Papst Benedikt XVI. wird Antisemistimus vorgeworfen – ein Missverständnis, meint Jan-Hendrik Stens
Papst em. Benedikt XVI.

04.05.2020

Neue Biografie zu Benedikt XVI. vorgestellt Überraschendes zum Papstrücktritt

Das Kapitel über die homosexuelle Ehe sei in der Biografie "Benedikt XVI. - Ein Leben" das spannendste, sagt der KNA-Chefredakteur Ludwig Ring-Eifel. Bei der detailierten Schilderung des Papstrücktritts habe selbst er noch Neues entdeckt.

DOMRADIO.DE: Dass Benedikt XVI. ein Schlagzeilen-Generator ist, beweist das neue Buch. Konkret geht es da um ein allerletztes Interview mit ihm, in dem Benedikt scharf die homosexuelle Ehe verurteilt und der Gesellschaft ein antichristliches Credo unterstellt. Wer sich dem widersetze, werde gesellschaftlich ausgeschlossen, sagt Benedikt. Wie haben Sie speziell dieses Kapitel gelesen?

Ludwig Ring-Eifel (Chefredakteur der Katholischen Nachrichtenagentur / KNA): Es ist natürlich das spannendste Kapitel im ganzen Buch, weil es auch das neueste ist. Es stammt aus dem Herbst 2018. Das heißt, man kann lesen, wie der Papst vor anderthalb Jahren, sechs Jahren nach seinem Rücktritt, das gesehen hat. Das ist schon sehr spannend, weil er da immer noch so diese Bitterkeit rüberkommen lässt, die er gegenüber vielen aktuellen Diskussionen empfindet.

Auf der anderen Seite ist es auch schon fast wieder historisch, weil die allerneuesten Entwicklungen wie der Synodale Weg oder die Diskussionen um seine letzten Einlassungen zum Zölibat in diesem Buch nicht enthalten sind. Insofern ist es relativ aktuell, aber doch schon ein bisschen historisch.

DOMRADIO.DE: Peter Seewald gilt als ausgewiesener Benedikt-Kenner. Er ist der Autor mehrerer Interviewbücher über Benedikt. Bietet diese neue Biografie etwas Neues? Zum Beispiel über den spektakulären Rücktritt von Benedikt als Papst?

Ring-Eifel: Ich muss sagen, ich habe die Sache mit dem Rücktritt noch nie so gut, präzise und spannend erzählt gefunden wie in diesem Buch. Es ist detailgenau beschrieben, wann er den Entschluss fasste, mit wem er zuerst darüber spricht, wen er nicht informiert, wen er erst ganz zum Schluss informiert und wie er das Ganze dann inszeniert. Das ist, glaube ich, schon ein sehr starkes Kapitel, und da habe ich dann auch nochmal einiges dazugelernt.

DOMRADIO.DE: Joseph Ratzinger ist als junger Mann, als Flakhelfer desertiert. Als junger Professor von Tübingen nach Regensburg gewechselt. Jahrzehnte später dann der Rückzug aus dem Papstamt. Peter Seewald erkennt darin ein wiederkehrendes Handlungsmuster. Welches ist das?

Ring-Eifel: Das Handlungsmuster, das Joseph Ratzinger beziehungsweise Papst Benedikt dann, wenn er rational erkennt, dass er in seiner Position nichts mehr ausrichten kann, weiterzieht und diese Position aufgibt. Das ist etwas, was sein ganzes Leben durchzieht, was ihm beim Papstrücktritt von manchen zum Vorwurf gemacht wurde. Andere wiederum haben gesagt, dass das genau richtig war, dass er erkannt hat, dass er nicht mehr in der Lage ist, das Amt mit der vollen geistigen und körperlichen Kraft auszuüben. Also war es richtig, dass er da vor sieben Jahren zurückgetreten ist.

DOMRADIO.DE: Benedikt XVI. ist immer wieder dafür kritisiert worden, dass er sich als Papa emeritus dann doch immer wieder zu Wort gemeldet hat. Verteidigt Peter Seewald Benedikt in diesem Punkt?

Ring-Eifel: Ja, und er rückt auch noch mal klar, dass Benedikt ja bei seinem Abschied nicht gesagt hat, er werde jetzt für immer schweigen. Sondern er hat gesagt, ich werde der Kirche im Gebet und mit all seiner geistigen Kraft dienen. Er hat nie gesagt, ich werde mich nie wieder äußern. Das ist damals ein bisschen missverstanden worden. Seewald verteidigt das und sagt, dass er weiterhin das Recht hat, sich zu Wort zu melden. So wie sich zum Beispiel auch ein emeritierter Bischof hin und wieder noch mal mit grundlegenden spirituellen oder theologischen Äußerungen zu Wort melden kann.

DOMRADIO.DE: Es ist nicht übertrieben, die neue Biografie als Schinken zu bezeichnen: 1184 Seiten ist sie dick. Haben Sie sie trotzdem gerne gelesen und können Sie sie empfehlen?

Ring-Eifel: Na ja, ich bin ja nun ein bisschen ein gebranntes Kind, weil ich schon einiges über diesen Papst und auch damals die Autobiografie von Ratzinger gelesen habe, als sie vor 22 Jahren erschienen ist. Von daher waren mir die ersten, sagen wir mal, 500 bis 600 Seiten durchaus vertraut. Spannend wurde es erst in den letzten Kapiteln. Aber für jeden, der komplett in dieses Leben eintauchen will und die Autobiografie von Ratzinger nicht kennt, ist das ganze Buch ein Gewinn.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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