Weinfest in Würzburg
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Wein im Gottesdienst
Wein im Gottesdienst

30.05.2015

Seminar zum Thema Wein in St. Augustin "Jesus war alles andere als ein Asket"

Wein ist ein Getränk der Freude und kann Lebenswasser sein - wenn er in Maßen getrunken wird. Das sagt die Bibel, erzählt die Theologin Dr. Rita Müller-Fieberg im Gespräch mit domradio.de. Dass Weintrinken ein Genuss ist, habe gerade Jesus vorgelebt.

domradio.de: Kommt der Wein oft in der Bibel vor - oder muss man den suchen?

Dr. Rita Müller-Fieberg (Theologin und Dozentin für die Exegese des Neuen Testaments): Suchen muss man den nicht. Die Bibel kommt aus einer mediterranen Kultur und da ist auch der Wein allgegenwärtig: als Alltagsgetränk, als Heilmittel und natürlich bei Festen und in Gottesdiensten.

domradio.de: Die Frühjahrsakademie ist eine Veranstaltungsreihe auf dem Campus der Steyler Missionare in Sankt Augustin. Um Wein in der Bibel wird es dort im Juni gehen. Der Titel Ihres Vortrags dort lautet "Wein, der das Herz des Menschen erfreut". Wieso ist der Wein ein Getränk der Freude?

Müller-Fieberg: Der Titel kommt aus einem berühmten Psalm, in dem Wein parallel zu Brot steht. Brot für das Lebensnotwendige. Wein als Getränk der Freude. Ich glaube, das ist heute auch noch erlebbar. Das haben schon große Weisheitslehrer im Alten Testament gesagt: Was ist das für ein Leben, wenn man keinen Wein hat, der vom Anfang der Schöpfung an zur Freude erschaffen wurde.

domradio.de: Kommen denn in der Bibel auch schon Winzer vor?

Müller-Fieberg: Ja, direkt in der biblischen Urgeschichte der Menschheit. Im Buch Genesis wird erzählt, dass Noah nach überstandener Sintflut und dem Verlassen der Arche den allerersten Weinberg angelegt hat. Allerdings musste er beim Genuss seines Weines feststellen, dass ein Zuviel des Guten im Rausch enden kann.

domradio.de: Gibt es in der Bibel so eine Art Leitlinien - wo wir schon beim Rausch sind - die was über den Umgang mit dem Genussgetränk mit auf den Weg geben?

Müller-Fieberg: Es gibt eine Reihe von direkten Ratschlägen zum rechten Weingenuss. "Kopfweh, Hohn und Schimpf bringt Wein, getrunken in Erregung und Zorn" zum Beispiel. Oder auch: "Wie ein Lebenswasser ist der Wein für den Menschen, wenn er ihn mäßig trinkt." Das gibt es durchaus. Darüber hinaus war Wein im Leben der Menschen so präsent, dass die Bildlichkeit auch auf andere Lebensbereiche übertragen wurde. Die Wendung "neuer Wein in alten Schläuchen" kennen wir heute noch. 

domradio.de: Jesus hat Wasser zu Wein verwandelt. Ist das ein Hinweis darauf, dass Jesus den Genuss durchaus zu schätzen wusste?

Müller-Fieberg: Ich glaube, das ist ein ganz dicker Hinweis darauf. Bei der Hochzeit zu Kana hat Jesus ja Wasser zu mehr Wein verwandelt, als die Hochzeitsgäste überhaupt trinken konnten. Jesus war anders als Johannes der Täufer ganz bestimmt kein Asket. Er verwendete das Bild des Weines mit Vorliebe in Predigten und in Gleichnissen. Er aß und trank und feierte auch selbst gerne - sogar mit Zöllnern und Sündern. So gerne, dass ihm die Gegner vorwarfen, ein Fresser und Weinsäufer zu sein. Letztlich ist selbst das Bild des Reich Gottes für Jesus noch verbunden mit einem riesigen Freudenmahl, wo man gemeinsam von der Frucht des Weinstocks trinken wird.  

domradio.de: Bei der Frühjahrsakademie wird es im Juni um den Wein gehen. Kann man den Wein da dann auch probieren?

Müller-Fieberg: Ja, natürlich. Unsere Grundidee bei dieser Frühjahrsakademie ist, dass man erleben darf und soll, dass Alltag und Theologie sehr viel miteinander zu tun haben. Dementsprechend geht es nicht nur ums Zuhören, sondern auch ums Probieren. Wir gestalten den Abend im Team. Die Sommelière Sabine von Vultejus wird von der Praxis des Weinanbaus und von der Weinherstellung erzählen. Und natürlich wird sie auch einige gute Weine zum Verkosten mitbringen: Weine aus biblischen Regionen und Weine, die schon in der Antike angebaut wurden. Und auch einen koscheren Wein, der jüdischen Speisegesetzen entspricht und auch vegan ist. Ich glaube, das wird ein für alle Sinne sehr anregender Abend.

 

Die Fragen stellte Heike Sicconi.

(dr)

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