04.10.2012

Ein Streifzug durch die biblische Fauna Von zahmen Löwen und geschundenen Eseln

Tiere in der Bibel, dieses Thema hat Konjunktur - nicht nur am Gedenktag des heiligen Franz von Assisi. Zahlreiche Zoos bieten Sonderführungen unter diesem Titel an, gleich mehrere Verlage haben in den vergangenen Jahren Bücher hierzu veröffentlicht. Und auch die Religionspädagogik hat das Thema für sich entdeckt.

"Kinder lieben Tiere", erklärt der Theologe Matthias Micheel. Deshalb seien ihnen gerade über die naturhafte Seite der Tiere Glaubensinhalte spielerisch vermittelbar. "Was wäre Jona ohne den Wal, der Sündenfall ohne die Schlange? Hätte Petrus seine Verfehlungen auch erkannt, wenn der Hahn ihm nicht ins Gewissen gekräht hätte? Warum war es den Menschen in biblischen Zeiten lieber, wenn der neue König auf einem Esel ritt und nicht auf einem Pferd? Lauter Fragen, die Kinder neugierig machen", erklärt Micheel sein Konzept. Gemeinsam mit dem Dortmunder Zoodirektor Frank Brandstätter und dem Zoopädagogen Wolf Haferkamp hat er für das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken eine Unterrichtshilfe entworfen.

Farbenfrohe Illustrationen
Und in der Tat denkt man, wenn es um Tiere in der Bibel geht, ganz unwillkürlich an seine Kindheit zurück. Wie Jona verängstigt im Bauch des riesigen Walfischs liegt, wie die Löwen, plötzlich ganz zahm, die Hand des Propheten Daniel lecken, wie Jesus als Guter Hirte das verlorene Schaf rettet - plötzlich erscheinen die farbenfrohen Illustrationen aus der alten Kinderbibel wieder vor dem geistigen Auge. Erinnerungen an Kinderbibelwochen werden wach, an mühsam gezimmerte Archen und liebevoll gebastelte Friedenstauben mit beweglichen Flügeln und Ölzweig im Schnabel.

Rund 130 Tierarten werden in der Bibel erwähnt, Haus- und Nutztiere sind darunter wie Rinder, Schafe und Ziegen, Vögel vom Raben bis zur Taube, aber auch wilde Bestien, Schlangen und Insekten. Oft sind sie Gefährten des Menschen, die Gott ihm zur Pflege anvertraut hat. Aber sie können auch zur Plage werden, wie die Frösche und Heuschrecken, die auf Gottes Geheiß die Ägypter heimsuchen.

Viele Tiere haben darüber hinaus eine symbolische Bedeutung. Der Löwe zum Beispiel gilt als Sinnbild für Mut und Kraft, der Adler als Symbol für die Macht des Herrschers, und die Schlange steht für Heuchelei und Verführung. Auch der Hund - heutzutage meist ein treuer Begleiter des Menschen - taucht in der Bibel fast nur in negativen Zusammenhängen auf, gilt er doch als niedriges Tier, dem der Mensch zumeist mit Geringschätzung begegnet.

Die meisten Tiere sind im Alten Testament erwähnt. In manchen Büchern wimmelt es geradezu von Tieren, die aus der Lebenswelt des Vorderen Orient stammen. Bei Jesaja beispielsweise ist von Wildhunden und Gazellen, Hyänen und Straußen die Rede, bei Ijob tauchen sogar ein Nilpferd und ein Krokodil auf. Jesus wiederum greift in seinen Gleichnissen des Öfteren auf die Pflanzen- und Tierwelt zurück. Neben den Schafen sind das vor allem die Vögel des Himmels sowie das legendäre Kamel, das durch ein Nadelöhr geht. Und auch die berühmten Säue, denen man keine Perlen vorwerfen soll, haben ihren Ursprung in der Bergpredigt.

Bewahrung der Schöpfung
Dass sich die biblische Fauna heute besonderer Wertschätzung erfreut, hat aber nicht nur mit niedlichen Zeichnungen aus Kinderbibeln und niedrigschwelliger Religionspädagogik zu tun. Seit Jahren schon sucht die Kirche den Schulterschluss mit der Umweltbewegung - Stichwort "Bewahrung der Schöpfung". "Wir dürfen den Blick nicht nur zurück auf historische Bilder früherer Zeiten lenken", betont deshalb Zoopädagoge Haferkamp, "sondern wir müssen mit diesem Ansatz auch nach vorne schauen, in die Zukunft." Der Mensch sei drauf und dran, seine eigene Lebensgrundlage zu zerstören. Deshalb sollte gerade der Religionsunterricht immer auch auf die Bewahrung der Schöpfung als religiösen Auftrag aufmerksam machen. "Wir als Menschen haben eine Verantwortung gegenüber der Schöpfung, das muss den Kindern früh deutlich werden", sagt Haferkamp.

Sogar die Theologie hat inzwischen auf diesen Trend reagiert: 2009 wurde an der Universität Münster ein Institut für Theologische Zoologie gegründet, das sich zum Ziel gesetzt hat, sich aus theologischer Perspektive mit dem Verhältnis des Menschen zum Tier zu befassen. Dessen Leiter Rainer Hagencord wird seitdem nicht müde, das Thema immer wieder neu in der Öffentlichkeit zu platzieren.

Dass er damit den Nerv der Zeit getroffen hat, zeigt nicht zuletzt die Sonderausstellung "Tiere in der Bibel" im Museum für Naturkunde des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe in Münster. Eigentlich sollte sie nur ein Jahr lang, bis Anfang 2012, laufen. Doch dann wurde sie bis 2013 verlängert, so groß war das Interesse. Groß und Klein zeigen sich begeistert von den Tierpräparaten und aufwendigen Inszenierungen der biblischen Erzählungen. Wahrhaft paradiesisch mutet der Garten Eden an mit seinen Palmen, Granatapfelbäumen und dem stolzen Pfau in der Mitte. Eine lebensgroße Arche mit Reh, Riesenschlange und Möwe ist eine ihrer wichtigsten Attraktionen.

Andreas Laska

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