Das Turiner Grabtuch
Das Turiner Grabtuch
Das Turiner Grabtuch ist nach fünf Jahren wieder öffentlich zu sehen
Das Turiner Grabtuch ist nach fünf Jahren wieder öffentlich zu sehen

17.07.2018

Erneute Debatte um Authentizität Falsches Blut auf Turiner Grabtuch?

Mindestens die Hälfte der Blutflecken auf dem Turiner Grabtuch soll "falsch" sein: Das hat eine Studie der Universität Liverpool ergeben, die jetzt im "Journal of Forensic Sciences" erschien. Das Ergebnis wird allerdings angezweifelt.

Die Echtheit des legendären Turiner Grabtuchs ist weiterhin ungeklärt. Der italienische Experimentalphysiker Paolo Di Lazzaro kritisierte am Dienstag in einem Beitrag des Informationsdienstes "Vatican Insider" Mängel in der Versuchsanordnung einer jüngsten gerichtsmedizinischen Analyse. Die Untersuchung des Forensikers Matteo Borrini und des Chemikers Luigi Garlaschelli hatte Unstimmigkeiten in den Blutspuren auf dem Leintuch mit dem Abbild eines Gekreuzigten festgestellt.

Blutflecken "völlig unrealistisch"

Nach der Studie von Borrini und Garlaschelli, die vergangene Woche im "Journal of Forensic Sciences" veröffentlicht wurde, setzen die Blutspuren auf der Vorder- und Rückseite der Arme des Gekreuzigten unterschiedliche Armhaltungen voraus.

Ein Blutfleck auf der Rückseite des Abbilds, der von einem Lanzenstich in die Seite des Gekreuzigten herrühren soll, sei "völlig unrealistisch".

Zweifel am Experiment der Forscher

Borrini und Garlaschelli begründeten ihre Zweifel anhand von Experimenten, die den Verlauf der Blutspuren auf dem Grabtuch simulieren sollten. Di Lazzaro, Vizedirektor des Turiner Zentrums für die Erforschung des Grabtuchs, machte dagegen unter anderem geltend, die beiden Forscher hätten für ihre Versuche Blut mit einem gerinnungshemmenden Zusatz verwendet.

Dies sei entsprechend dünnflüssiger als das Blut eines dehydrierten Mannes, sagte Di Lazzaro. Mitbestimmend für den Verlauf des Wundbluts bei einem Gekreuzigten seien auch die Stärke der Blutung, Schweiß, Schwellungen sowie Schmutz auf der Haut. Diese Faktoren seien bei dem Experiment unberücksichtigt geblieben.

Verlässliches Ergebniss schwer zu bekommen

Zu dem Blutfleck auf Hüfthöhe sagte Di Lazzaro, das Leintuch könne möglicherweise schon für den Transport des Leichnams vom Kreuz zum Grab verwendet worden sein. Hätte man den Toten an Armen und Beinen getragen, so hätte an der tiefsten Stelle am Becken das Blut der Lanzenwunde gesammelt.

Um zu verlässlicheren Ergebnissen zu kommen, müsse man "Parameter von Blut und Haut verwenden, die näher an denen sind, die man reproduzieren will". So sei der Ertrag des Experiments von Borrini und Garlaschelli "weniger als vorläufig", sagte Di Lazzaro.

Zweifel an Studie kommen auch von anderer Seite

Auch Grabtuch-Expertin und Naturwissenschafts-Professorin Emanuela Marinelli äußerte gegenüber Vatican News Zweifel an den Ergebnissen der jüngsten Experimente. Im Interview mit Vatican News sagte Marinelli: "Also, zunächst einmal erschließt sich einem nicht richtig, warum ein Fälscher oder Künstler nur die Hälfte der Flecken hätte fälschen sollen. Was sollte das denn bedeuten, so ein Objekt zur Hälfte mit echten Blutflecken und zur anderen Hälfte mit falschen?"

Die Autoren der Studie hätten nichts weiter getan, als die Blutflecken an einer Puppe mit denen auf dem Grabtuch zu vergleichen, und hätten aus den Unterschieden geschlossen: Das Blut auf dem Grabtuch ist teilweise falsch. "Wenn das Wissenschaft ist, dann gebe ich meinen Universitätsabschluss zurück!" 

(KNA, VN)

Kooperationspartner

Tagesevangelium als App

Evangelium - Gesprächspartner

Kontakt

Sie brauchen Hilfe,
haben einen Verbesserungsvorschlag oder einen Fehler gefunden?
Nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf.

E-Mail-Kontaktformular