Kardinal Ratzinger offenbart komödiantisches Talent

Karl-Valentin-Sketch vorgespielt

Papst em. Benedikt XVI. liebt seine Heimat Bayern und offenbar auch den Humor des Komikers Karl Valentin. Dies belegt jedenfalls eine Erzählung des früheren Münchner Oberbürgermeisters Christian Ude: Kardinal Ratzinger als Sketch-Imitator.

Joseph Ratzinger, im Gespräch mit Fernsehautor Georg Lohmeier, erhält Karl-Valentin-Orden am 4. Januar 1989 / © N.N. (KNA)
Joseph Ratzinger, im Gespräch mit Fernsehautor Georg Lohmeier, erhält Karl-Valentin-Orden am 4. Januar 1989 / © N.N. ( KNA )

Demnach ist Ude vor einigen Jahren in den Genuss einer schauspielerischen Kostprobe von Kurienkardinal Joseph Ratzinger gekommen. Das verriet der SPD-Politiker laut "Süddeutscher Zeitung" in seiner Laudatio für Philipp Lahm, den diesjährigen Preisträger des Karl-Valentin-Ordens der Münchner Faschingsgesellschaft Narrhalla. Als der OB zu Gast gewesen sei beim damaligen Chef der Glaubenskongregation, habe er den Gesprächseinstieg mit dem Hinweis versucht, sie beide seien ja "Ordensbrüder". Ratzinger erhielt die Auszeichnung 1989, Ude 1999.

Auswendig Sketch vorgespielt

Der Kardinal habe ihm daraufhin in seinem Amtszimmer auswendig einen Valentin-Sketch vorgespielt, bei dem er selbst mit variierender Stimme alle Rollen gesprochen habe, erzählte Ude: "Was hätte ich dafür gegeben, wenn ich das damals schon mit einem Handy hätte filmen können!" Ratzinger sei sehr stolz auf diesen Orden gewesen.

"Grandioser Münchner Künstler"

Ratzinger selbst berichtete, als er den Orden einst bekam, dass er als junger Münchner Theologie-Student 1948 einen 15 Kilometer langen Fußweg auf sich genommen habe, um dem von ihm bewunderten Komiker und "grandiosen Münchner Künstler" (1882-1948) die letzte Ehre zu erweisen.

Es sei das Privileg der Narren, die Wahrheit sagen zu dürfen, betonte Ratzinger damals in seiner Rede. Doch: "Wer die Wahrheit sagt und sich nicht auch ein wenig wie ein Clown dabei vorkommt, würde wohl allzu leicht selbstherrlich werden."


Quelle:
KNA