Symbolbild: Engel
Symbolbild: Engel

02.10.2017

Katholiken feiern Schutzengelfest Mehr als nur Kommerz

Man kennt ihn als Schlüsselanhänger und Talisman - den Schutzengel. Katholiken feiern und verehren ihn zum Schutzengelfest am 2. Oktober. Doch woher kommt die Tradition und warum haben die Schutzengel Flügel? Eine Erklärung.

Sie war auf dem Weg zum Grab ihrer Eltern, als die Schauspielerin Marie-Luise Marjan mit ihrem Auto in einer Kurve einen riesiger Laster auf sich zufahren sah. So berichtet es die 76-Jährige im Gespräch mit der Fernsehzeitschrift "Auf einen Blick". "Ich dachte: 'Der muss doch jetzt in die Kurve gehen!' Doch er fuhr geradewegs auf mich zu." Das, was dann passierte, kann sie sich nur mit dem Beistand eines Schutzengels erklären. "Als er fast vor mir war, riss ich das Lenkrad herum und wich ihm über den Bürgersteig aus. Knapp an einem Baum vorbei.“ In solchen Situationen, wie sie die deutsche Schauspielerin und Institution als Mutter Beimer in der "Lindenstraße" erlebt hat, kommt der Schutzengel immer wieder zur Sprache. Ganz schnell sind sie Teil unseres Alltags.

Katholischer Gedenktag

Am heutigen 2. Oktober feiert die katholische Kirche den Gedenktag der heiligen und himmlischen Helfer: Das Schutzengelfest. An diesem Tag verehren die Gläubigen ihren Schutzengel. In der Bibel finden sich immer wieder Hinweise auf den Schutzengel, der den Menschen sein Leben lang begleitet und vor Schaden bewahrt. Im Buch Exodus etwa (23,20) sagt Gott zum Menschen: "Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und dich bringe an den Ort, den ich bestimmt habe."

Die Vorstellung des Beschützers hat sich im Mittelalter herauskristallisiert. Der Gedenktag der Schutzengel entstand im 16. Jahrhundert in Spanien und wird seit 1670 am 2. Oktober begangen. Papst Paul V. hatte das Gedenken bereits 1608 in den Kirchenkalender aufgenommen.

Kunst und Kommerz

Seit jeher werden Schutzengel als Begleiter auch bildlich dargestellt. Denkt man da nur an Raffaels Engel, wie sie in der Sixtinischen Kapelle seit Jahrhunderten von der Decke schauen. Abgebildet sind sie meist mit Flügeln. "Das soll zeigen, dass es Wesen sind, die zwischen Himmel und Welt verkehren", erklärt der Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti. Zudem würden sie meist als Jünglinge oder geschlechtslose Wesen dargestellt.  

Aber auch heute sind Schutzengel noch beliebte Abbildungen - und das nicht nur bei Christen. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa aus dem Jahr 2005 zeigte sich, dass Zweidrittel der Deutschen an Schutzengel glauben, eher noch als an Gott. Die Werbebranche hat den Helfer und Beschützer für sich entdeckt. Gerne werden sie verschenkt und in Taschen mit sich getragen. 395.000 Ergebnisse finden sich bei Google unter dem Stichwort "Schutzengelanhänger". Die Suche nach "Kreuzanhänger" ergibt nur 231.000 Ergebnisse.

Die Engel sind zurück

Der Kulturwissenschaftler, Schriftsteller und Theologe Uwe Wolff hat bereits in den 1980ern darauf hingewiesen, dass der Schutzengel eine Renaissance erleben wird. "Das hängt damit zusammen, dass wir einen Umbruch erleben", sagte er schon im Jahr 2012 im domradio.de-Interview. Auf der einen Seite beobachte man den Fundamentalismus im Islam, aber auch, dass Christen Abstand von alten Formen kirchlichen Lebens, die sich überholt hätten, nehmen würden. Trotzdem gebe es die Sehnsucht nach religiösem Leben. "Da wo die Institutionen sich neu definieren, da sind die Engel da", sagte er. In Zeiten des Umbruchs seien sie die Wegbegleiter, die sagten: "Du bist nicht allein. Geh Deinen Weg weiter. Sei zuversichtlich."

Auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Kardinal Woelki erklärte zuletzt im seinem "Wort des Bischofs" bei domradio.de, er sei überzeugt, dass jeder Mensch einen "Bodyguard" habe, den man früher Schutzengel nannte. Sein Bodyguard - der heiße Jesus Christus!

Auch Papst Franziskus teilte am heutigen Festtag via Twitter mit, dass der Schutzengel ein Freund sei, den wir nicht sehen, aber spüren könnten. Er begleite uns auf unserem irdischen Weg zum Himmel.

Melanie Trimborn
(DR)

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