Prozent aus. Nur die 20.000 Sorben in der Oberlausitz, eine slawischsprachige Volksgruppe mit reicher religiöser Tradition, lebt in geschlossen katholischen Siedlungsgebieten. Auch besteht das Bistum in seinen heutigen Grenzen noch keine 100 Jahre. Die frühere Diözese ging im Zuge der Reformation unter.

1921 erhob Papst Benedikt XV. die damalige Apostolische Präfektur Meißen zum neuen Bistum Meißen mit Bischofssitz in Bautzen. 1979 wurde der Name der Diözese in Dresden-Meißen geändert und der Bischofssitz nach Dresden verlegt. Ihre historischen Wurzeln reichen allerdings bis ins 10. Jahrhundert zurück und sind weiter bewusst.

So wird der heilige Bischof Benno von Meißen (1010-1106) bis heute als Bistumspatron verehrt.

Ein wichtiger historischer Einschnitt war der Wechsel des sächsischen Kurfürsten August der Starke 1697 zum katholischen Glauben, um die polnische Königskrone erlangen zu können. Zwar blieb Sachsen protestantisch, doch in seinem Hofstaat waren nun beide Konfessionen vertreten. Augusts Konversion leitete einen vor allem kulturellen Wiederaufschwung des Katholizismus ein. So ließ sein Sohn August III. die Hofkirche errichten, die Hofkapellknaben wurden um einen katholischen Zweig ergänzt. Auch heute gelten die Dresdner Kapellknaben als wichtiger katholischer Beitrag zum internationalen Renommee Dresdens.

Das Ende der DDR machte den Weg frei für weitere "Leuchtturmprojekte" des Bistums. So begründete es das Dresdner Sankt-Benno-Gymnasium wieder, an dem die meisten Kapellknaben unterrichtet werden. Wie bei den anderen fünf Schulen des Bistums ist das Interesse an einem Platz dort ungebrochen.

Achtung haben sich die Katholiken seit 1990 auch durch ihre Bildungshäuser und Sozialeinrichtungen erworben. So ist die Bistumsakademie regelmäßig außer in Dresden auch in Chemnitz, Freiberg und Leipzig mit Veranstaltungen vertreten. In über 200 sozialen Diensten und Einrichtungen der Caritas engagieren sich rund 6.000 Mitarbeiter. Die Leipziger Propsteikirche, das derzeit größte kirchliche Neubauprojekt in Ostdeutschland, findet zahlreiche Unterstützer auch außerhalb des Bistums.

In der Gesellschaft präsent

Auf diese Weise sind Sachsens Katholiken in der Gesellschaft weit stärker präsent, als ihre Minderheitenlage annehmen lässt. Dass dies möglich wurde, ist auch ein Verdienst der westdeutschen Diözesen, vor allem des Erzbistums Köln. Schon zu DDR-Zeiten begründete es eine Partnerschaft, die auch finanzielle Hilfe einschloss. Bis heute arbeitet etwa die Jugendseelsorge beider Bistümer eng zusammen.

Mit seinem bisherigen Weihbischof Heiner Koch leistet das Rheinbistum nun einen weiteren Beitrag. Bischofs-Transfers von West nach Ost sind für das Bistum keine neue Erfahrung. Nach dem legendären Bischof Petrus Legge (1932-1951), der aus Westfalen stammte und das damalige Bistum Meißen durch Nazizeit, Krieg und Sowjetbesatzung führte, gab es mit den Bischöfen Heinrich Wienken (1951-1957) und Otto Spülbeck (1958-1970) noch zwei weitere Meißener Bischöfe aus dem heutigen Nordrhein-Westfalen.

Diese Reihe setzt Koch als Nachfolger des 2012 aus Altersgründen zurückgetretenen Bischofs Joachim Reinelt fort. Nach dem Amtsantritt von Rainer Maria Woelki 2011 in Berlin werden nun zwei der fünf ostdeutschen Diözesen von ehemaligen Weihbischöfen aus dem Erzbistum Köln geleitet.

 

(KNA)

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