Papst Benedikt XVI. nach seiner letzten Generalaudienz
Papst Benedikt XVI. nach seiner letzten Generalaudienz
Kardinal Tarcisio Bertone, damaliger Kardinalstaatssekretär
Kardinal Tarcisio Bertone, damaliger Kardinalstaatssekretär

10.03.2018

Kardinal: Benedikt XVI. sprach schon im April 2012 von Rücktritt Physische Grenzen gespürt

Papst Benedikt XVI. gab seinen Amtsverzicht am 11. Februar 2013 bekannt. Tarcisio Bertone, damals Kardinalstaatssekretär des Papstes, schreibt nun, Benedikt habe ihm gegenüber schon am 30. April 2012 eine entsprechende Andeutung gemacht.

Fast zehn Monate vor der offiziellen Bekanntgabe soll Benedikt XVI. gegenüber Bertone Rücktrittsabsichten gemacht haben. Das geht aus einer Autobiografie seines damaligen Kardinalstaatssekretärs Tarcisio Bertone hervor, die am 20. März in Italien erscheint.

Die Bemerkung sei aber ohne Resonanz geblieben, zitiert der Vatikan-Journalist Andrea Tornielli auf der Internetseite "Vatican Insider" (Freitag) aus dem Buch. Erst im August habe Benedikt XVI. während des Sommerurlaubs in Castel Gandolfo erneut davon gesprochen. "Ich konnte kaum glauben, dass er wirklich so einen Entschluss gefasst haben sollte", schreibt Bertone. Er habe dem Papst "mit Respekt, aber nachdrücklich" Gründe gegen einen Amtsverzicht vorgetragen.

"Rücktritt als Pflicht" angesehen

Nach der Schilderung Bertones wäre die erste Rede von einem Rücktritt wenige Wochen nach der Mexiko- und Kuba-Reise Benedikts XVI. erfolgt, die den damals fast 85-Jährigen sichtlich anstrengte. Diese Version steht in Einklang mit einer späteren Interviewäußerung des emeritierten Papstes.

So sagte Benedikt XVI. 2016 der italienischen Tageszeitung "La Repubblica", er habe sich nach den Erfahrungen seiner Mexiko- und Kuba-Reise im Frühjahr 2012 nicht in der Lage gefühlt, eine weitere so anstrengende Reise zum Weltjugendtag nach Rio de Janeiro 2013 zu unternehmen.

Ein Weltjugendtag ohne die "physische Präsenz des Papstes" sei aber undenkbar, so Benedikt XVI. "Dies war ein weiterer Umstand, weshalb ich den Rücktritt als meine Pflicht gesehen habe." Er habe einsehen müssen, dass er die anstehenden Aufgaben unmöglich hätte bewältigen können. "Deswegen war ich in gewisser Weise dazu gezwungen, mich in die Hände Gottes zu begeben, mich Jesus anzuvertrauen".

Zu große Anstrengungen

Während seiner Lateinamerika-Reise 2012 habe er sehr stark die physischen Grenzen seines Körpers gespürt, so Benedikt XVI. weiter. Gespräche mit seinem Arzt bestätigten, dass eine Teilnahme am Weltjugendtag in Rio unmöglich war. "Von da an musste ich in relativ kurzer Zeit über das Datum meines Rücktritts entscheiden."

Sein Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein nannte in einem Interview des "Süddeutsche Zeitung Magazins" 2014 ebenfalls die strapaziöse Reise im März 2012 als Hauptgrund für die Entscheidung. Der Leibarzt des Papstes habe damals erklärt, "einen erneuten Flug über den Atlantik werde er nicht überstehen". Seine Entscheidung zu einem Rücktritt äußerte Benedikt XVI. laut Gänswein aber erst im August 2012.

(KNA, rv)

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