Papst em. Benedikt XVI.
Papst em. Benedikt XVI.

26.11.2018

Benedikt XVI. wehrt sich gegen Vorwurf, er sei für Judenmission "Diese Behauptung ist schlichtweg falsch"

Der Theologieprofessor Michael Böhnke hatte in der September-Ausgabe der "Herder Korrespondenz" Benedikt XVI. vorgeworfen, er habe sich für die Judenmission ausgesprochen. Dieser bricht nun sein Schweigen und wehrt sich.

So kämpferisch hat man Joseph Ratzinger alias Benedikt XVI. schon lange nicht mehr gelesen. In der neuesten Replik auf die Kritik des Wuppertaler Theologen Michael Böhnke schreibt er, das sei "grotesker Unsinn und hat nichts mit dem zu tun, was ich gesagt habe". Beide Texte, die Kritik von Böhnke und die heftige Replik Ratzingers, sind in Heften der "Herder Korrespondenz" erschienen - letzterer auf ausdrückliches Ersuchen des emeritierten Papstes.

Verhältnis zwischen Christentum und Judentum

In der Sache geht es um eines der heikelsten theologischen Themen der Gegenwart: Das Verhältnis des Christentums zum Judentum. Nur vor diesem Hintergrund ist verständlich, warum Benedikt XVI. so scharf reagiert. Er sieht sich zu Unrecht beschuldigt, einem neuen Antisemitismus Vorschub zu leisten und den Konsens von "Nostra aetate" aufgekündigt zu haben.

Nach Jahrhunderten voll Polemik und Feindschaft war das christlich-jüdische Verhältnis erst 1965 durch dieses Konzilsdokument auf eine neue, fruchtbare und friedliche Grundlage gestellt worden. Und um die Auslegung dieses Texts, der gerne als "historischer Meilenstein" im Verhältnis der beiden Glaubensgemeinschaften gelobt wird, geht es in der Kontroverse.

"Nostra aetate" gab den Anstoß

Die vatikanische Kommission für das Judentum veröffentlichte 2015 ein Dokument, das «Nostra aetate» würdigte und zugleich versuchte, diesen Text im Lichte seiner Wirkungsgeschichte und der neueren theologischen Forschung weiter auszudeuten. Einige Passagen in dem Text missfielen dem stets auf Genauigkeit bedachten emeritierten Papst, weil sie aus seiner Sicht Dinge behaupteten, die gut gemeint seien, einer wissenschaftlichen Betrachtung aber nicht standhielten.

Besonders missfiel ihm die im Text angeführte "Substitutionstheorie". Diese sei angeblich seit dem Mittelalter allgemein akzeptiert und besage, dass die Verheißungen Gottes nicht mehr dem Volk Israel gälten, weil es Jesus nicht als Sohn Gottes anerkannt habe, sondern seither auf die Kirche übergegangen seien. Eine solche Theorie wäre - wenn es sie denn gäbe - eine Begründung dafür, warum die Christen den "treulosen" Juden (notfalls auch unter Zwang) zeigen müssen, wo es lang geht zum wahren Heil: Nämlich nur über die Kirche und ihre Sakramente.

Das klingt plausibel, doch habe es, so Ratzinger, eine solche festgefügte Theorie unter diesem Begriff vermutlich nie gegeben. Sie sei nachträglich konstruiert worden, um die moderne Überwindung der schlimmen "mittelalterlichen" Sicht der Kirche auf das Judentum anschaulicher zu machen.

Ratzinger: Unzulässige Vereinfachungen

Mit ähnlicher Schärfe seziert er eine zweite These, die aus der Theologie seines Vorgängers Johannes Paul II. stammt: Es ist die Theorie des «nie gekündigten Bundes» zwischen Gott und dem Volk Israel. Sie besagt - ähnlich wie die angebliche Überwindung der "Substitutionstheorie" - dass Gott seinen einmal geschlossenen Bund mit Israel nie aufgekündigt habe. Auch hier sieht Ratzinger unzulässige Vereinfachungen am Werk und weist darauf hin, dass das Alte Testament nicht nur von einem, sondern von mehreren Bundesschlüssen Gottes mit seinem Volk berichtet - und auch von Aufkündigungen des Bundes durch das Volk, etwa bei der Anbetung des Götzen Baal am Sinai. An die Stelle der Rede vom "nie gekündigten Bund" müsse also ein differenziertes und dynamischeres Bild treten, so seine Forderung.

Als Ratzinger diese und weitere Punkte in einem Aufsatz der Zeitschrift "Communio" im Juli darlegte, entlud sich ein Sturm des Protests, an dem sich jüdische, aber auch innerkirchliche Stimmen beteiligten. Sie deuteten Ratzingers Kritik an beiden Vereinfachungen als grundsätzliche Infragestellung des Durchbruchs, den "Nostra aetate" 1965 gebracht hatte: Die längst überfällige Anerkennung der Kirche, dass die Juden auch weiterhin auf die Heilszusage Gottes bauen können. Eine unmittelbare Konsequenz daraus ist, dass die Kirche auf die Missionierung von Juden verzichtet.

Stimmt der Vorwurf nach einer christlichen Mission für Juden?

Wollte also Ratzinger diesen Fortschritt in Frage stellen und der Judenmission wieder Tür und Tor öffnen? In seiner jüngsten Replik hat der emeritierte Papst unmissverständlich klargestellt, dass es auch aus seiner Sicht keine christliche Mission für Juden gibt, sondern nur den Dialog über das, was Jesus Christus für Israel bedeutet. Auf diese Weise könnte der scharfe theologische Schlagabtausch am Ende doch noch eine hilfreiche Klarstellung bewirken.

Ludwig Ring-Eifel
(KNA)

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