Benedikt XVI. trägt auch nach seinem Rücktritt weiß
Der emeritierte Papst Benedikt XVI.

19.02.2020

Benedikt XVI. dementiert frühere Begegnung mit Missbrauchstäter Kein Treffen mit H.?

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat am Mittwoch ein Zusammentreffen mit einem wegen Missbrauchs verurteilten Priester im Jahr 2000 in Bayern dementiert. Es habe weder eine Begegnung noch ein Gespräch gegeben.

Die ZDF-Sendung "Frontal21" und das Recherchezentrum CORRECTIV hatten am Dienstag über eine solche Begegnung berichtet. Auf Anfrage der Zeitung "Die Tagespost" ließ Benedikt erklären, dass es bei seinem privaten Besuch des Münchner Weihbischofs Heinrich von Soden-Fraunhofen (1920-2000) im Jahr 2000 "weder eine Begegnung mit dem Priester H., noch ein Gespräch mit ihm gegeben" habe.

Konkret hatten "Frontal21" und CORRECTIV berichtet, dass Joseph Ratzinger (später: Papst Benedikt XVI.), den sterbenskranken Weihbischof und einstigen Studienfreund besucht habe. Dabei traf er den Recherchen zufolge zufällig auch auf den als "H." bezeichneten Priester und verurteilten Missbrauchstäter.

Der Geistliche aus dem Bistum Essen war nach Missbrauchsfällen dort zwischen 1973 und 1979 im Jahr 1980 ins Erzbistum München und Freising versetzt worden. Dies sei unter Auflage einer Therapie mit Billigung des damaligen Erzbischofs Ratzinger geschehen.

Die Berichterstattung legt die Vermutung nahe, dass Ratzinger, der von 1982 bis 2005 die Glaubenskongregation im Vatikan leitete, auch in dieser Zeit von der fortdauernden Beschäftigung des Geistlichen gewusst haben könnte. Ab 2001 war Ratzinger als Präfekt der Glaubenskongregation von Amts wegen weltweit für die Verfolgung von Missbrauchstaten durch katholische Geistliche zuständig.

Staatsanwaltschaft prüft

Der ehemalige Münchner Weihbischof von Soden-Fraunhofen lebte von 1993 bis 2000 in Engelsberg, der Nachbargemeinde von Garching an der Alz, wo "H." von 1986 bis 2008 unter Auflagen als Seelsorger tätig war.

Der Fall von "H." erregte 2010 weltweit Aufsehen, auch durch US-amerikanische Medien. Der Priester war jahrzehntelang weiter in der Pfarrseelsorge im Erzbistum München-Freising tätig. Daran änderte auch ein erneuter Missbrauch nichts, für den er 1986 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Erst 2010 erfolgte seine Suspendierung vom Priesteramt, zuvor hatte es weitere Vorwürfe wegen übergriffigen Verhaltens bei Minderjährigen gegeben. Die Staatsanwaltschaft München II, die bereits früher gegen H. ermittelte, prüft derzeit, ob es weitere Taten gibt und ob Ermittlungen aufzunehmen sind.

(KNA)

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