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Papst Benedikt XVI. nach seiner letzten Generalaudienz

15.05.2019

Zur Premiere des Benedikt-Films "Verteidiger des Glaubens" Mit ruhigen Bildern auf der Seite der Reformer

Der Film sorgt noch vor seinem Kinostart für Aufsehen. In fünfjähriger Arbeit entstand der Benedikt-Film "Verteidiger des Glaubens". Regisseur Christoph Röhl inszeniert ihn mit ruhigen Bildern und bezieht im kirchlichen Richtungsstreit klar Position.

Vielleicht muss man damit beginnen, was dieser Film nicht ist: Er ist nicht die ultimative, in bewegten Bildern ausgebreitete Biografie über einen gewesenen Papst, der im Unterschied zu seinen Vorgängern noch lebt. Christoph Röhls "Verteidiger des Glaubens", der am Dienstag beim internationalen Münchner Dok.fest zum ersten Mal vor Publikum gezeigt wurde, bietet auch keine neue Erklärung über den historischen Rücktritt von Benedikt XVI. an. Und er ist keine dokumentarische Aufarbeitung des weltweiten Missbrauchsskandals, der die katholische Kirche nunmehr seit Jahrzehnten erschüttert. Er ist von allem etwas - und viel mehr.

Regisseur: Benedikt als tragische Figur

Röhl liefert mit seinem Ergebnis von fünf Jahren Arbeit eine steile, analytisch weit ausgreifende Erzählung. Die Hauptthese: Als eine der letzten, absolut monarchisch verfassten organisatorischen Gebilde dieses Planeten ist die katholische Kirche an ihr Ende gekommen, zumindest in ihrer bisherigen Gestalt. Im auch innerkirchlich zunehmend heftiger ausgetragenen Richtungsstreit ergreift der atheistisch aufgewachsene Deutsch-Brite klar Partei für die Reformer. Sein stärkstes Argument dabei ist der Anspruch der Missbrauchsopfer auf Wahrheit und Gerechtigkeit.

Der Regisseur zeichnet Joseph Ratzinger als letztlich tragische Figur. In der ersten Hälfte des Filmes schildert er den Weg des behütet in ebenso harmonischen wie klar geordneten katholischen Familienverhältnissen aufgewachsenen Bayern vom Theologieprofessor zum Konzilsberater, vom Erzbischof von München und Freising an die Spitze der Glaubenskongregation und schließlich ins höchste Amt, das die katholische Kirche zu vergeben hat.

Statements, historische Aufnahmen und ruhige Bildführung

Die Bildführung ist ruhig, ebenso die nur dezent eingesetzte Musik. Wenige historische Aufnahmen hat Röhl zwischen Statements seiner Gewährsleute montiert. Zu diesen zählen der Ratzinger gegenüber stets kritisch gesinnte Theologe Hermann Häring aus dem Umfeld Hans Küngs und der Regensburger Dogmatiker Wolfgang Beinert, der den späteren Papst als Assistent von Tübingen auf den Lehrstuhl nach Regensburg begleitete.

Die beiden ehemaligen Professoren stützen eine populäre, jedoch nicht exklusive Deutung der Vita Ratzingers, der sich vom hoffnungsvoll gestarteten Reformer unter dem Eindruck der revolutionären 68er letztlich zu einem "Law-and-Order-Mann" gewandelt habe. Der mit einem klaren Blick für Freund und Feind die Kirche vor der von ihm durchweg negativ beurteilten Moderne habe bewahren wollen. Und sie lassen keinen Zweifel daran, dass Benedikt XVI. aus ihrer Sicht dramatisch gescheitert ist.

Skandale um "Legionäre Christi"

Emotional bleiben nach einer ersten Sichtung des knapp 90 Minuten langen Films wenige Momente hängen: Von einem englischen Korrespondenten in Rom nach dem inzwischen vieler Verbrechen überführten Gründer der "Legionäre Christi" auf der Straße befragt, weicht Kardinal Ratzinger erst höflich in der Muttersprache seines Gegenübers aus und fährt dann, nachdem dieser sich nicht abwimmeln lässt, mit einem "Das ist unerhört" in einer Limousine davon.

Breiten Raum nehmen die Skandale um den stramm geführten Orden der "Legionäre Christi" und die Missbrauchsfälle in Irland ein. Dem Dubliner Erzbischof Diarmuid Martin stockt die Stimme, als er erklärt, was das Schlimme am Kindesmissbrauch ist. Die Irin Marie Collins, zeitweise Mitglied in der päpstlichen Kinderschutzkommission, schildert, wie sie am Tag, nachdem sie von einem Geistlichen missbraucht worden war, aus derselben Hand die Kommunion gereicht bekam.

"Bestimmten Typ von Kirchenmann"

Und Collins berichtet von der Reaktion eines Bischofs, als sie dies Jahrzehnte später endlich in Worte fassen konnte. Entsetzt sei dieser gewesen, dass "etwas Heiliges beschmutzt" worden sei. Damit habe er aber das Sakrament der Eucharistie und des Priestertums gemeint und nicht "meinen Körper, der ebenso heilig hätte sein müssen". Eine vergleichbare, seltsam empathiearme Reaktion findet sich in den jüngst veröffentlichten Aufzeichnungen des emeritierten Papstes, wo er über den Missbrauch einer Messdienerin reflektiert.

Röhl hält den Pontifex aus Bayern nicht nur für persönlich gescheitert, sondern sieht ihn zugleich exemplarisch als einen bestimmten Typ von Kirchenmann, der die Institution retten will und dabei das Leid der Opfer ausblendet. Eine einseitige Sicht, aber eine, der man sich in ihrer stringenten Darbietung nur schwer entziehen kann. Der "Verteidiger des Glaubens" soll Ende Oktober in die Kinos kommen.

Christoph Renzikowski
(KNA)

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