Ingo Brüggenjürgen
Ingo Brüggenjürgen

25.09.2016

Ein Kommentar von Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen Über die Geduld des Herrn

Die Deutsche Bischofskonferenz hat diese Woche in Fulda eine neue Bibelübersetzung präsentiert. Eine verpasste Chance, nicht auch eine digitale Version herauszugeben, kommentiert domradio.de-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen.

Ja, wenn der Herr, wenn der Herr einst wieder kommt – und davon ist die Christenheit mehrheitlich schon noch überzeugt – dann hoffen wir alle sehr, dass er über die Unzulänglichkeiten seines himmlischen Bodenpersonals lächelt und viel Erbarmen hat. Vielleicht wird er die Seinen dann fragen: "Was habt ihr gemacht mit meinem Wort? Habt ihr es immer wieder neu hineingesprochen in die Welt?" Und die Seinen werden voll Freude antworten: "Ja, Herr. Wir haben alles versucht und im Jahr 2016 nach Deiner Geburt eine neue überarbeitete Bibel herausgebracht. Fast zehn Jahre haben wir uns gemüht, eine angemessene Sprache zu finden, die die Menschen von heute erreicht. Unsere besten Theologen und Exegeten haben sich redlich bemüht, Übersetzungsfehler zu korrigieren und Deine Worte angemessen zu Papier zu bringen!"

Spätestens da hofft man, dass die Faust des Herrn nicht ungeduldig auf den Tisch donnert und er nachfragt, warum in aller Welt in der modernen Informations- und Medienwelt nur "zu Papier" und sein lebendiges Wort nicht sofort auch digital ins weltweite Netz eingestellt wurde. Als die Journalisten in dieser Woche bei der Vorstellung der neuen Einheitsübersetzung in Fulda nachfragten, wann denn die Bibel-App komme, gab es dafür noch gar keinen Termin. Erst mal kommt zu Nikolaus die Printversion als Standard – ab dem neuen Jahr dann in allen verschiedenen Papiererscheinungsformen. Alle Welt kommuniziert digital – und alle Medienkonzerne haben in den letzten 25 Jahren schmerzlich gelernt, dass an dem Mediengesetz "Online first" kein Weg mehr vorbei führt. Und dann kommt die katholische Kirche und bringt das Buch der Bücher heraus und verkündet, dass eine digitale Version noch in Planung sei.

Wenn man nachfragt, sagen schlaue Leute, das sei vielleicht ein "Geschäftsmodell". Die Verantwortlichen beeilen sich, dies zu dementieren. Aber warum, wenn man denn das Wort Gottes heute in moderner Form zu den Menschen bringen will, es nicht sofort nach der Fertigstellung im weltweiten Netz zu finden ist, können sie nicht erklären. Was nützt es der Kirche, wenn sie eine eigene Bischöfliche Medienkommission, ein eigenes Medienhaus, gar eine eigene "Medien- Dienstleistungs-Gesellschaft" hat, aber die elementaren medialen Grundkenntnisse nicht beachtet werden? Da hilft dann offenbar auch kein eigenes katholisches Bibelwerk mit eigenem katholischem Verlag. Im Internet gibt es alle möglichen Versionen der Bibel – aber warum trumpft man nicht beim gut geplanten ersten medialen Aufschlag mit der neuen digitalen Version im Netz? Eine verpasste Chance, wenigstens hier mal zu zeigen, dass man eine Botschaft für die Kinder dieser Welt hat und diese auch gut über die mediale Rampe bringen kann.

Aber vielleicht ist das alles auch zu viel verlangt, wenn die beiden großen Kirchen im Lande pünktlich zum 500. Reformationsgedenken zwar ihre große Einheit im Jesus Christus betonen, dann aber nahezu zeitgleich mit zwei verschiedenen Übersetzungen auf den Markt kommen, und sich nicht mal auf ein gemeinsames Wort Gottes verständigen können.

(DR)

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